Misserfolg kann für Berufsgolfer immer auch positive Seiten haben. Nora Angehrn hat aus der vergangenen Saison, in der besonders das lange Spiel – eine ihrer angestammten Stärken – sie im Stich liess, die Lehren gezogen. Die wichtigste Erkenntnis: Sie muss sich die Zeit und damit den Turnierplan besser einteilen und grundsätzlich weniger Wettkämpfe bestreiten. Auf diese Weise wird sie sich die Chance geben, auf Rückschlage zu reagieren und technische Mängel, wie sie sich immer wieder einschleichen können, zu beheben. «2007 eilte ich rastlos von Turnier zu Turnier, die Qualität litt unter der Quantität», so die spielstärkste Schweizer Golferin.

Freude am Golf im Vordergrund

«Ich will den Spass am Golf wiederfinden und mich auf der Tour – der europäischen Frauentour LET – neu etablieren. Ich hoffe auf gute Scores und Klassierungen in den Top Ten», sagt die 28-jährige Zürcherin.

Ein gutes Beispiel für die neuen Vorsätze lieferte Nora Angehrn im April dieses Jahres. Von Spanien reiste sie nicht nach Schottland weiter, wie sie es letzte Saison wahrscheinlich getan hätte. Das Preisgeld konnte sie ebenso wenig reizen wie das schottische April-Wetter. Stattdessen bereitete sie sich an ihrem Stützpunkt in Unterengstringen gezielt auf die weiteren Einsätze vor.

Vor dem Deutsche Bank Ladies Swiss Open von Ende Mai in Losone, das sie als einen ihrer Saisonhöhepunkte betrachtet, wird sie einzig noch das Turnier in der neuen, aufstrebenden türkischen Golfdestination Belek bestreiten. Dort also, wo Damian Ulrich (siehe oben) auf der EPD Tour seinen ersten grossen internationalen Erfolg feiern konnte. Wenn das kein gutes Omen ist ...

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Technische Defizite wettmachen

Zeit, um die technischen Defizite aus der vergangenen Saison wettzumachen, braucht Nora Angehrn allemal. In der Arbeit mit ihrem bewährten Swingcoach Denise Lavigne stellte sie beispielsweise fest, dass das Schlägerblatt im höchsten Punkt des Rückschwungs nicht gerade («square»), sondern geschlossen ist. Ein Fehler, der sich nur mit einer nicht lehrbuchmässigen Bewegung im Abschwung kompensieren lässt und der immer wieder zu hässlichen, das Score ruinierenden Fehlschlägen führen kann. In der Vorbereitung im Januar schien der Fehler bereits behoben zu sein, vor dem Open de Espana im April tauchte er jedoch von neuem auf.

Nora Angehrn und Denise Lavigne standen vor der Frage, ob sie den Mangel in die Saison «mitnehmen» oder ihn in weiterer wochenlanger Arbeit radikal bekämpfen sollten. Sie entschieden sich für die zweite Möglichkeit – auch wenn sich die Spielerin durch eine unabdingbare Änderung des Griffs an ein zunächst unvertrautes Schwunggefühl gewöhnen musste. Nora Angehrn ist überzeugt, dass sich die Anpassung auf die Dauer bezahlt machen wird.

In ihrem Umfeld hat Angehrn keine nennenswerten Änderungen vorgenommen. In Unterengstringen kann sie weiterhin auf die Hilfe des Golflehrers Beat Grossmann zählen. Grundlegende Entscheidungen trifft sie jedoch nur aufgrund von Videoanalysen in Absprache mit Denise Lavigne, die in Florida und in Kanada arbeitet.

Name: Nora Angehrn

Geboren17. März 1980

Beruf: Profi seit November 2004

Wohnort: Zürich

Klub: Golf&Country Club Zürich-Zumikon

Hobbies: Ski, Snowboard, Wakeboard, Wasserski, Sport allgemein

Golf-Coach: Denise Lavigne/Beat Grossmann

Fitness-Coach: Gabi Tobler/Beat Grossmann

Sponsoren. Hauptsponsor: Burgerstein Vitamine. Co-Sponsoren: Amag Utoquai, Audemars Piguet, Software One. Supporter: Swiss Golf Pro Supporter Club, intercard. Ausrüster: Srixon, Peak Performance, Titleist, FootJoy.