Legen Sie auch in Barrier-Produkte auf den indischen Telekomsektor an? Und wie sieht es aus mit Multi-Strategy-Hedgefonds? Viele Banken verbreiten heute durch ihre Werbung und ihre Produktgestaltung die Botschaft, dass im modernen Private Banking ohne den Einsatz von Hedgefonds oder komplexen strukturierten Produkten kein vernünftiges Anlegen mehr möglich ist. In den Musterportfolios und bei den Anlageempfehlungen haben solche Konstrukte mittlerweile einen hohen Stellenwert.

Doch ist der Einsatz solcher Produkte wirklich nötig und sinnvoll? Unsere Antwort lautet: Nein - das gilt zumindest für die Mehrheit der privaten Anleger. Eine professionelle Vermögensanlage ist unseres Erachtens genauso gut mit herkömmlichen Instrumenten wie Obligationen, Aktien und Rohstoffinvestments möglich. Unsere Erfahrung zeigt, dass auch mit diesen traditionellen Anlagen eine Strategie oder Idee sinnvoll umgesetzt werden kann - und dies erst noch einfacher und kostengünstiger als mit komplexeren Produkten. So gibt es zum Beispiel fast für jede Branche, jedes Thema oder jeden Markt mittlerweile einen kostengünstigen ETF.

Intransparent, teuer und gefährlich

Woher kommt der Trend zu immer komplizierteren Produkten? Die Gründe sind hohe Margen, der Wunsch nach Differenzierung gegenüber Mitbewerbern, aber sicher auch das Marktumfeld mit rekordtiefen Zinsen. Da sucht sich mancher Investor neue Anlagen mit (vermeintlich) höheren Renditen. Die Nachteile dieser Produkte sind aber nicht unerheblich. Erstens sind sie oft sehr komplex, intransparent und für den durchschnittlich versierten Anleger (und oft selbst für viele Anlageberater) kaum wirklich zu verstehen. Gerade Hedgefonds sind meist eine «Blackbox», und ein vernünftiger Vergleich beziehungsweise eine Analyse ist nicht möglich. Zudem haben sie in den letzten Jahren den Beweis nicht erbringen können, dass sie die versprochenen stets positiven Renditen und die niedrige Korrelation zu den Aktienmärkten liefern können. Ein Problem sind weiter die oft mangelnde Liquidität sowie die hohen Kosten. Die Margen sind, wie erwähnt, ansehnlich und die Gebühren für den Käufer meist versteckt. Komplexität ist, wie das «Wall Street Journal» unlängst schrieb, «oft eine Ausrede, um fette Gebühren einstreichen zu können».

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Nicht zu unterschätzen ist auch das Gegenparteienrisiko. Es zeigte sich, dass sogar Produkte mit 100-prozentigem Kapitalschutz wertlos werden können - Lehman lässt grüssen. In den letzten Jahren mussten wir schmerzhaft erfahren, dass der Werbeslogan eines japanischen Autoherstellers leider auch für die Börsen gilt: Nichts ist unmöglich. Daher sollte man ein starkes Gewicht auf die Beurteilung der Anlagerisiken legen. Aber gerade bei komplexeren Produkten sind diese oft gar nicht abschätzbar.

Marketingspielerei statt Kundennutzen

Manchmal wird man den Verdacht nicht los, dass manche der heute eingesetzten Finanzinnovationen eher Marketingspielereien sind und primär darauf abzielen, dem Anbieter hohe Kommissionen zu bescheren. Deren Einsatz führt oft zu einer unnötigen «Verkomplizierung» der Anlage. So stösst man auf Depots, wo es von strukturierten Produkten und intransparenten alternativen Anlagen wimmelt, die zum Teil nicht einmal an einer Börse, sondern nur bankintern gehandelt werden. Selbst für Experten ist jeweils schwer erkennbar, worin das Geld genau investiert ist und wo die Risiken liegen. Leider geht eine simple Regel immer wieder vergessen: Mehr Rendite erzielt man auch heute immer nur mit mehr Risiko. Selbst noch so komplexe Produkte können den Zusammenhang nicht ausser Kraft setzen.

Grundsätzlich sollte daher ein Anleger nur Produkte kaufen, die er versteht oder die ihm der Kundenberater ohne Formeln oder Beiziehen eines Mathematikers erklären kann. Nicht nur der vielversprechende Titel eines Produktes, sondern auch das Kleingedruckte ist zu lesen. Dort nämlich offenbaren sich meist die diversen Haken an der Sache.

Verzicht auf eigene Produkte, um Interessenkonflikte von vornherein zu vermeiden, sowie eine Palette aus einfachen, transparenten und gut handelbaren Produkten ohne Hedgefonds und komplexe strukturierte Produkte - mit einem solchen Ansatz mag man zwar etwas aus der Reihe tanzen. Wir sind aber überzeugt, dass sich auch mit dieser aus der Sicht vieler Konkurrenten vielleicht etwas «altmodischen» Anlagephilosophie gute Ergebnisse erzielen lassen und man sehr wohl im Interesse der Kunden handelt. Es braucht nicht immer mehr «rocket scientists» im Anlagegeschäft, sondern eher wieder mehr gesunden Menschenverstand.