Ihre starke Abhängigkeit von den Finanzmärkten rächt sich für die Wall-Street-Häuser: Die Citigroup hat im vierten Quartal 2011 noch einen Gewinn von unterm Strich 1,2 Milliarden Dollar gemacht, wie die Bank in New York erklärte. Das sind 11 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Das einst so profitable Geschäft rund um die Finanzmärkte schrieb wegen der von Europa ausgehenden Turbulenzen sogar rote Zahlen. Beispielsweise zögern Firmen bei Übernahmen, und der Citigroup entgehen so Beratungsgebühren.

Einer der wenigen Lichtblicke in der Bankenwelt ist momentan das Privatkundengeschäft. In den USA profitieren die Finanzkonzerne von geringeren Zahlungsausfällen bei Krediten. Denn die Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen, und die Hausbesitzer begleichen ihre Raten wieder pünktlicher.

Besinnung aufs klassische Bankgeschäft

Diese Entwicklung kommt Wells Fargo zugute. Die Bank, die weit entfernt von der Wall Street in San Francisco sitzt, konzentriert sich aufs Privatkundengeschäft und betreibt nur am Rande Investmentbanking. Das zahlt sich nun aus: Im Schlussquartal stieg der Gewinn um 20 Prozent auf den Rekordwert von 4,1 Milliarden Dollar. «Ich bin sehr zufrieden mit unserer Leistung 2011», sagte Firmenchef John Stumpf.

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Wells Fargo hatte in der Finanzkrise den Rivalen Wachovia übernommen und war damit zum grössten Kreditgeber für Wohnimmobilien in den USA aufgestiegen. Die Citigroup indes, die in den düsteren Jahren 2008/2009 vom Staat aufgefangen werden musste, ist auf Schrumpfkurs. Chef Vikram Pandit will sich auf lange Sicht ebenfalls eher aufs klassische Bankgeschäft besinnen.

Doch das Investmentbanking hat noch immer seinen Reiz. Denn wenn das Geld an den Finanzmärkten einmal sprudelt, dann richtig. In der ersten Jahreshälfte war die Welt für die Wall-Street-Banker auch noch in Ordnung. Dank dieses Polsters konnte die Citigroup ihren Gewinn im Gesamtjahr um 6 Prozent auf unterm Strich 11,3 Milliarden Dollar hochschrauben.

4500 Jobs fallen weg

Die Erträge - die Einnahmen der Bank - sind dagegen auch aufs Jahr gesehen um 10 Prozent auf 78,4 Milliarden Dollar gesunken. Pandit steuert wie andere Bankchefs mit einem Sparkurs dagegen. So fallen bei der Citigroup in den kommenden Quartalen etwa 4500 Jobs weg.

Wells Fargo steht da wesentlich besser da. Von Januar bis Dezember verdiente das Institut unterm Strich 15,9 Milliarden Dollar und damit 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Das war neuer Rekord. Im frühen Handel stieg die Aktie um 3 Prozent, während das Citigroup-Papier um den gleichen Wert nachgab.

US-Branchenprimus JP Morgan Chase hatte die Bilanzsaison am Freitag mit einem Gewinnrückgang im Schlussquartal eröffnet. In den kommenden Tagen legen nun weitere Grossbanken ihre Zahlen vor. An diesem Mittwoch ist es Goldman Sachs, am Donnerstag folgen die Bank of America und Morgan Stanley.

(tno/awp)