Continental ist nicht der einzige Konzern, der auf dem aktuellen Kursniveau zu einem attraktiven Übernahmekandidaten geworden ist. Viele Firmen sind inzwischen an der Börse weniger wert als ihr Inventar – eine eigentlich absurde Situation.

Doch dies macht sie attraktiv für Firmenkäufer. Und dies wiederum kann sich auch für Privatanleger auszahlen: Die Continental-Aktie legte seit Bekanntwerden der Übernahmepläne von Schaeffler um ein Drittel zu. Zusätzlich stützt die Möglichkeit einer Übernahme die Kurse vieler Firmen nach unten ab, falls die Stimmung an den Finanzmärkten weiter trüb bleibt.

BMW mit 15 Prozent Abschlag

So wie bei Daimler: Die Aktie des Autoherstellers hat seit November fast die Hälfte ihres Wertes eingebüsst. Folglich beträgt die Marktkapitalisierung des Unternehmens lediglich 39 Mrd Euro. Dies entspricht in etwa dem Buchwert des Konzerns, also der Summe der Vermögensgegenstände wie Fabriken, Maschinen, Grundstücke, abzüglich der Schulden. Wer also 39 Mrd Euro hinblättern kann, bekommt all das – und die immateriellen Werte, wie beispielsweise die auf der ganzen Welt bekannte Marke oder erfahrene Mitarbeiter, noch gratis obendrauf. So werden Weltkonzerne zu Schnäppchen. Bei Daimlers Konkurrent BMW sieht es noch dramatischer aus: Der Konzern ist an der Börse schon 15% weniger wert als die Summe des in der Bilanz stehenden Vermögens.

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Nur ist diese Tatsache allein noch kein Kaufgrund. «Der französische Autobauer Peugeot hat beispielsweise ein sehr niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis, der Kosmetikartikelhersteller Beiersdorf dagegen ein relativ hohes», sagt Matthias Jörss, Aktienstratege bei der Privatbank Sal. Oppenheim. «Trotzdem würden wir derzeit eher Beiersdorf kaufen.» Gewinnaussichten seien oft eben wesentlich wichtiger. Bei einigen Aktien gibt es auch einen handfesten Grund, warum die Börse sie so weit nach unten geprügelt hat, dass sie unter ihrem Buchwert notieren: So bei den Banken, denen noch Abschreiber drohen.

Altana, Geox und Sol Meliá

Nicht nur Externe könnten die tiefen Bewertungen als Chance sehen: Oft sitzt der potenzielle Käufer schon ganz prominent in der eigenen Firma. «Wir werden verstärkt erleben, dass Familien ihre Unternehmen reprivatisieren», glaubt Daniel Stillit von der Investmentbank UBS. Stillit hat Europa nach Kandidaten für solche Übernahmen durchkämmt.

In Deutschland sieht er derzeit die Chance, dass der Quandt-Clan wieder zuschlägt. Die derzeit prominenteste Vertreterin der Industriellenfamilie, Susanne Klatten, ist nicht nur ebenso geschäftstüchtig wie Maria-Elisabeth Schaeffler, sie verfügt sogar noch über wesentlich mehr Milliarden an Privatvermögen. Klatten hält bereits 50,1% am Chemieunternehmen Altana. Sie könnte ihre Anteile daran erhöhen oder es komplett übernehmen.

Ausserhalb Deutschlands komme dem Analysten zufolge der italienische Schuhhersteller Geox für eine Reprivatisierung in Frage. Hier heisst die dahinter stehende Familie Moretti Polegato, sie hält knapp 71% der Aktien und hat bereits zugekauft. Das Gleiche gilt auch für die spanische Sippe der Escarrers. Ihr gehören 63,13% der Hotelkette Sol Meliá.