Die Branche der Schweizer Fensterbauer steckt ordentlich in Schwierigkeiten. Sie steht vor einem nie dagewesenen Konsolidierungsprozess. Das Unternehmen Swisswindows musste im Februar das Aus melden – es war hinter Arbonia und 4B der drittgrösste Fensterhersteller der Schweiz. Kaum einen Monat später gibt der Thuner Fensterhersteller Ruchti Aerni seine Pleite bekannt. Betroffen sind insgesamt mehrere hundert Mitarbeiter.

Dabei befindet sich die Schweizer Fensterbranche bereits seit gut fünf Jahren in einem unbarmherzigen Bereinigungsprozess. «Die Kapazitäten sind zu hoch, die Unternehmen sowie die gesamte Baubranche haben ein gravierendes Effizienzproblem – und all das führt zu einem Preiskampf, der einen Fensterhersteller nach dem anderen zum Aufgeben zwingt.» So erklärt Bernhard Merki, der ehemalige Chef der Fensterfirma 4B AG, den Niedergang der Unternehmen. «Die betroffenen Unternehmen haben zu lange von der Substanz gelebt.»

Und das bei guter Baukonjunktur...

Und zwar von einer Substanz, die nicht genug auf Erträgen aus dem laufenden Geschäft basierte. Es gebe mehrere Unternehmen in der Schweiz, die sich im Grunde nur mit dem Geld ihrer Investoren über Wasser halten könnten. «Die Ertragssituation vieler dieser Firmen ist schon lange nicht mehr gut», sagt Merki. Und das notabene im Kontext einer an sich guten Baukonjunktur.

Die Fensterbranche plagt dabei ein Grundsatzproblem. Ex-Implenia-Chef Anton Affentranger hat selbst vor wenigen Jahren festgestellt, dass die Bauwirtschaft «eine der ineffizientesten Branchen» überhaupt sei. Das wurde von Insidern als grosse Selbsterkenntnis gefeiert. Das Problem wurde dadurch aber nicht gelöst. Bautermine verzögern sich, Liefertermine können nicht eingehalten werden, Fahrten müssen mehrmals getätigt werden. Dadurch steigen Personal- und Materialkosten.

Überkapazitäten hier, Druckpotential da

Parallel dazu versucht nahezu jede Fensterfirma weiterhin, die eigenen Überkapazitäten in den Markt zu drücken. Das führt dazu, dass ihre Abnehmer – also die Baufirmen – ein grosses Druckpotenzial gegenüber den Lieferanten haben. Und das hält nicht jede Firma durch. Im Einkauf, sowohl bei der Innen- sowie der Fassadenausstattung haben die Auftraggeber respektive deren Baufirmen die Möglichkeit, Lieferanten gegeneinander auszuspielen. Sie sitzen am längeren Hebel. Die Zulieferer ziehen den Kürzeren.

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«Ein Allheilmittel ist die Verlagerung ins Ausland für die meisten Hersteller nicht. Denn die Montage auf der Baustelle findet nach wie vor lokal statt.»

Wobei der Preiskampf innerhalb der Schweiz überwiegend hausgemacht sei – so analysiert Merki weiter: «Auch wenn es ausländische Konkurrenten gibt wie die österreichische Internorm oder die Südtiroler Finstral, die währungsbedingt zu günstigeren Preisen in der Schweiz anbieten.»

Verlagerung kein Allheilmittel

Arbonia hat mit seiner Fenstersparte Egokiefer schon vor einigen Jahren die Flucht nach vorne angetreten und die Fensterproduktion nach Deutschland und Osteuropa verlagert – um Kosten zu sparen. Der Grossteil der Schweizer Anbieter produziert immer noch in der Schweiz.

Ein Allheilmittel ist die Verlagerung ins Ausland für die meisten Hersteller nicht. Denn die Montage auf der Baustelle findet nach wie vor lokal statt. Und sie macht einen sehr grossen Teil der Herstellkosten aus.

Weitere Pleiten absehbar

So ins Detail ging man bei Swisswindows nicht, als man nach Gründen für den Konkurs suchte. Das Unternehmen führte das Aus in einer Medienmitteilung primär auf eine Cyberattacke zurück.

Für Brancheninsider ist das nur ein Teil der Wahrheit. Zwar möge die Attacke der Auslöser gewesen sein, gleichermassen der Todesstoss. Mehrere Wochen nicht liefern zu können, und das in einem so saisonal geprägten Geschäft, wo im Winter weniger gebaut wird als im Sommer, könne für einen Fensterhersteller zur Überlebensfrage werden.

Allerdings war Swisswindows schon davor finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet. In der Branche wurde immer wieder gemunkelt, ob die Familie Alpstäg, Eigentümerin des Gebäudehülle-Spezialisten Swisspor, die Fenster-Tochterfirma finanziell weiter unterstützen werde.

Die Swisspor-Gruppe mit Hauptsitz in Stans führte ihre Fensterdivision unter der Marke Swisswindows. Bereits 2017 war Bernhard Alpstäg aus dem Verwaltungsrat von Swisswindows ausgeschieden. Seit Dezember 2017 hat laut Handelsregister bei Swisswindows der Unternehmer Resat Meta das Präsidium. In der Branche wurde das als Rückzug der Alpstägs gewertet.

Für Marktkenner Merki – und nach seinen Brancheneinsichten als ehemaliger Chef von 4B – ist klar, dass die bisher bekannten Pleiten noch nicht das Ende der Konsolidierung sind. Mit weiteren Konkursen sei zu rechnen.