Um 6,25% ist den vergangenen zwölf Monaten der Schweizer Logistikmarkt – wie er in der Studie der Hochschule St. Gallen definiert wird – gewachsen. Das entspricht dem doppelten Wachstum des Bruttoinlandproduktes (+3,1%). Die im Januar 2009 erscheinende 2. Ausgabe der «Schweizer Logistikmarktstudie», erarbeitet vom Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St. Gallen unter der Führung von Professor Wolfgang Stölzle und GS1 Schweiz, unterstreicht erneut mit einer grossen Fülle an statistischen Zahlen die Bedeutung der Logistikbranche in der Schweiz. Im Vergleich zur ersten Studie ist der Logistikmarkt in der Schweiz um rund 2 Mr, auf rund 34 Mrd Fr. gewachsen. Die Zahl der Erwerbstätigen in der Logistik hat sich im Vergleichszeitraum um zirka 4,4% auf 165000 Personen erhöht. Insgesamt sind in diesem Bereich somit mehr als 5% der Erwerbstätigen der Schweiz beschäftigt.

In der Studie wird der Logistikmarkt in sieben verschiedene Segmente aufgeteilt:

Tank- und Silodienste: Umsatzvolumen 3,23 Mrd Fr;

Massengutlogistik: 2,55 Mrd Fr.;

Schwergutlogistik und Krandienste: 1,02 Mrd Fr.;

Komplettladungslogistik: 4,76 Mrd Fr.;

Stückgutlogistik: 15,13 Mrd Fr.;

KEP-Dienste: 3,23 Mrd Fr.;

Post- und Briefdienste: 4,08 Mrd Fr.

Die drei Querschnittsteilmärkte weisen folgende Volumina auf:

Kontraktlogistik: 4,47 Mrd Fr. Terminaldienste und Warehousing: 1,05 Mrd Fr. sowie neu die Konsumgüterlogistik mit einem Umsatzvolumen von 5,10 Mrd Fr.

Internationale Transportwege

In der 2. Auflage wurden erstmals die internationalen Transportkorridore der Schweiz hinsichtlich der wichtigsten Gütergruppen Destinationen und Verkehrsträger untersucht. Daraus geht hervor, dass die vier unmittelbar an die Schweiz angrenzenden Länder die wichtigsten Handelspartner der Schweiz sind. Der Güteraustausch mit den Nachbarländern findet vor allem auf der Strasse statt, derjenige mit den Überseedestinationen auf dem Seeweg. Aus der Analyse der Branchenverteilung geht hervor, dass der Handel mit 70,2%, den grössten Anteil an der Nachfrage nach Logistikleistungen innerhalb der Konsumgüterbranche bildet, gefolgt von der Nahrungs- und Genussmittelindustrie mit 11,2%. Das Güteraufkommen der Konsumgüterlogistik beträgt 43,9 Mio t, was im Vergleich zum Güteraufkommen im Gesamtmarkt einem Anteil von 9,8% entspricht. Die Outsourcing-Quote beträgt dabei im Durchschnitt 34,5%.

Übersicht behalten

Die Studie befasst sich auch mit den Zukunftsaussichten des Schweizer Logistikmarktes. Als grösste Herausforderung bezeichnen die Autoren die Steuerung von unternehmensübergreifenden Logistiknetzwerken. Wer im Schweizer Logistikmarkt langfristig überleben will, muss sich auf eine Branche oder eine Leistung spezialisieren oder einen umfassenden, kundenorientierten Fullservice anbieten. Es kann insbesondere in den beiden leistungsbezogenen Querschnittsmärkten Kontraktlogistik und Terminaldienste & Warehousing von einem überdurchschnittlichen Wachstum ausgegangen werden. Mit einer Outsourcing-Quote von knapp 50% besteht in der Kontraktlogistik zudem noch ein grosses Outsourcing-Potenzial seitens der Verlader.

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Im Weiteren geht die Studie davon aus, dass aufgrund der mittel- und langfristig zu erwartenden höheren Energie- und Transportkosten eine teilweise Rückverlagerung der Produktionsstandorte an dieAbsatzmärkte stattfinden wird. Die Verlagerung der Produktion näher an die Absatzmärkte hat damit auch zur Folge, dass die Distributionsnetzwerke von einer zentralen zu einer dezentralen Ausrichtung hin restrukturiert werden. Weiter kommt die Studie zum Schluss, dass insgesamt Verlagerungstendenzen von der Strasse auf die Schiene erkennbar sind. Dies allerdings vorwiegend bei längeren Transportstrecken und dort, wo die Konkurrenzfähigkeit der Schiene in der Feinverteilung nicht gegeben ist. Zentraler Grund für die Wechselmotivation bleibt trotz zunehmender Bedeutung ökologischer Faktoren die Wirtschaftlichkeit des Verkehrsträgers.

Zwei mögliche Strategien

Bis anhin galt der Schweizer Logistikmarkt trotz seiner hohen Relevanz für Wirtschaft und Politik im Vergleich zu anderen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, als ein eher intransparenter Markt. Kennzahlen wie zum Beispiel Umsatz, Anzahl Mitarbeiter, Güteraufkommen usw. waren kaum verfügbar. Die schweizerischen KMU – von einigen Ausnahmen abgesehen – sind auch in dieser Branche nicht unbedingt sehr auskunftsfreudig. Im Rahmen der Neuauflage der «Logistikmarktstudie Schweiz» durch den Lehrstuhl für Logistikmanagement der Universität St. Gallen (LOG-HSG) und GS1 Schweiz wurden nun erstmals die grössten Logistikdienstleister der Schweiz (siehe Tabelle) ermittelt.