Auch wenn die Aktienmärkte immer noch in der Nähe ihrer Jahreshöchststände notieren und die Mehrheit der Analysten eine Fortsetzung der liquiditätsgetriebenen Hausse erwartet: Wichtige vorauslaufende Indikatoren weisen auf einen kommenden zweiten Abschwung hin.

So ist der Baltic Dry Index, der wichtige Preisindikator für die Verschiffung von Gütern und ein ausgezeichneter Konjunktur-Frühindikator, seit Juni um 40% gefallen. Auch der CRB-Commodity-Index, der die Preise von Rohstoffen abbildet, stagniert seit Monaten. Die Käufe aus China haben deutlich abgenommen, weil dort die Lager wieder gefüllt sind. Aus China kommen zudem Nachrichten von fallenden Stahlpreisen - ebenfalls kein gutes Konjunktursignal.

Derweil fällt der Dollar gegenüber wichtigen Währungen wie dem Euro und Franken auf Tiefstände. Rekordtief ist auch die Kapazitätsauslastung der US-Wirtschaft. Lediglich der Aktienmarkt und der Goldpreis sind die Ausreisser nach oben.

Zu wenig Schub für den Konsum

«Am Aktienmarkt scheint es so, als ob die grösste Kreditblase der Weltgeschichte nie stattgefunden hätte», warnt Albert Edwards, Analyst bei der Société Générale in London. Trotzdem seien Anleger zuversichtlich, dass eine nachhaltige Erholung aus den Trümmern des Absturzes erfolge. Dabei gäbe es Anzeichen für das genaue Gegenteil, so die Daten der Banken, sagt Edwards. «Wenn man hier das schrumpfende Kreditvolumen an den Privatsektor betrachtet, zeigt sich, dass die Weltwirtschaft immer noch sehr krank ist.»

Anzeige

Ein Anstieg der privaten Nachfrage käme durch steigende Saläre, höhere Verschuldung oder tiefere Sparquoten zustande. Eine Verbesserung einer dieser drei Faktoren sei aber nicht wahrscheinlich, bestätigt auch Fred Goodwin, Analyst bei Nomura, die pessimistische Einschätzung. Mit steigenden Arbeitslosenzahlen dürften auch die Konsumentenkredite zu einem Problem werden.

Zudem spreche der Anleihenmarkt eine klare Sprache. Trotz rekordhoher Emissionen würden die Renditen fallen, und wenn die Zinskurve ganz flach sei und eine Deflation drohte, werde auch die Politik wieder zum Panik-Modus wechseln», sagt Goodwin.

«Double dip» am S&P 500

Bereits vorher dürften die Aktienmärkte reagieren. Praktisch alle Rezessionen zogen am wichtigen US-Index S&P-500 einen doppelten «Taucher» nach sich. 1960 und 1980 bis 1982 waren diese zweiten Abstürze laut den Analysten von Nomura deutlich grösser als die ersten Einbrüche. Der laufende Zyklus erlebte, gemessen am S&P-500, einen Rückgang beim ersten Einbruch um 57%. Für einen zweiten Rückschlag ist laut den Analysten zwischen - 9 und - 33% alles möglich - je nachdem, welche vergangene Rezession als Blaupause für die gegenwärtige herangezogen wird.

Put-Warrants und Mini-Futures als Versicherung fürs Aktienportefeuille

Cash ist King» ist das Motto in deflationären Zeiten: Laut den Analysten der Bank Sarasin etwa kommen Aktien generell in deflationären Zeiten unter Druck.

Aber nicht alle Firmen leiden gleichermassen. Unternehmen mit niedriger Verschuldung und einem hohen Anteil von kurz laufenden Krediten kommen besser weg, weil sie flexibel bleiben und sich bei tiefen Zinsen günstiges Kapital beschaffen können. Beispiele sind Nestlé, McDonald?s, Roche, Bayer und Munich Re. Unzweckmässig sind Aktien aus aufstrebenden Märkten, weil oft nicht nur deren Börsen, sondern auch die Währungen unter möglichen Währungshandels- und Exportrestriktionen leiden.

Bei einem «double dip», einem erneuten Abtauchen der Aktienmärkte, sind Put-Warrants und Mini-Futures in der Short-Variante auf breite Indizes wie den EuroStoxx-50 oder bei schweizlastigen Depots auf den SMI ein brauchbares Mittel, den Wert der Aktienanlagen zu schützen. Eine solche Schutzstrategie kostet indes Geld und sollte als Versicherung betrachtet werden, die dann eben einige Prozente des Depotwertes pro Jahr kosten kann. Alternativ können Anleger auch in Zertifikate mit Teil- oder Vollschutz wechseln.

Laut den Analysten der Deutschen Bank sind die Aktien des Bankensektors einer möglichen Inflation oder Deflation am stärksten ausgesetzt. Bei einem zweiten Abtauchen der Weltwirtschaft dürfte wieder die Stunde der defensiven Pharma-, Healthcare- und Nahrungsmittelwerte schlagen. Relativ sicher sind auch Versorger und Telecom-Netzbetreiber aufgrund ihres berechenbaren Cashflows.

Bei den Obligationen hingegen dürften laut der Bank Sarasin lang laufende Papiere gut wegkommen, weil die Coupons einen Schutz gegen fallende Zinserträge bilden. Wenig resistent sind dagegen kurz laufende Anleihen-Papiere. (mn)