Das Unternehmen Swiss Space Systems (S3) wollte Parabelflüge zum Erleben der Schwerelosigkeit anbieten. Zudem sollten Minisatelliten in die Erdumlaufbahn gebracht werden. Anstatt eines florierenden Raumfahrtunternehmens resultieren bisher aber nur Schulden.

Nun hat das Regionalgericht des Broyebezirks die Reissleine gezogen, wie der Kanton Waadt mitteilte. Der Aufschub des Konkurses wurde am Donnerstag widerrufen. Swiss Space Systems hat nun zehn Tage Zeit gegen den Entscheid Rekurs einzulegen.

Gründer angezündet

Der umstrittene Gründer des Unternehmens, Pascal Jaussi, hatte im August für Schlagzeilen gesorgt, als er im Kanton Freiburg unter rätselhaften Umständen angegriffen worden war. Er erlitt Verbrennungen. Wer hinter der Attacke steckt, ist bis heute unklar.

Westschweizer Medien spekulierten seinerzeit, dass sich Jaussi mit seinem Programm zur «Demokratisierung» der Raumfahrt viele Feinde in der Branche geschaffen habe. Recherchen der Handelszeitung zeigten indes, dass es viel trivialer sein könnte: Jaussis Firma hatte Schulden in Millionenhöhe. Alleine im letzten Jahr hagelte es mindestens vier Konkursandrohungen. Die Bonität des Unternehmens war im Keller.

Leere Versprechungen aus Singapur

Jaussi berief sich immer wieder auf eine Kapitalinfusion in Höhe von 30 Millionen Dollar. Tatsächlich hatte S3 am 30. März 2016 eine Bankgarantie in dieser Höhe erhalten. Ausgestellt wurde sie von einer Axios Credit Bank Ltd. mit Adresse in Singapur. Doch das Geld floss offenbar nicht.

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Bei der Gerichtsverhandlung am Mittwoch bestätigte das Amt zehn neue Betreibungen seit September. Pascal Jaussi war bei der Verhandlung am vergangenen Mittwoch nicht anwesend. Er liess sich von seiner Frau und seiner Schwester vertreten.

Hilfe vom Staat

In das undurchsichtige Jaussi-Konstrukt ist auch die öffentliche Hand verwickelt. Der Kanton Waadt gewährte Jaussis Firma ein Darlehen über 500'000 Franken. Damit sollten Löhne ausbezahlt und weitere Investoren gesucht werden.

Auch die Stadt Payerne zeigte sich gegenüber dem Unternehmen grosszügig und verzichtete auf Einnahmen von 1,1 Millionen Franken aus einem Vertrag über einen Landverkauf.

(gku mit Material von sda)