Es ist nicht leicht, dem Immobilienmarkt Mittelland einen wohl abgegrenzten Perimeter zuzuordnen. Im Kern gehört sicher das Berner Mittelland mit den grösseren Agglomerationen Bern, Biel, Thun und Solothurn dazu. Mit Blick auf die Markttendenzen könnten aber auch andere Agglomerationen des schweizerischen Mittelstadtsystems dazu gerechnet werden. So etwa Gebiete im Raum Aarau/Olten/Zofingen oder in der Region Luzern.

Gewandelte Wirtschaftsstruktur

Im eigentlichen Espace Mittelland, der die Kantone Bern, Freiburg, Neuenburg, Solothurn und Jura als Interessengemeinschaft umfasst, gibt es rund 1,7 Mio Einwohner und 1 Mio Erwerbstätige. Die fünf Kantone erwirtschaften mit 22% der Erwerbstätigen knapp 20% der nationalen Wertschöpfung. Dies allerdings vor der Finanzkrise. Auch wenn damit die Arbeitsproduktivität leicht unter dem nationalen Durchschnitt liegt, herrscht in diesem Raum doch eine beachtliche wirtschaftliche Dynamik. Gleichzeitig stabilisiert ein dominanter öffentlicher Sektor die Wirtschaft auch in weniger guten Zeiten. Dies vorab natürlich in der Grossregion der Bundeshauptstadt Bern.

Der private Industrie- und Dienstleistungssektor im Espace Mittelland zeigt indessen auch selbst eine beeindruckende Wirtschaftskraft. Man darf nicht vergessen, dass die Region West des Espace nach der Uhrenkrise der 70er Jahre noch lange Zeit als strukturschwach galt. Heute ist festzustellen, dass sich inzwischen eine kleinmaschige und stark diversifizierte Branchenstruktur herausgebildet hat. Viele Firmen arbeiten in Nischen für einen globalen Markt und sind im längerfristigen Trend noch immer in einer Expansionsphase.

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Dies auch wegen bemerkenswerten Innovationen und neuen Technologien. So finden sich heute zahlreiche Unternehmen in robuster Verfassung. Sie sind bei starker Marktstellung gesund finanziert. Diese Fitness des von KMU dominierten Wirtschaftsraumes dämpft die Anlagerisiken im Immobiliensektor im Vergleich mit den Grosszentren Basel, Genf und Zürich deutlich.

Der Espace Mittelland profitiert - allerdings erst seit relativ kurzer Zeit - von grossen Investitionen in die Verkehrserschliessung. Bahn 2000 und S-Bahn haben die Region für Pendler anziehungsfähig werden lassen. Der Schnittpunkt A1/A2 wird mit einem gewissen Recht als das Autobahnkreuz Europas bezeichnet. Die Erreichbarkeit von Unternehmungen ist gegenüber früher um Meilen besser geworden. Dies gilt für die geschäftlichen Aktivitäten wie auch für pendelnde Mitarbeiter. Selbst kleinere Agglomerationen wie etwa Lyss, Burgdorf, Langenthal, Oensingen, Zofingen, Sursee oder Grenchen sind nahe an die grossen Zentren gerückt.

Genügend Nachfrage vorhanden

Damit ist natürlich auch die Wohnattraktivität markant gestiegen. Wohnungen mittleren und höheren Standards sind besonders gesucht, es besteht ein eigentlicher Verkäufermarkt. In der gewandelten Wirtschaftsstruktur vermehrt gefragt sind qualifizierte Fachkräfte mit entsprechend hohen Einkommen. Der Espace Mittelland hat nur wenig Sorgen mit Leerständen, auch nicht im Segment günstigerer Wohnungen. Für Gewerbe- und Industrieflächen ist - vielleicht mit Ausnahme der Agglomeration Bern - ebenfalls genügend Nachfrage vorhanden. Dies, weil auch wenig gebaut wurde. Hingegen ist mit Ausnahme herausragender Standorte die Nachfrage nach Verkaufsflächen stark rückläufig. Zweifellos ist das eine Folge übertriebener Flächenexpansion bei den Einkaufspalästen an der Peripherie.