1. Home
  2. Unternehmen
  3. Weitere Fifa-Razzien bei Beckenbauers Helfern

Korruption
Weitere Fifa-Razzien bei Beckenbauers Helfern

Nun hat es einen weiteren Ex-Generalsekretär der Fifa, Urs Linsi, erwischt. Die Justiz ermittelt im Fifa-Skandal gegen ihn. Es gab schweizweit Razzien.

Von Christian Bütikofer
am 30.11.2016

Nun steht auch der Ex-Generalsekretär der Fifa, Urs Linsi, im Fokus der Schweizerischen Bundesanwaltschaft. Er war die rechte Hand Sepp Blatters und in eine umstrittene Millionen-Transaktion des Deutschen Fussballbundes (DFB) zu Milliardär Robert Louis-Dreyfus verwickelt. Dieser Deal steht am Anfang des nun skandalträchtigen deutschen «Sommermärchens» der Weltmeisterschaft 2006. Es geht um die Frage, ob das Organisationskomitee (OK) um Franz Beckenbauer und Fedor Radmann Schmiergelder in der Höhe von 6,7 Millionen Euro für den Zuschlag der WM bezahlten.

Der damalige Fifa-Generalsekretär Linsi wird in einem Report, den der DFB bei der Rechtsanwaltskanzlei Freshfields in Auftrag gab, mehrfach prominent erwähnt. Nun hat die Bundesanwaltschaft auch ihn ins Visier genommen. Die BA bestätigte gegenüber handelszeitung.ch, dass am 23. November 2016 mit Unterstützung des Bundesamtes für Polizei (Fedpol) Hausdurchsuchungen an verschiedenen Standorten in der Deutschschweiz stattgefunden haben. Linsi ist als Verwaltungsratspräsident der Bank Sparhafen in den Ausstand getreten, berichtete Insideparadeplatz.

Verdacht auf diverse Delikte

Ob auch Fedor Radmann, der in der Ostschweiz lebt, Besuch von der Jusitz bekam, ist nicht bestätigt. Er war die rechte Hand Franz Beckenbauers und zentral fürs Organisationkomitee. Die Massnahmen erfolgten im Rahmen der Ermittlungen im Zusammenhang mit einer Zahlung des Deutschen Fussball-Bunds (DFB) in der Höhe von 6,7 Millionen Euro im April 2005 an den damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus. Laut Freshfields-Bericht wurde die Summe von einem Konto Beckenbauers in der Schweiz an eine Firma in Katar überweisen, auf ein Konto des Ex-Fifa-Funktionärs Mohammed bin Hammam. Da bin Hammam schweigt, hoffen die Ermittler wohl auf Erkenntnisse durch den damaligen Fifa-Generalsekretär Linsi. Beckenbauer bekam das Geld zurück durch einen Kredit von Dreyfus, der das Geld dann wieder zurückhaben wollte, weshalb die Legende von einer Vorschusszahlung durch die Fifa für eine WM-Gala gestrickt wurde.
 
Bereits am 6. November 2015 hat die BA ein Strafverfahren im Zusammenhang mit der eingangs erwähnten Zahlung eröffnet. Das Strafverfahren wird insbesondere wegen des Verdachts des Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei sowie der Veruntreuung geführt.
 
Die Beschuldigten Horst Rudolf Schmidt, Theo Zwanziger, Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach waren im Präsidium des Organisationskomitees der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland tätig. Auch beschuldigt ist Urs Linsi, welcher zu diesem Zeitpunkt als Generalsekretär der Fédération Internationale de Football Association (Fifa) tätig war.

Ehemaliger Spitzenposten bei den Grasshoppers

Die am 23. November 2016 durchgeführten Massnahmen erfolgten im Zusammenhang mit Urs Linsi. Linsi, der nach seinem Abgang bei der Fifa zum Präsidenten des Nobelvereins Grasshoppers Club Zürich gewählt wurde, übernahm nach seinem dortigen Ausscheiden den Posten des Verwaltungsratspräsidenten der Zürcher Bank Sparhafen.

Anzeige