Nach beinahe fünf Wachstumsjahren trifft die Wirtschaftskrise die Schweizer Hotellerie frontal: Dem ersten Rückgang um 6,1% auf 15,8 Mio Logiernächte in der Wintersaison 2008/09 (November bis April) laut Bundesamt für Statistik folgt in der Sommersaison 2009 (Mai bis Oktober) ein zweites Minus von 7,2% auf 18,8 Mio Logiernächte, so die aktuelle Prognose des Forschungsinstituts Bak Basel Economics.

Regional aufgeteilt präsentieren sich folgende Prognosen (siehe Grafik): In den Grossstädten (-10,5%) ist von heftigeren Einbrüchen auszugehen als im «Alpenraum» (-6,6%), weil der Geschäftsreisensektor, der in den ländlichen Gefilden weniger bedeutend ist, am stärksten abnehmen werde. Von den Ferienregionen dürften Graubünden, die Zentralschweiz und das Berner Oberland am deutlichsten betroffen sein.

Luxushotels leiden am stärksten

Gemäss Bak wird die Durststrecke erst im Winter 2010/11 ihr Ende finden. Etwas skeptischer ist Guglielmo Brentel, Präsident von Hotelleriesuisse: «Wie einschneidend die Krise im Schweizer Tourismus ausfallen wird, vermag derzeit niemand zu sagen.» Fakt sei, dass die Reiseindustrie von einer Rezessionswelle jeweils später erfasst werde und danach erst später wieder aus ihr auftauche.

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Mehr als nur ein Spiegelbild dieses Negativtrends liefern die Nobelherbergen. Die Swiss Deluxe Hotels befürchten gar überdurchschnittliche Rückgänge ihrer Mitglieder: «In den Stadthotels bis zu -20% und in den Landressorts bis zu -10% - damit müssen wir weiterhin rechnen», sagt Geschäftsführer Fiorenzo Fässler. In dieser Hotelkooperation sind 39 der luxuriösesten Fünfsternbetriebe des Landes zusammengefasst. «2009 bleibt nicht einfach, vor allem, weil 2008 ein Rekord war.» Noch nicht so richtig gewöhnt habe man sich im High End an die immer kurzfristigeren Buchungen, obwohl sich dieser neue Faktor schon positiv ausgewirkt habe. «Nachdem uns im Winter viel Schnee geholfen hat, hoffen wir im Sommer auf viel Sonne. Trotzdem gibt es auch bei uns Häuser, die 2009 bislang besser unterwegs sind als 2008; eines sogar in einer Stadt», ergänzt Fässler, ohne Namen zu nennen.

Weniger vom Abwärtssog erfasst sind die 30 Schweizer Mitglieder der Private Selection Hotels, einer Gruppierung von 49 privat geführten Ferienhäusern in Europa. «Wir können zwar auch nicht behaupten, dass wir infolge der Krise gar nichts verloren haben», erklärt Geschäftsführerin Esther Dysli, «aber wir haben bislang nicht viel verloren - wir klagen auf relativ hohem Niveau, schliesslich sind wir auf ähnlich gutem Niveau wie 2007 unterwegs, nachdem 2008 ein Rekordjahr war.»

Dies hat ihrer Meinung nach einen Hauptgrund: Die Erstklass-hotellerie sei weniger krisenanfällig als das Premiumsegment. «Der grösste Teil unserer Mitglieder ist im Viersternbereich und hat realistische Preise.» Als weiteren Vorteil ortet Dysli: «Rund 80% unserer Kunden sind Stammgäste.» Zudem stammen über 60% der Klientel aus der Schweiz. Einen Trend für den Sommer kann sie indes noch nicht ausmachen: «Die Buchungen werden immer kurzfristiger und sind extrem wetterabhängig. Ich glaube aber, dass viele Schweizer zu Hause Ferien machen werden.» Diese Leute umwerbe man gezielt.

Ähnlich klingt es bei den Romantik Hotels, einer Kooperation von 200 unabhängigen Häusern in elf europäischen Ländern. Die 24 angeschlossenen Betriebe mit drei oder vier Sternen in der Schweiz stemmen sich aussichtsreich gegen die Krise, so Präsident Andreas Ludwig, Direktor des Romantik Hotel Margna in Sils-Baselgia GR. In einer Umfrage unter den Mitgliedern zeige sich, dass das 1. Halbjahr 2009 mindestens gleich gut und teilweise noch besser war als die Vorjahresperiode. «Ebenso Hoffnung gibt uns der Buchungsstand für den Sommer, zumindest die Ferienhotels betreffend.» Dies habe auch mit dem hohen Stammkundenanteil zu tun. Etwas verhaltener sehe die Bestandesaufnahme bei den Stadthotels aus. «Mit einem Gleichstand per Ende Jahr wären wir hierzulande mehr als zufrieden», meint Ludwig.

Ebenfalls die Egalisierung der Vorjahresresultate peilen die Swiss Quality Hotels an. 2008 konnte die Verkaufs- und Marketingstelle den Umsatz um 13,9% auf 18,8 Mio Fr. steigern. «Wenn wir dieses Niveau erreichen können, dann sind wir sicher nicht auf einem schlechten Weg», sagt Geschäftsführerin Eva Fischer. In der ersten Hälfte des Jahres hätten sich die Buchungen zufriedenstellend entwickelt. Für den Sommer zeigt sich Fischer verhalten optimistisch: «Während im Business Travel ein Rückgang spürbar ist, scheint der Leisure Travel weniger betroffen.» Stand heute kann sie unter den 79 angeschlossenen Mittelklasshotels in der Schweiz - nur ein Haus hat fünf Sterne - weder Kater- noch Panikstimmung ausmachen.

Mittelklasse behauptet sich

Gleiches gilt für die Best Wes-tern Swiss Hotels, wie die grösste Hotelorganisation der Welt hierzulande seit über 30 Jahren auftritt. Geschäftsführer Peter Michel führt aus: «Wir sind für Geschäftsreisen in der Pole Position.» Dieses Kundensegment mache gegen 70% aller Buchungen in der Schweiz aus. «Viele Geschäftsreisende wandern nun von den Fünfsternbetrieben zu uns ab, weil wir in all unseren Häusern den gleichen Standard garantieren können.» So etwa Arbeitsbedingungen mit Internet und Schreibtisch sowie rasches Check-in und Check-out.

«Noch vor fünf Jahren wurde die Mittelklasse totgesagt, man musste entweder Premium oder Budget sein. Heute gibt es wieder etwas dazwischen.» Trotzdem wird laut Michel auch Best Western hierzulande das vorjährige Höchstniveau kaum halten können. Der Umsatz mit den täglichen Geschäftsreisenden sei zwar weniger stark rückläufig als erwartet, auch dank des ausgebauten Stammkundenprogramms, dafür der Seminarbereich umso mehr. «Nur ganz wenige unserer 43 Häuser liegen derzeit mehr als 10% unter Vorjahr. Es gibt auch Häuser, die weiterhin zulegen können.» 2008 vermittelte man den Mitgliedern einen Umsatz von 17,3 Mio Fr. (+9,4 %).