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Altersvorsorge
Weniger Garantien für Pensionskassen-Renten

Strampeln ohne Garantie: Die Anbieter bremsen in der Vollversicherung. Keystone/Montage HZ

Die Lebensversicherer setzen zunehmend auf Pensionskassen-Lösungen ohne Garantie. In der klassischen Vollversicherung stehen sie dagegen auf die Bremse.

Veröffentlicht am 19.04.2017

Den Vesicherungsgesellschaften vergeht die Lust auf das stramme Korsett der Altersvorsorge. Die in der Vollversicherung tätigen Anbieter setzen zunehmend auf Modelle, bei denen sie nicht mehr für das eingezahlte Kapital und die Mindestverzinsung garantieren müssen.

Das Geld wird dabei in teilautonomen Stiftungen angelegt, die im Krisenfall von den Versicherten saniert werden müssen – und nicht vom Versicherungskonzern. Der Vorteil für den Versicherer: Er muss das Geschäft mit massiv weniger Kapital unterlegen. Damit steigt für ihn die Eigenkapitalrendite.

20 Milliarden in teilautonomen Stiftungen

Die grossen Vollversicherer sowie die in diesem Geschäft ebenfalls tätigen Anbieter Zurich und Mobiliar verwalten auf diese Weise bereits mehr als 20 Milliarden Franken Vorsorgekapital. Für die Versicherer heisst das: Gleich hohe Einnahmen bei deutlich tieferem Kapitaleinsatz. 

In der klassischen Vollversicherung mit ihrem garantierten Mindestzins dagegen sind sie im vergangenen Jahr auf die Bremse gestanden, wie eine Auswertung der Geschäftsberichte der vergangenen Jahre zeigt: Insgesamt sanken die Prämieneinnahmen aus der Vollversicherung um rund drei Prozent, nachdem sie in den Vorjahren noch angestiegen waren (siehe Grafik). Besonders stark geschrumpft ist das Geschäft bei Allianz und Swiss Life.

Höhere Rendite für Versicherer und Kunden

Letztlich profitierten auch die Versicherten vom teilautonomen Modell, argumentieren die Anbieter. Ohne die strengen Kapitalvorschriften könnten höhere An­lagerisiken eingegangen werden, sagt Swiss-Life-Manager Hans-Jakob Stahel. Damit steige die Verzinsung und letztlich die Rente.

Noch beteuern die Anbieter, nicht aus der garantierten Vollversicherung austeigen zu wollen. Die Zurich ist diesen Schritt vor Jahren bereits gegangen und bietet heute keine garantierten Pensionskassenlösungen mehr an. Martin Eling, Professor der Universität St. Gallen, warnt: Würden von den verbleibenden Vollversicherern weitere aufhören, wäre das schlecht. «Dann gäbe es plötzlich zu wenige Anbieter für einen wirksamen Wettbewerb.»

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