Ein klassischer Fall: Der Patient im Pensionsalter verspürt beim Gehen Schmerzen in den Beinen. Nach einer kurzen Ruhepause sind die Beschwerden verschwunden, um alsbald zurückzukehren.

Der Angiologe (Spezialist für Gefässerkrankungen) findet rasch heraus, woher diese «Schaufensterkrankheit» kommt. Diesen komischen Namen hat das Phänomen nicht, weil Betroffene einer Shopping-Sucht erlegen sind, sondern weil sie vorzugsweise vor Auslagen stehen bleiben, um ihr Leiden zu kaschieren. Mit vergleichenden Blutdruckmessungen beider Arme und Beine kann festgestellt werden, ob ein Bein infolge von Ablagerungen in den Gefässen zu wenig durchblutet ist.

20 Jahre geforscht und entwickelt

Die Behandlungsmöglichkeiten reichen, je nach Erkrankungsstadium, von einem Gehtraining über verschiedene Katheterinterventionen bis hin zur Amputation. «Je früher die Behandlung beginnt, desto erfolgreicher sind die sanfteren Behandlungsmethoden», erklärt Immanuel Straub, Patron von Straub Medical. Seit der Erfindung seines Rotationskatheters kann solchen Patienten minimal invasiv, das heisst mit geringster Belastung, geholfen werden.

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20 Jahre lang forschte und entwickelte Straub und ein Team von internationalen Spezialisten am sogenannten Rotarexkatheter. Mit diesem Hightech-Gerät können Ärzte ihre Patienten mit Problemen wie den geschilderten ohne grossen Aufwand zuverlässig behandeln. Mittlerweile wird diese höchst wirksame Methode über ein Fachhändlernetz bereits in 47 Ländern mit grossem Erfolg vertrieben. Dieses Jahr wird die Zulassung in den USA erwartet. Eine weitere geografische Expansion wird gemäss Geschäftsführer Gido M. Karges vorangetrieben.

Zwar sind in vielen schweizerischen und europäischen Gefässzentren Rotationskatheder von Straub im Einsatz und erste Wahl für Gefässverschlüsse mit unterschiedlichster Entstehungsgeschichte. Aber angesichts der geschätzten 4 bis 5 Mio Menschen, die allein in Europa unter einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit - so der Fachausdruck - leiden, sind dem Einsatz dieser neuen «Wunderwaffe» gegen diese Krankheit kaum Grenzen gesetzt. Dies umso mehr, als vor allem Patienten über 65 von diesem Leiden betroffen sind. Ein Blick auf die demografische Entwicklung spricht für sich, obwohl Karges betont, dass auch jüngere Leute, insbesondere Diabetiker und Raucher, darunter leiden können.

Nach den Arterien nun die Venen

Die ersten Katheter entwickelte Immanuel Straub vornehmlich für verstopfte Arterien. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er selber davon betroffen war, was seinen Erfindergeist beflügelte. Mittlerweile sind auch Katheter für verstopfte Venen fertig entwickelt. Die vielen Mio Fr., die er in die Entwicklung des Systems gesteckt hat, reuen den Firmengründer keine Sekunde, denn sein Unternehmen steht Staub zufolge weltweit ohne technische Mitbewerber da.

Die in Wangs SG ausgetüftelte Behandlung hört sich nicht sehr kompliziert an, ist aber das Resultat sophistizierter Entwicklungen. Nach einer örtlichen Betäubung an der Einstichstelle im Bein kann der Patient am Bildschirm verfolgen, wie seine Gefässe entschlackt werden. Eine Narkose ist nicht nötig. Der Arzt führt einen dünnen Schlauch, eben den Katheter, in die Beinschlagader ein und schiebt ihn bis zur Verschlussstelle vor. Dort aktiviert er den Rotationskopf an der Spitze des Katheters. Dieser löst das Verschlussmaterial im Blutgefäss ab und zerkleinert es - ohne die inneren Wände des Blutgefässes zu beschädigen. Gleichzeitig saugt eine Förderschnecke im Inneren des Katheters alles abgelöste Material ab und transportiert es in einen Beutel. «Zum Schluss des absolut schmerzlosen Eingriffs wird der Schlauch wieder herausgezogen und die Einstichstelle versorgt. Der Patient spürt sofort, wie wieder Blut durch sein Bein strömt», beschreibt Straub, was er selber erlebt hat.

Dieses Arbeiten durch ein «Schlüsselloch» ist, wie erwähnt, mit minimalsten Belastungen für den Patienten verbunden, stellt aber maximalste Anforderungen an die Kathetertechnologie und deren Anwender. In Symposien und Lehrveranstaltungen werden die anwendenden Fachärzte in die «Wunderwelt» dieser neuen Medizinaltechnik eingeführt.

Die Schulungen bei Straub Medical vor Ort haben, wie sich immer mehr erweist, für die Teilnehmer einen angenehmen Nebeneffekt. Wangs befindet sich mitten in der Tourismusregion Heidiland. «Die Besucher sind von der Landschaft begeistert. Viele kehren zu einem späteren Zeitpunkt mit ihren Familien und Freunden zurück, um sich zu entspannen. Andere wiederum reisen etwas früher an oder bleiben etwas länger», stellt Straub fest.