Die hiesige Softwareindustrie wächst: Das Swico-Trendbarometer und der von Sieber & Partners und «Inside-IT» erstellte Swiss Software Industry Index zeigen für das laufende Jahr ein Wachstum bei den Umsätzen und dem Personal. Beide Umfragen verströmen für die nähere Zukunft Optimismus: Die Auftrags-Pipelines sind besser gefüllt als im letzten Jahr. Doch die hohen Kosten sowie die Probleme bei der Rekrutierung des Informatiknachwuchses sind noch immer ungelöste Herausforderungen. Die Signale sind durchaus widersprüchlich: «Wenn ich meine Söhne zu einer Ausbildung im IT-Umfeld ermuntern würde, würde ich davon abraten, Java-Programmierer oder Email-Experte zu werden - solche Arbeiten wandern nach Indien ab», sagte der Informatikchef einer grossen Schweizer Versicherung kürzlich an einer Veranstaltung.

Was noch vor fünf Jahren als kritisch angesehen wurde, wie beispielsweise die Expertise um Email-Systeme, wird heute von immer mehr Firmenkunden als Service «aus der Wolke» bezogen. «Ich würde meinen Söhnen eher raten, sich in den Bereichen IT-Architektur oder Geschäftsprozesse weiterzubilden», so der Informatikchef. Denn hier gebe es sowohl bei Firmenkunden als auch bei Softwarefirmen Nachfrage.

Know-how bleibt hier

Grosse Firmen möchten und müssen einen kleinen Teil dieses Know-how in der Organisation behalten - und deshalb wird auch nicht das ganze IT-Personal an die IT-Dienstleister übertragen. Das widerspiegelt sich auch bei Softwarefirmen. Laut den Experten von Sieber & Partners werden nicht nur bei zahlreichen klangvollen Adressen wie Avaloq, Bison, Crealogix, Netcetera, Isys, Soreco, Ergon, SolvAxis, Noser Engineering, Opacc Software oder United Security Providers die strategischen Entscheidungen zur Softwareentwicklung in der Schweiz und damit in der Nähe ihrer Kunden gefällt.

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Auch Sage, die ihr Hauptquartier in England hat, oder Ramco Systems aus Indien fällen einen guten Teil ihrer Entscheidungen hierzulande. Das zeigt sich auch in der Zusammensetzung des Personals. Die Hersteller von Standard-Software haben anteilsmässig mehr Personal, das sich um den Verkauf und das Consulting kümmert. Die Hersteller von massgeschneiderten Lösungen dagegen sind noch die «klassischen Ingenieursfirmen» mit einem höheren Anteil von Entwicklern. Der Trend zur Standardisierung ist kommerziell interessanter, denn die Standard-Softwarehersteller weisen laut dem Swiss Software Industry Index höhere Umsätze, Erträge und Margen auf.