Es gibt zahlreiche Beispiele für Unternehmen, die mit ihren Outsourcing-Projekten nicht glücklich wurden. So holte die Londoner Börse sich vor vier Jahren den Betrieb des Rechenzentrums wieder zurück und auch Lebensversicherer AXA Winterthur betreibt die Grossrechner wieder selber. Und die deutsche Hypovereinsbank holte sich bei einer Umstellung auf IP-Technologie die Kontrolle über die Telefonanlagen wieder zurück ins Unternehmen.

Das sind keine Einzelfälle, so die Experten des Outsourcing-, Offshoring- und Beratungsunternehmens Cognizant. Eine Umfrage hat ergeben, dass 2009 trotz Wirtschaftskrise ein Viertel der befragten Firmen ihre Outsourcing-Aktivitäten reduziert haben. Europaweit war der Anteil der Unternehmen, die zumindest Teile der IT wieder ins eigene Haus holten, mit 40 Prozent noch höher.

Outsourcing ohne finanziellen Nutzen

Bei den befragten Firmen aus der Schweiz hatte sich laut der Studie durch das Outsourcing kein finanzieller Nutzen gezeigt. Offenbar war man bei diesen Unternehmen davon ausgegangen, dass sich mit Outsourcing Geld einsparen lässt. Erst weitere Aspekte, wie der Zugriff auf einen externen Pool von qualifiziertem Personal oder die Einführung neuer Prozesse, würden Outsourcing attraktiv machen.

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Hinzu kommt, dass durch das Outsourcing auch Fachleute weggehen und wichtige Kompetenzen ausgelagert werden. Laut einer Mitteilung von Active Sourcing sind dann die Leistungen des Outsourcing-Dienstleisters nicht mehr kontrollierbar, die Beziehung werde einseitig vom Anbieter diktiert und der Kunde sei davon «zunehmend frustriert» gewesen.

Langer Weg zurück

«Guter Rat ist teuer!», sagt auch Stefan Regniet, Firmenchef beim Outsourcing-Beratungsunternehmen Active Sourcing. Wer zu viel ausgelagert hat, soll auf keinen Fall das Kind mit dem Bade ausschütten und glauben, mit einer umfassenden Rückführung sei das Problem lösbar. Da gerate man dann schnell vom Regen in die Traufe. «In diesen Fällen lohnt es sich unbedingt, einen externen Experten beizuziehen, welcher emotionslos die möglichen Lösungsszenarien erarbeitet und bewertet», empfiehlt Regniet weiter, «dieser spielt meist auch die Rolle eines ‹Mediators› bei den Verhandlungen mit dem Dienstleister, weil in diesen Fällen viel Emotionen im Spiel sind», so der Experte. Unter anderem kommt es oft zu gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Anbieter und Unternehmen.

Es sei für den Kunden zwingend, strategische und operative Rollen in der Steuerung des Dienstleisters zu trennen. In jedem Fall müssten darüber hinaus aber auch noch die Aufgaben im IT-Architektur-Management sowie im Projekt-Management wieder intern wahrgenommen werden können.

«Dienstleistungen im Bereich des Application-Managements bieten sich dann zur Rückführung an, wenn das benötigte Know-how beim Dienstleister nur für eine Bank und nicht für eine ganze Community zur Verfügung steht», sagt Regniet weiter, «und es ist zu prüfen, ob qualifizierte Mitarbeiter, die inzwischen bei einem Dienstleister beschäftigt sind, sich eventuell wieder zurückholen lassen.» In der Regel geht dies noch gut, wenn der Personalübergang noch nicht allzu lange her ist und keine grösseren Fussangeln bei den Verträgen bestehen. Die Rechtsabteilung werde so oder so auf Trab gebracht. Das gleiche gilt auch für die Finanzspezialisten.

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Durchrechnen, was sich lohnt

Denn auf jeden Fall sollte ein Insourcing durchgerechnet werden. «Bei manchen Leistungen ist ein Backsourcing sinnvoll, also die Rückführung in das eigene Unternehmen», sagt Regniet, «dies gilt etwa für den Support von speziellen Unternehmensanwendungen oder anderen Individual-Leistungen, bei welchen der externe Dienstleister keine Skaleneffekte erzielen kann.»