Was sich in den letzten Monaten an den Rohstoffmärkten abgespielt hat, kann getrost als Blutbad bezeichnet werden. Seit Juni hat sich der Future auf den CRB-Rohstoffindex (Commodity Research Bureau) von 441 Punkten auf heute 245 nahezu halbiert. Dramatisch liest sich auch die Entwicklung der einzelnen Rohstoffe: Erdöl brach von 140 auf 55 Dollar pro Fass ein, Kupfer sackte von 8775 im März auf 3634 Dollar pro Tonne ab, während Nickel von 52375 auf 11317 Dollar pro Tonne abstürzte. Platin schliesslich ging von 2241 im März auf 846 Dollar pro Unze zurück.

Bei den Analysten hat dieser Zerfall eine Welle von Revisionen der Kursziele ausgelöst. Goldman Sachs beispielsweise reduzierte die Schätzungen für Aluminium im 1. Quartal 2009 von 1.30 auf 0.95 Dollar pro Pfund, für Kupfer gilt neu ein Preis von 1.75 nach zuvor 3.75 Dollar pro Pfund.

Ein wichtiger Grund für die Reduktion der Prognosen ist die wirtschaftliche Entwicklung. Die Analysten sind allerdings der Auffassung, dass es sich dabei um eine zyklisch bedingte Korrektur handelt. Die «langfristig treibenden Kräfte für einen robusten Zyklus in den Metallen seien weiterhin gegeben», schreiben die Experten in ihrer Studie. Sie halten es für möglich, dass sich die Metallpreise in der zweiten Hälfte 2009 oder 2010 erholen. Dieses Szenario sei jedoch an mehrere Bedingungen geknüpft: So muss China eine Wirtschaftspolitik verfolgen, welche die Einbussen des Metallverbrauchs aufgrund der Baisse im Immobilienbereich kompensiert. Zudem muss sich die Wirtschaft im OECD-Raum erholen.

Deutlich tiefer liegen neu auch die Prognosen von RBC Capital Markets. Im Jahr 2009 sehen sie Erdöl bei 80 nach 124 Dollar pro Fass. Die Erwartung für Nickel wurde gleichzeitig von 11 auf 5 Dollar pro Pfund reduziert.

Bereinigter Markt für Einstieg?

Aus Anlegersicht kann den Revisionen ein positiver Aspekt abgewonnen werden: Der Pessimismus ist gross und die Analysten haben ihre Erwartungen an das Szenario einer globalen Rezession angepasst. Damit ist der Markt für einen Einstieg bereinigt und eine Voraussetzung für den Kauf von Rohstoffen geschaffen. Noch fehlt ein Auslöser für die Erholung. Sollten sich die Anleger aber stärker auf das Jahr 2009 fokussieren und eine Wirtschaftserholung antizipieren, wäre ein Aufschwung möglich. Basis für dieses Szenario wäre eine weitere Lockerung der Geldpolitik auf globaler Ebene in Kombination mit weiteren Konjunkturpaketen. China hat in dieser Hinsicht mit seinem 538 Mrd Dollar umfassenden Programm einen ersten Schritt gemacht. Setzt eine Gegenbewegung ein, dann kann sie zu hohen Kursgewinnen führen, die allerdings im Bereich einer technischen Erholung liegen würden.

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Weiterer Ausverkauf möglich

Problematisch ist jedoch, dass viele Investoren davon ausgehen, dass der grosse Zyklus in den Rohstoffen nach oben zeigt. Dieser Überlegung liegt zugrunde, dass die Rohstoffreserven endlich seien. Beim Erdöl vertreten die Experten von UniCredit im ihrem «Commodity Outlook» beispielsweise die These einer langfristigen Erdölknappheit.

In dieser Sicht stecken zwei Fallen. Die eine ist psychologischer Art. Zwar ist die Blase geplatzt, aber der Glaube an die treibenden Faktoren, welche die Blase erst ermöglicht haben, ist noch vorhanden. Damit besteht die Gefahr, Rohstoffe nochmals aus den falschen Überlegungen nach oben zu treiben, was wiederum im Desaster enden muss.

Die zweite Falle ist fundamental. Vieles spricht für die These des verstorbenen Ressourcen-Experten Julian Simon, dass Rohstoffe im ökonomischen Sinne eigentlich nie ausgehen. Der entscheidende Gedanke ist, dass Rohstoffe eine Dienstleistung erfüllen. Ob diese von einem Kupfer- oder Glasfaserkabel erfüllt wird, ist letztlich unerheblich. Die einzige Begrenzung ist somit die Fähigkeit des Menschen, Materie in nützliche Basisstoffe umzuwandeln. Simon zeigt auf, dass die Rohstoffe relativ zu anderen Preisen langfristig immer billiger geworden sind. Bricht das Paradigma, auf dem die Rohstoffblase aufgebaut ist, zusammen und setzt sich die nüchternere Sicht von Simon durch, dann kann das nochmals zu einer Ausverkaufswelle führen.

 

 


Mit klar definierter Strategie in Rohstoffe investieren ? für private Investoren sind Mini-Futures interessant

Es führen viele Wege in den Rohstoffmarkt. Zuerst stellt sich aber die Frage, in welche Rohstoffe eigentlich investiert werden soll. Danach folgt jene nach dem Zeithorizont. Schliesslich muss sich ein Inves-tor eine klar definierte Strategie zurechtlegen, die nicht nur den Einstiegszeitpunkt beinhaltet, sondern auch, unter welchen Bedingungen die Position geschlossen werden soll. Gedanken über die eigene Verlusttoleranz sind dabei unausweichlich. Erst dann kann das Instrument ausgewählt werden.

Der Rohstoffbereich bietet die gesamte Palette an Instrumenten. Die «klassische» Variante ist der Kauf oder Verkauf eines Futures. Da diese verfallen und gleichzeitig bei ihnen die Möglichkeit besteht, dass es zur physischen Lieferung der Ware kommt, müssen die Positionen genau verfolgt und aktiv betreut werden.

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Mit Optionen wird das Prob-lem der physischen Lieferung vermieden. Zudem bieten sie die Möglichkeit, mittels Kombinationen die eigene Marktsicht präzise umzusetzen. Das Problem bei Optionen ist, dass sie wertlos verfallen und dass ihr Wert stark von schwer vorhersehbaren Schwankungen der Volatilität abhängt.

Eine für Privatanleger interessante Variante, in Rohstoffe zu investieren, sind Mini-Future-Zertifikate, wie sie beispielsweise von ABN Amro aufgelegt werden. Im Vergleich zu einem Tracker-Zertifikat muss der Investor dabei nur einen Teil des zugrunde liegenden Basiswerts bezahlen. Der Rest wird von der Bank bezahlt. Der Anleger partizipiert voll an der Kursbewegung des zugrunde liegenden Instruments. Da er aber nur einen Teil des Betrags bezahlt, generiert er einen Hebeleffekt. Die Finanzierungskos- ten der Position liegen beim Investor. Solche Mini-Futures werden auf Öl, Gold, Kaffee, Kupfer oder Silber angeboten. Sie sind in den Varianten Short und Long erhältlich, was eine Spekulation sowohl à la baisse als auch à la hausse erlaubt. Im Vergleich zu herkömmlichen Futures entfällt bei Mini-Futures das Problem des Rollovers, da es keine begrenzte Laufzeit gibt.(cf)

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