Kein Tag, an dem der selbsternannte Weltraumpionier Pascal Jaussi und seine Firma Swiss Space Systems (S3) nicht in den Medien auftauchen. Jaussi wurde von Unbekannten angegriffen und angezündet. Warum, darüber rätselt die Öffentlichkeit.

Sicher ist: Seine Firma S3 befindet sich in ernsten Schwierigkeiten. Millionenbetreibungen lasten schwer auf dem Startup. Das machte handelszeitung.ch Anfang September publik. Inzwischen bläst Jaussi zum medialen Gegenangriff. So behauptete er etwa gegenüber «24 heures», seine Firma sei so gut aufgestellt, wie seit 18 Monaten nicht mehr. Er habe seit dem Überfall einen noch grösseren Willen, sein Ziel des billigen Weltraumflugs zu erreichen. In einer Westschweizer Illustrierten präsentierte er seine Brandwunden.

Nicht einmal im Handelsregister eingetragen

Immer wieder beruft sich Pascal Jaussi auf eine neue Kapitalinfusion in Höhe von 30 Millionen US-Dollar. Tatsächlich: S3 erhielt am 30. März 2016 eine Bankgarantie in dieser Höhe. Ausgestellt wurde sie von den Herren Anthony Kuntz und Lawrence Cheah von der Axios Credit Bank Ltd. mit Adresse in Singapur (siehe Bildergalerie).

Die Banker geben sich verschwiegen: Man sei nicht erfreut über die Attacke gegen Jaussi, aber man könne weder zum Deal Angaben machen, noch wolle man sagen, wem die Bank gehöre oder wo sie genau ihren Hauptsitz habe. In Singapur ist die Bank nicht einmal im Handelsregister eingetragen, obwohl man im Schweizer Handelsregister als Domizil Singapur angab. Die dortige Finanzmarktaufsicht Monetary Authority of Singapore reguliert die Bank auch nicht, sagte eine Beamtin gegenüber handelszeitung.ch.

Von keiner Behörde reguliert

Die Axios Credit Bank behauptet, sie sei eine Privatbank, reguliert nach den Regeln der ECCB («We are Category B Private Bank registered under ECCB Regulations»). Mit ECCB ist die Eastern Caribbean Central Bank gemeint. Die Axios behauptet also, sie unterliege den Richtlinien der Zentralbank der sechs karibischen Kleinstaaten und zwei britischen Kolonien Antigua und Barbuda, Grenada, St. Kitts und Nevis, Dominica, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, sowie Anguilla und Montserrat.

Eigenen Angaben zufolge kennen aber weder die ECCB noch die nationalen Finanzaufsichtsbehörden der acht Inseln die Axios Credit Bank – geschweige denn überwachen sie. Weder in aktuellen Registern noch in bereits gelöschten Datenbanken taucht das Institut auf. Handelszeitung.ch hat von sämtlichen Behörden entsprechende Informationen eingeholt. Mehr noch: Die Experten der nationalen Bankenaufsicht von St. Kitts und Nevis warnen ausdrücklich vor Axios: Das Zurückhalten von Basisinformationen (wo die Bank ihren wirklichen Sitz hat, wer deren Aktionäre sind, usw.), sei ein bedeutendes Warnsignal. Bei Geschäften mit dieser Bank solle man extreme Vorsicht walten lassen (siehe Bildergalerie).

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Webseite existiert seit Januar

Weitere Recherchen zeigen zudem: Die Webseite der Bank www.axioscreditbank.com wurde erst diesen Januar registriert. Wem die Webseite gehört, wird durch einen Anonymisierungsdienst verheimlicht. Und auf Facebook existiert die Firma ebenfalls erst seit diesem Jahr.

Als Direktor der Bank agiert ein gewisser Ngul Ming Thang. Auf seiner privaten Webseite und auf Linkedin präsentiert er sich als visionärer Jungunternehmer. Seine Bank hat er auf Google im August gleich mit fünf Sternen bewertet. Dies kann freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Axios Credit Bank offenbar im luftleeren Raum operiert, keiner Aufsicht untersteht und vorwiegend im Internet existiert.

Jaussis S3 antwortete auf keine Kontaktversuche.

Mitarbeit: Gabriel Knupfer