Die Grüne Insel lockt. Wie das Ölservice-Unternehmen Weatherford am Mittwoch bekannt gab, verlegt es seinen Sitz nach Irland. Sechs Jahre lang hatte sich der Konzern im Kanton Zug niedergelassen. Doch jetzt ist Schluss. Der Wechsel auf den Inselstaat soll dem Milliardenkonzern Auftrieb verleihen. Laut Präsident und Konzernchef Bernard Duroc-Danner sollen es die Rahmenbedingungen in Irland dem Multi ermöglichen, zu tiefstmöglichen Kosten zu arbeiten und die besten Mitarbeiter zu rekrutieren.

Für Weatherford scheinen aber die tiefen Steuersätze auf der Insel nicht primär ausschlaggebend gewesen zu sein. Denn der Konzern wird in der Schweiz nach wie vor Steuern zahlen. Dies bestätigt eine Sprecherin von Weatherford gegenüber «handelszeitung.ch». Beim Standortwechsel soll es sich demnach lediglich um eine formalrechtliche Sitzverlegung handeln. Weitere Details waren derzeit nicht zu erfahren.  

«Viele Konzerne ziehen Wechsel in Betracht»

Weatherford ist nicht der einzige Milliardenkonzern, der seinen Hauptsitz von der Schweiz abzieht. Schon der Internetriese Yahoo zog sich zugunsten von Irland aus der Eidgenossenschaft zurück. Auch die Erdölservice-Gesellschaft Noble Corp. hatte sich für den Inselstaat entschieden.

Es dürften kaum die letzten Milliarden-Konzerne sein, welche die Schweiz verlassen haben, meint etwa Frank Marty, Steuerexperte beim Wirtschaftsverband Economiesuisse. «Ich habe gehört, dass noch mehr Unternehmen einen Standortwechsel in Betracht ziehen.» Ob diese dann wirklich auch nach Irland abwandern, wird sich zeigen.

Verlockende Steuersätze

Tatsache ist, dass Irland ist bei internationalen Unternehmen hoch im Kurs steht. Verlockend sind für viele Multis die günstigen Steuersätze. Der übliche Satz liegt in der Republik bei im internationalen Vergleich niedrigen 12,5 Prozent. In der Schweiz sind es 21 Prozent.

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Zudem belastet die Schweizer Steuerpolitik die hier ansässigen Multis. «In der Schweiz herrscht Unsicherheit bezüglich der künftigen Steuerpolitik», sagt Frank Marty. Grund ist Verwirrung über die künftige Steuerbelastung in Zusammenhang mit dem Steuerstreit mit der EU. Brüssel will, dass das die Schweiz alle Konzerne gleich behandelt. Bis heute zahlen Unternehmen, die ihre Gewinne im Ausland erwirtschaften, deutlich weniger Steuern als die im Inland tätigen Firmen. 

Druck von der EU

Die EU-Kommission verlangt eine Gleichbehandlung. Ansonsten droht sie der Eidgenossenschaft mit wirtschaftlichen Einschränkungen auf dem EU-Binnenmarkt. Gerade das Steuerrecht hatte in der Vergangenheit viele internationale Milliardenkonzerne in die Schweiz gelockt. Bei Änderungen könnte der Standort Schweiz an Attraktivität einbüssen. 

Doch Irland hat noch mehr zu bieten als tiefe Steuern. Wichtig sei vor allem auch die Nähe zum angelsächsischem Raum, sagt Kuno Egli, Länderbeauftragter für Irland beim Staatsekretariat für Wirschaft (Seco). «Irland ist englischsprachig und hat sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte.» Zudem seinen die Immobilienpreise im Vergleich zu vor der Wirtschaftskrise sehr stark gesunken. 

Buhlen um Investoren

Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind in Irland günstig. Das Land hat sich erfolgreich aus der Krise gezogen. Es ist der erste Staat der letztes Jahr den EU-Rettungsschirm verlassen hat. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für 2014 ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent. So verspricht sich etwa auch der US-Chiphersteller Intel viel vom Standort Irland. «Der Konzern hat in den letzten drei Jahren zusätzlich fünf Milliarden Dollar in die Produktionsanlagen in Irland inverstiert«, sagt Seco-Experte Egli. 

Irland will mehr als nur die Krise hinter sich lassen. Das grosse Buhlen um Investoren läuft auf Hochtouren. «Der Inselstaat ist ausländischen Investoren gegenüber sehr positiv gesinnt und gewährt diverse Förderungsmassnahmen, um die Attraktivität Irlands zu erhöhen», so Egli. Treiber dahinter ist die Investment and Development Agency (IDA). «Irland verfügt mit der IDA über eine kompetente Agentur, die potentielle investoren umfassend über Gesetze und Regulative beraten und betreuen kann.» Der Vorteil der IDA sei, dass eine Firma mit einem einzigen Ansprechpartner über eine Ansiedlung verhandeln kann, sagt Egli. 

Standort Schweiz bleibt attraktiv

Dennoch will der Irland-Experte nicht von einem Umzugs-Boom reden. «Davon ist nicht auszugehen.» Der Standort Schweiz sei nach wie vor attraktiv. Egli räumt aber ein: «Falls für einzelene Unternehmen der steuerliche Aspekt überwiegt, können Verlagerungen nicht ausgeschlossen werden.»