Die Deutsche Bank fährt bei ihren Rücklagen für Rechtsstreitigkeiten auf Sicht. «Es gibt keine Endsumme, wir befinden uns in einem laufenden Prozess», sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen der «Süddeutschen Zeitung» in einem gemeinsam mit dem anderen Co-Chef Anshu Jain geführten Interview. Auf den Vorhalt, manche Personen würden die bislang von der Bank für Rechtsrisiken zurückgestellten vier Milliarden Euro für zu wenig halten, sagte Fitschen: «Vorsicht mit diesen Zahlen! Wir erhöhen die Reserven immer dann, wenn wir es für notwendig halten.»

Jain sagte auf die Frage, ob er angesichts der hohen Rechtskosten eine Kapitalerhöhung ausschliesse: «Wir bekennen uns zu hohen Kapitalstandards, mehr kann ich dazu nicht sagen.»

Rechtsstreit in den USA beigelegt

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Die Deutsche Bank hatte erst am Freitag mit einer Zahlung von 1,4 Milliarden Euro einen Rechtsstreit mit der US-Behörde FHFA über den Verkauf fragwürdiger Hypothekenpapiere beigelegt.

Jain sagte zudem, sein Haus sei enttäuscht, dass es die Politik noch nicht geschafft habe, global ein faires Spielfeld zu schaffen. «Die USA, Europa und Asien gehen in völlig unterschiedliche Richtungen – und das nicht zum Vorteil der europäischen Wirtschaft.»

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte jüngst mit kritischen Worten an die Banken und seinem Eintreten für weitere Finanz-Regulierungen einen Streit mit Fitschen ausgelöst, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken ist. Fitschen hatte dem Minister daraufhin Populismus vorgeworfen. Dazu hatte Schäuble angemerkt, Fitschen habe sich wohl im Ton vergriffen. Inzwischen haben sich die beiden aber ausgesprochen.

(reuters/vst)