Es schmerzt etwas, wenn man das Siegerpodest verlassen muss. Vor allem, wenn man sich auf den Platz da oben gewöhnt hat. Die Schweiz war in Sachen Wettbewerbsfähigkeit der Dauersieger der letzten Jahre. In vielen Rankings und vor allem im Ranking des heimischen World Economic Forum in Genf

Neunmal hat sie dort den Spitzenplatz verteidigt. Dieses Jahr folgt nun plötzlich die Klatsche: Die Schweiz landet auf dem vierten Platz. Hinter den USA – und ja, sogar hinter Deutschland. Und das obwohl Deutschland eigentlich vom Gefühl her für mehr Bürokratie als die Schweiz bekannt ist. Im Bericht strahlt das Alpenland zwar noch immer – Wettbewerbskraft, Infrastruktur und Patentanmeldungen sind nach wie vor glänzend. 

Digitale Welt stärker berücksichtigt

Und einige mögen den Abstieg jetzt auf die neuen Berechnungsgrundlagen des WEF schieben. Das hat sich nämlich an die digitalisierte Welt angepasst und die Faktoren neu bewertet: So etwa Punkte wie Industrielle Revolution und Digitalisierung sowie Innovation und Agilität. Themen, die die Welt von heute ausmachen und die Zukunft prägen. 

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Weil diese Punkte wichtiger geworden sind, kommt jetzt die Quittung für die Schweiz: Sie ist nicht mehr so innovativ, wie sie selbst von sich glauben mag. Die Schweiz hat bereits im Report der Lausanner Kaderschmiede IMD im Mai verloren. Und ist dort vom zweiten auf den fünften Platz gerutscht.

Die Gründe für die schlechtere Platzierung sind laut Report auch auf Indikatoren wie die Zolltarife zurückzuführen. Es sind aber auch die Dauer und Kosten für die Gründung eines Unternehmens hierzulande. Und die Bedingungen, wie Schweizer Unternehmen und Startups Talente vom Ausland einstellen können. Es fliessen zwar mehr Gelder in Jungunternehmen, doch es hat Luft nach oben. Das wirkt sich auf die Innovationskraft aus. Sie kommt eben auch von den Startups, aber muss ebenfalls von den Grossunternehmen in der Schweiz kommen. Für diese Weiterentwicklung benötigen sie die richtigen Talente. Und die können nicht alle von der ETH kommen. 

Der Schweiz geht es nach wie vor sehr gut – deshalb war sie in den letzten Jahren immer auf dem ersten Rang. Das diesjährige WEF-Ranking ist aber ein Weckruf. Denn wem es zu gut geht, der bleibt auf Altbewährtem sitzen. Das passiert der Schweiz früher oder später, wenn sie nicht in die Förderung von Startups setzt oder es verpasst, die Bevölkerung in Sachen Digitalisierung mit den nötigen Umschulungen besser für die Zukunft vorzubereiten.