Die Swatch Group hat bei der Wettbewerbskommission (Weko) eine Untersucherung gegen sich auf den Weg gebracht. Der Konzern habe selber den Kontakt mit der Behörden gesucht, wie es in den Mitteilungen der Weko und der Swatch Group heisst.

Swatch plant, die Lieferung mechanischer Uhrwerke und Assortiments - das sind regulierende Bestandteile eines mechanischen Uhrwerks - an Drittabnehmer vollständig einstellen. Die Untersuchung soll nun verhindern, dass der Wettbewerb auf den betroffenen Märkten "nachhaltig beeinträchtigt" wird, teilte die Weko mit.

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Es werde wohl darum gehen, Fristen für den Ausstieg zu definieren, erläuterte Patrik Ducrey von der Wettbewerbskommission. Swatch habe der Weko ihre Bereitschaft zu einer einvernehmlichen Lösung im Sinne einer stufenweisen Lieferreduktion signalisiert. Bussen dürften dem Unternehmen aus dem Verfahren nicht zu drohen.

Es könne auch nicht darum gehen, Swatch eine Pflicht zu einer "ewigen Belieferung" aufzuerlegen, sagte Ducrey. Eine Weko-Untersuchung gegen die Swatch-Tochter ETA aus dem Jahr 2004 wegen der Einstellungen von Uhrwerkbestandteilen hatte damals zu einer Lieferverpflichtung für die ETA bis ins Jahr 2010 geführt.

Vorsorgliche Massnahmen erlassen

Gegenstand der neuen Weko-Untersuchung wird nun sein, ob alternative Bezugsquellen zur Swatch bestehen und wie diese aufgebaut werden können. Derzeit hat die Swatch Gruppe laut Ducrey bei den Uhrwerken einen Marktanteil von rund 70 Prozent, bei den Assortiments sei der Anteil noch etwas höher. Die Uhrenfirma Rolex etwa baut ihre Uhrwerke selbst.

Für die Dauer der Untersuchung hat die Weko gestützt auf eine einvernehmliche Regelung mit der Swatch vorsorgliche Massnahmen erlassen. Diese sehen vor, dass die Swatch ihre Drittkunden vorerst in vollem Umfang weiter beliefern muss. Ab dem Jahr 2012 kann der Uhrenkonzern seine Lieferungen mechanischer Uhrwerke auf 85 Prozent und von Assortiments auf 95 Prozent der Menge reduzieren, die 2010 bezogen wurde.

Gleichzeitig sistiert die Weko ihre im September 2009 eröffnete Untersuchung gegen die Swatch Tochter ETA Manufacture Horlogère Suisse betreffend mechanischer Uhrwerke, wie es weiter heisst. Diese könne durch die Ergebnisse der neu eröffneten Untersuchung massgeblich beeinflusst werden, begründet die Weko die Sistierung.

Bank Wegelin spricht von zweischneidigem Schwert

Swatch benötige ihre Kapazitäten aufgrund ihres schnellen Wachstums für verstärkt für eigene Marken, kommentiert die Bank Vontobel. Eine Entscheidung werde aber längere Zeit einfordern, glaubt die Analystin.

Die Bank Wegelin sieht die Lieferreduktion an andere Markenhersteller als zweischneidiges Schwert. Vorerst dürfte sich die Massnahme wohl auszahlen, heisst es in einem Kommentar. Die Frage stelle sich allerdings, was bei einem Nachfragerückgang für Luxusuhren geschehen würde: In Krisenzeiten würde eine Auslieferung von Uhrwerken an Dritte eine Aufteilung der zyklischen Risiken bedeuten.

Die Swatch-Aktien verloren am Vormittag an der insgesamt rückläufigen Schweizer Börse etwas weniger stark als der Gesamtmarkt. Während der SMI gegen 10.50 Uhr 0,8 Prozent nachgab, standen Swatch mit 401,10 Franken um 0,5 Prozent im Minus.

(rcv/tno/awp)