Zu Jahresbeginn sind die Umsätze der an Scoach gehandelten strukturierten Produkte nur noch halb so hoch ausgefallen wie im Vorjahr. Die Zeiten, in welchen die Anleger den Kundenberatern die Barrier Reverse Convertibles fast aus den Händen gerissen haben, scheinen - zumindest vorerst - vorbei. «Es wäre vermessen, anzunehmen, dass die strukturierten Produkte Ende Jahr wieder so boomen wie 2007», sagt auch Paolo Vanini, Leiter strukturierte Produkte bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und Vizepräsident des Verbandes für Strukturierte Produkte (SVSP). Für ihn steht deshalb 2009 auch nicht das Wachstum an erster Stelle. Wie sich die Umsätze im aktuellen Jahr entwickeln werden, hange davon ab, ob die Wiederherstellung des Vertrauens in die strukturierten Produkte gelinge, so Vanini.

Nicht nur die Marktlage und die Zurückhaltung der Investoren in allen Anlageklassen machen der Industrie zu schaffen. Auch scheint der Vertrauensverlust in die strukturierten Produkte durch die Lehman-Insolvenz immer noch nachzuwirken. Dadurch wurde den Anlegern nämlich schmerzlich bewusst, dass es sich bei strukturierten Produkten um Schuldverschreibungen handelt. Und beim Ausfall des Emittenten der Totalverlust droht. «Die Lehman-Insolvenz ist mir genauso in die Knochen gefahren wie den Kunden», gesteht Vanini ein.

Weiterbildung der Berater

Man habe auch rasch realisiert, dass man nach Lehman nicht den Kopf in den Sand stecken und auf die Rückkehr der Normalität warten könne. So hat der SVSP zusammen mit Scoach ein neues Pfandbesicherungssystem entwickelt. Auf diese Weise kann das Emittentenrisiko minimiert werden und - so die Hoffnung der Branche - können dem Anleger die Produkte wieder schmackhaft gemacht werden. Die Einführung steht kurz bevor: Anfang 2. Quartal 2009 fällt der Startschuss.

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Eine wichtige Rolle im Prozess um die Vertrauensgewinnung kommt auch der Information und Aufklärung durch den Kundenberater zu. Seit vergangenem Herbst bietet das Swiss Derivative Institute (SDI) Weiterbildungskurse im Bereich strukturierte Produkte und Derivate an. Offenbar eine bisher unbesetzte Nische: «Die einzigen Schulungen, die bei Banken stattfanden, betrafen hauseigene Produkte», so Martin Meier, Leiter des SDI.

Es habe sich bei den ersten Kursen gezeigt, dass das Niveau des Basisseminars nach unten angepasst werden musste. Das scheint nun Früchte zu tragen. Meier: «Jeder Teilnehmer war am Schluss des Kurses in der Lage, selbst ein strukturiertes Produkt zu konstruieren.»