Der Erfindungsreichtum, den ausländische Regierungen und supranationale Organisationen an den Tag legen, um komparative Vorteile des Schweizer Finanzplatzes zu reduzieren, scheint beinahe unerschöpflich. Die Schweiz ist diesem Druck jedoch nicht wehrlos ausgeliefert. Vielmehr hat sie es in der Hand, mit eigenen überzeugenden Regeln die Freiheit der Institute und die Privatsphäre ihrer Kunden zu schützen und eine eigenständige, effektive und effiziente Finanzmarktarchitektur aufrechtzuerhalten.

Die potenziellen Nachteile einer neuen Regulierung sind rasch aufgezählt: Regulierung bindet Ressourcen, kann Innovationen und Wettbewerb behindern und so volkswirtschaftliche Kosten verursachen. Zudem schwächt zu viel Regulierung die Eigenverantwortung der Kunden und der Institute und untergräbt so die individuelle und unternehmerische Freiheit. Als Beispiel für eine weniger geglückte Regulierung kann die europäische Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (Mifid) angeführt werden, welche seit dem 1. November 2007 von europäischen Banken angewendet werden muss und den Handlungsspielraum der Kunden und der Banken erheblich einschränkt. Glücklicherweise haben der Schweizer Gesetzgeber, der Bundesrat und die EBK darauf verzichtet, diese Richtlinie in Schweizer Recht umzusetzen.

Sinnvolle Regulierung hilft

Grosse Chancen für den Schweizer Finanzplatz ergeben sich, wenn es gelingt, das steuerliche Umfeld für Trusts und Stiftungen zu verbessern, die Stempelsteuer, welche immer noch Anleger vom Schweizer Finanzplatz fernhält, abzuschaffen, das Bankkundengeheimnis vorbehaltlos zu schützen und bezüglich Hedge- Fonds sowohl das regulatorische als auch das steuerliche Umfeld zu verbessern.

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Angesichts der auf dem Finanzplatz Schweiz herrschenden Dynamik ist eine laufende Überprüfung und Optimierung der Regulierung sowie der Aufsichtsinstrumente angezeigt. Das Hauptaugenmerk ist dabei auf die regulatorischen und steuerlichen Rahmenbedingungen zu richten, die entscheidende Erfolgsfaktoren für den Schweizer Finanzplatz sind. Eine sinnvolle, adäquate und wirksame Regulierung dient aber nicht nur dem Finanzsektor, sondern dem gesamten Wirtschaftsstandort Schweiz.