Die Arbeitsbedingungen sowie auch die Marktanforderungen steigen von Tag zu Tag. Die Zeiten des Verkäufermarktes sind vorbei und Unternehmen müssen sich profilieren, um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein. Die Weiterbildung der Manager hat deshalb in der heutigen Zeit einen immer höheren Stellenwert. Aus diesem Grund hat das Kompetenzzentrum für Führung und Entwicklung am IFU im Auftrag des Managementzentrums für Weiterbildung der FHS St. Gallen und der «Handelszeitung» zwischen Ende Juni und Mitte August 2007 Untersuchungen auf dem Bildungsmarkt durchgeführt. Dazu haben sie bei den 1600 umsatzstärksten Unternehmen der Schweiz die Nachfrage nach Weiterbildungsangeboten auf Managementstufe erhoben.

Softe Themen werden wichtiger

In erster Linie geht es darum herauszufinden, wie sich die Nachfrage verändert und welche Trends zu erkennen sind. Diese Umfrage soll zudem Aufschluss über die unternehmerischen Bedürfnisse in Bezug auf die Weiterbildung geben. Diese Schlüsselergebnisse werden in einer späteren Ausgabe der «Handelszeitung» publiziert. Schon jetzt sind aber erste Ergebnisse aus der Studie vorhanden, und es sind neue Tendenzen vor allem im Bereich der Themennachfrage zu erkennen.
Weiterbildung für «soft skills» werden 2008 gegenüber diesem Jahr eine deutlich höhere Bedeutung bekommen, in erster Linie bei den Top-Managern. Ganz weit vorne liegt 2008 das Thema Leadership (siehe Tabelle). Die Nachfrage nach den Themen angewandte Kommunikation und Konfliktmanagement steigt um über 30% und gewinnt somit stark an Bedeutung. Trotz einer leichten Steigerung der Nachfrage nach dem Thema Personalmanagement von 3% verliert dieses im Verhältnis zu den Themen Angewandte Kommunikation, Konfliktmanagement und Personalentwicklung überproportional.

Technik vor Marketing

Bei der Betrachtung der «Hard skills» bleibt die Unternehmensstrategie für das Top-Management auch im nächsten Jahr Spitzenreiter. Trotz Rückgang dieser Nachfrage 2008 um 14% scheint die strategische Ausrichtung der Unternehmen anzuhalten. Stark an Bedeutung verlieren jedoch die Themen Verkauf und Marketing. Ihr bisher zweiter Platz wird 2008 von der Thematik Management und Techniken verdrängt. Überraschend ist zudem der starke Rückgang von über 30% bei der Nachfrage im Finanz- und Rechnungswesen sowie auch im Controlling. Im nächsten Jahr scheinen demnach Entwicklungen von Strategien ein grösseres Thema zu sein als das Handling der Unternehmenszahlen.

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«Leadership» für alle Stufen

Auffallend ist, dass beim mittleren und unteren Management die Nachfrage nach dem Thema Verkauf und Marketing weiterhin unverändert an erster Stelle steht. Die Unternehmen schenken den Themen Prozessmanagement sowie Management und Techniken mehr Bedeutung. Diese verzeichnen eine Steigerung von über 8%. Der grösste Verlierer, zumindest prozentual betrachtet, ist die Nachfrage nach dem Thema Organisation mit –23%.
Gemeinsamkeiten der beiden Managementstufen findet man vor allem bei der Wahl des Themas Leadership. Für beide Hierarchiestufen steht es nämlich an erster Stelle. Am stärksten unterscheiden sie sich beim harten Thema Unternehmensstrategie, was grundsätzlich durch die Aufgabenteilung der beiden Hierarchiestufen zu erklären ist. Auffallend ist zudem, dass Verkauf und Marketing bei den Top-Managern stark an Bedeutung verliert, beim mittleren und unteren Management im Jahr 2008 jedoch weiterhin an erster Stelle steht. Sind Verkauf und Marketing zukünftig Sache des mittleren und unteren Managements?
Es zeigt sich insbesondere für das Top-Management eine Entwicklung in Richtung zu soften Themen. Fachspezialisten scheinen bei den heutigen Anforderungen nicht mehr zu genügen. Stattdessen sind starke Führungspersönlichkeiten mit hoher Sozialkompetenz gefragt.
Die Nachfragetendenz beim mittleren und unteren Management in Richtung Prozessmanagement lässt vermuten, dass die Unternehmen einen starken Wandel der Prozesse durchlaufen und das Thema Change Management 2008 durchaus ein gefragtes Thema werden könnte. Während beim Top-Management das Organisatorische sehr stark an Bedeutung gewinnt, verliert es beim mittleren und unteren Management stark an Bedeutung.

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Prof. Dr. Lukas Andreas Scherer, Leiter Kompetenzzentrum Führung und Entwicklung; Thanh Tran, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Unternehmensführung FHS-IFU, FHS St. Gallen, Hochschule für angewandte Wissenschaften.