Unserem Land nütze es wenig, wenn wir hier die weltweit grössten Konzerne angesiedelt haben, diese letztlich aber nur am Kapitalmarkt Geld machen würden. «Wir müssen als Wirtschafts- und Produktionsstandort Schweiz unsere Interessen besser wahrnehmen», verlangt Rolf Dörig im Interview mit der «Handelszeitung». «Wir brauchen in erster Linie Arbeitsplätze in der Schweiz und müssen hier produzieren können.»

Nach Ansicht des VR-Präsidenten von Swiss Life und Adecco ist ein Umdenken nötig. «Wir alle müssen uns endlich lösen von zu kleinkarierten persönlichen Interessen.» Die Wirtschaft dürfe nicht bloss einer kurzfristigen Gewinnmaximierung nachjagen, sondern müsse auch gesellschaftliche Ziele verfolgen. «Wir müssen wegkommen vom Casino-Kapitalismus.» Dörig, der dem Vorstandsausschuss des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse angehört, räumt ein, dass insbesondere bei den Managerlöhnen Fehler gemacht wurden. Doch Politik und Wirtschaft dürften nicht gegeneinander, sondern müssten miteinander arbeiten.

Kein Verständnis hat er dafür, dass Manager angesichts der Kritik den Kopf in den Sand stecken. «Das ist das Dümmste, was man tun kann.» Vom Bundesrat wünscht er sich mehr Mut gegenüber dem Ausland. «Wir dürfen uns nicht wie Feiglinge vorführen lassen.» Die Schweiz brauche mehr Stolz. «Wenn wir für den Finanzplatz kämpfen, dann kämpfen wir nicht nur für unsere wirtschaftlichen Interessen, sondern auch für unsere Gesellschaft, für unsere Werte, für unseren Werkplatz und unsere Arbeitsplätze.»

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