Die Netzwerktechnik-Sparte von ABB gerät zunehmend unter Druck. Immer mehr Aktionäre fordern die Abspaltung. Anfang Oktober soll am Investorentag bekannt werden, ob sich der Konzern den Forderungen von Artisan, Cevian und zuletzt auch Nordea beugt.

Während die Pläne des aktivistischen Aktionärs Cevian schon länger bekannt sind und der Investor mit «Methode Cevian» bereits einen Ruf in der Branche hat, wurde der US-Fonds Artisan bisher weniger wahrgenommen.

Fokussierter und rentabler

Vielleicht zu Unrecht, denn in einem Interview mit dem Online Finanzmagazin Barrons tönte der Co-Manager Dan O’Keefe bereits im März seine Absichten an, als er sagte: «Eine ihrer [Anmerkung: ABB] Divisionen könnte potenziell verkauft oder abgespalten werden für Stakeholders. Das wäre ein sehr wertschöpfendes Event.»

Das Vorpreschen bei ABB kommentiert Fondsmanager David Samra mit der fehlenden Profitabilität. Wie bei vielen anderen Konglomeraten seien auch die ABB-Divisionen weniger profitabel als die Geschäfte der besten Konkurrenten. «Die Überprüfung dieses Teils des Unternehmens ist nur eines der Dinge, die das Unternehmen machen kann, um das Geschäft zu straffen», sagte Samra gegenüber Reuters weiter. «Wir sehen das als ersten Schritt, um ein viel fokussierteres Unternehmen zu schaffen.» Am Elektrotechnikkonzern sind die US-Amerikaner nach eigenen Angaben mit 2,5 Prozent beteiligt. Grossaktionär Cevian kommt laut US-Börsenaufsicht SEC auf 6,2 Prozent.

Trennung nicht unumstritten

Laut dem «Wall Street Journal» sind nicht alle Marktteilnehmer vom Vorteil einer Abspaltung überzeugt. Manche Branchenexperten sehen einen bedeutenden Synergieverlust im Fall einer Teilung. Für diese hat die Division doch mehr mit den anderen Bereichen von ABB zu tun, als gemeinhin angenommen wird.

Ein Analyst von Barclays hielt dazu fest: «Wir sind keine Verfechter einer Aufspaltung des Unternehmens, aber wir hätten gerne mehr Details darüber, welche Bereiche bei Netzwerken profitables Wachstum bieten und welche Bereiche strukturell gefordert sind.» Die stattfindende Transformation in der elektrischen Wertschöpfungskette spiele in die Hände der ABB, sagt die Bank weiter.

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Adecco-Protest versandete

Der US-Fonds hält noch weitere Beteiligungen an Schweizer Firmen, so etwa an der UBS, Adecco, Comet und Panalpina – wo auch Cevian mit an Bord ist. Grundsätzlich investiert Artisan in Unternehmen mit starken Bilanzen und gutem Cash-Flow, aber unterbewerteten Aktien. Ein Beispiel dafür sei auch die UBS, so Samra gegenüber «Bloomberg» im Februar. Artisan folge dem Ansatz, das zu kaufen, was andere loswerden wollen.

ABB ist nicht das erste Mal, dass Artisan sich als aktivistischer Investor probiert – auch in der Schweiz. Für Schlagzeilen hat der Fonds letztes Jahr gesorgt, als er sich zusammen mit Harris Associates gegen Alain Delhaze als neuen Adecco-CEO ausgesprochen hatte. Artisan Partners war «absolut schockiert» darüber, dass nicht Finanzchef Dominik de Daniel zum neuen CEO befördert wurde. Die Drohungen der beiden Investoren fruchteten aber nichts.

Kein Erfolg bei Johnson & Johnson

In Szene setzte sich Artisan Ende Januar diesen Jahres bei Johnson & Johnson. Am US-Grosskonzern ist der Investor seit 2007 investiert, im Herbst 2015 mit 445 Millionen. In einem offenen Brief wandte sich Co-Manager O’Keefe an den Verwaltungsrat des US-Konzerns. Darin zeigt er sich etwa besorgt über getätigte Übernahmen und die Geschäftsführung.

Als Massnahme schlägt O’Keefe vor, Geschäfte abzuspalten. Um richtig Druck zu machen, sind Artisan und die übrigen Investoren bei J&J aber allesamt zu klein. Zudem dominieren passive Fonds, wie die «Financial Times» schreibt: Der Plan des Artisan-Co-Managers sei es, das Unternehmen in drei Teile aufzusplitten, dadurch würde der Wert des Gesamten um rund 90 Milliarden steigen. Ein Jahr später ist J&J noch immer eins, Artisan konnte nichts ausrichten.

Stiller Grossaktionär bei Panalpina

Befürchtungen weckte der Fonds 2013, als er innerhalb weniger Monate seine Beteiligung an Panalpina auf 10 Prozent steigerte und damit sein Gewicht beinahe verdoppelt hatte. Cash berichtete damals, dass Händler nicht wissen würden, was die Amerikaner beim Schweizer Unternehmen im Schilde führten. Seither ist zu diesem Investment öffentlich nichts weiter bekannt geworden.

Die Beispiele zeigen: Artisan ist durchaus ein aktivistischer Investor - damit sind die Amerikaner in guter Gesellschaft. Laut einer Analyse von J.P. Morgan Chase, so «The Wall Street Journal», haben sich die aktivistischen Vorstösse in Europa innerhalb eines Jahres auf Hundert gesteigert. Das entspricht einer Zunahme um 62 Prozent.

Einen durchschlagenden Erfolg kann der Fonds bisher allerdings nicht verbuchen. Es fehlte bisher am Timing und den richtigen Partnern. Vielleicht kann Artisan nun bei ABB gemeinsam mit Cevian zuschlagen.

(mit Material von reuters)