Die Story scheint auf den ersten Blick eher aus einem Actionfilm zu stammen, als aus dem beschaulichen Payerne. Und dennoch hat sie sich vor zehn Tagen genau so in der Dreiseenregion zugetragen. Der Schweizer Raumfahrtunternehmer Pascal Jaussi wird von bewaffneten Männern in einen Wald bei Aumont gelotst.

Dort schlagen ihn die Angreifer brutal zusammen, übergiessen ihn mit einer brennbaren Flüssigkeit und zünden ihn an. Jaussi schafft es gerade noch, einen Freund zu alarmieren und kann schwer verletzt gerettet werden. Er liegt seither im Spital, soll sich aber inzwischen ausser Lebensgefahr befinden.

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Millionenforderungen

Wer steckte hinter der brutalen Attacke? Für Westschweizer Medien ist klar, dass sich Jaussi mit seinem Programm zur «Demokratisierung» der Raumfahrt viele Feinde in der Branche geschaffen hat. Jaussi hatte sich selbst immer wieder in diese Richtung geäussert und von einem Kampf «David gegen Goliath» gesprochen.

Weiter könnten ausländische Agenten den Angriff durchgeführt haben, spekulierte der «Blick». Recherchen der Handelszeitung zeigen indes, dass ein viel trivialerer Grund möglich ist: Personen wollen von Jaussis Firma Gelder in Millionenhöhe.

Bonität im Keller

Die Weltraumfirma Swiss Space Systems Holding, die Mutterfirma von Jaussis S3 Solutions, hat laut Teledata in den Jahren 2015 und 2016 Zahlungsbefehle in der Höhe von über 4 Millionen Franken eingesammelt. Vier Jahre lang, von 2011 bis Anfang 2015, war das Betreibungsregister der Swiss Space Systems Holding makellos. Doch dann begannen die Probleme.

Alleine im letzten Jahr hagelte es mindestens vier Konkursandrohungen. Die Bonität des Unternehmens ist entsprechend im Keller: «Die Wahrscheinlichkeit, dass bei der Firma Swiss Space Systems Holding mit Zahlungsausfällen zu rechnen ist, wird nach dem statistischen Prognosemodell als hoch eingestuft», heisst es in der Risikobeurteilung.

Swiss Space hat am Montag nicht auf Anrufe der Handelszeitung reagiert. Man komme mit der Flut von Anfragen nicht mehr nach, hiess es in einer automatischen Ansage. Laut «24 heures» war der Anschlag auf Jaussi nicht die erste Attacke gegen die Firma. Im vergangenen Jahr verübten Unbekannte einen Brandanschlag gegen die Server von S3.

Die Freiburger Polizei will das laufende Verfahren nicht kommentieren. Zum Artikel von «24 heures» nehme man keine Stellung, heisst es in einer knappen Mitteilung. Die Polizei bestätigt nur, dass sich der Gesundheitszustand des Opfers verbessert habe und der Mann voraussichtlich in den nächsten Tagen aus dem Spital entlassen werde.

Weltraum für alle

S3 hat sich zum Ziel gesetzt, Weltraumflüge breiteren Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Davon ist die Firma, bei der auch der erste Schweizer Astronaut Claude Nicollier im Expertenrat sitzt, aber offenbar noch weit entfernt. 2017 wollte S3 deshalb mit Parabelflügen zumindest das Erlebnis der Schwerelosigkeit für jedermann zugänglich machen. Tickets dafür sind seit Mai buchbar.

Parabelflüge sind ein hart umkämpftes Geschäft. Konkurrenten haben die Pläne von S3 kürzlich als komplett unrealistisch abgetan. Der Prozess zur Umrüstung, die Zulassungen für die Manöver und die Zertifizierung dauerten vier bis fünf Jahre und nicht ein paar Monate, wie von S3 kolportiert, so eine Mitbewerberin gegenüber «Travel Inside».

S3 zeigte sich indes «zuversichtlich, dass der Zeitplan für den Erstflug eingehalten werden kann». Ob der Angriff darauf einen Einfluss hat, ist noch unklar. Eine ungenannte Person, die dem Unternehmen nahesteht, zeigte sich gegenüber «24 heures» unbeirrt. «Wir sind entschlossener denn je, unsere Aktivitäten fortzusetzen.»