Besonders begehrt unter den Anlegern sind die Reverse Convertibles, welche aus der Finanzindustrie nicht mehr wegzudenken sind. Hunderte dieser Produkte werden monatlich neu kotiert. In den vergangenen Jahren, mit steigenden Aktienmärkten, konnte ein Grossteil der Anleger damit attraktive Erlöse erzielen. Die aktuelle Finanzkrise mit ihren unüberschaubaren und immer noch nicht quantifizierbaren Risiken hat jedoch einmal mehr aufgezeigt, dass auch Reverse Convertibles keine hohen Renditen bei geringem Risiko garantieren können. Umso wichtiger ist es, dass die Anleger die Funktionsweise dieses Produktes im Detail verstehen und somit die Chancen und Risiken richtig einschätzen können. Kurzum: Die Beratung ist auch bei diesen Rendite-Optimierungsprodukten von zentraler Bedeutung.

Geringere Risikopuffer

Bei Multi Barrier Reverse Convertibles wird durch eine Kombination von mehreren Basiswerten eine höhere Optionsprämie erzielt, um mit dieser entweder den Coupon, die Barriere oder die Laufzeit zu optimieren. Die Optionsprämie steigt hauptsächlich durch die Anwendung einer «Worst Off down-and-in Put Option». Dies bedeutet, dass der Emittent am Ende der Laufzeit ein Wahlrecht be-sitzt: Entweder wird der Nennwert vollumfänglich zurückbezahlt oder der Anleger erhält die im Vorfeld festgelegte Anzahl Aktien des Basiswertes mit der schlechtesten prozentualen Wertentwicklung ausgeliefert respektive in bar abgegolten. Im Gegensatz zum Single Barrier Reverse Convertible wird hier ei-ne zusätzliche preisbestimmende Komponente in die Optionsprämie miteinbezogen – die Korrelation, sprich die wechselseitige Beziehung bzw. Abhängigkeit zweier oder mehrerer Basiswerte untereinander. Der Korrelationsgrad gibt die Wahrscheinlichkeit gleichlaufender Kurs- und Marktentwicklungen wider. Liegt keine gemeinsame Entwicklung vor, ergibt sich daraus eine Korrelation von 0; verändert sich der eine Wert gleichermassen mit einem anderen, so steigt die Korrelation auf 1 (siehe Kasten).

In Phasen steigender Aktienmärkte wurden von der Kundenseite immer höhere Coupons mit entsprechend geringem Risikopuffer gesucht. Aufgrund dieser aggressiven Ausgestaltung ist bei verschiedenen Multi Barrier Reverse Convertibles mit den Finanzmarktturbulenzen der Knock-in Event eingetreten, sprich einer oder mehrere Basiswerte haben die Barriere touchiert oder unterschritten. Die zugrunde liegenden Basiswerte stammen dabei hauptsächlich aus dem Bankensektor. So hat sich beispielsweise die Aktie der UBS seit Bekanntwerden dieser Risiken vom Hoch bei über 80 Fr. auf unter 30 Fr. binnen weniger Monate reduziert. Aber auch Credit Suisse hat sich in den letzten zehn Monaten im Kurs halbiert. Diesem Abwärtstrend konnten sich die strukturierten Produkte nicht entziehen. Auch die VP Bank hat Multi Barrier Reverse Convertibles als Co-Lead-Manager am Kapitalmarkt begleitet. Ihren Bankprinzipien folgend, hat sie sich stets für defensive Strukturen mit sehr tiefen Barrieren (hoher Risikopuffer) zulasten eines verhältnismässig tieferen Coupons entschieden. Durch diese Ausrichtung konnten die Produkte meist 35- bis 40%ige Kursrückgänge in den Basiswerten verkraften, weshalb die Knock-in-Quote derzeit verhältnismässig gering ist. Und trotzdem: Aufgrund der genannten Umstände ist es zu entsprechenden Knock-in Events gekommen.

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Spreu trennt sich vom Weizen

Gerade in Phasen extremer Kursschwankungen ist die Nervosität beim Privatkunden sehr hoch. Es ist daher von zentraler Bedeutung, dass der Emittent bzw. das Bankinstitut bei geknockten Produkten seine Kunden nicht im Regen stehen lässt. Die Finanzindustrie ist gefordert und sollte durch das Aufzeigen einer klaren Markterwartung zu den unterliegenden Basiswerten dem Kunden eine konkrete Handlungsempfehlung abgeben.

Viele Emittenten legen inzwischen Nachfolgeprodukte für auslaufende und teilweise geknockte Multi Barrier Reverse Convertibles auf. Auch heute sind der Kreativität der Finanzindustrie wiederum keine Grenzen gesetzt. Produkte wie Booster, Speeder, Turbo or Title oder Market Timer werden zunehmend angeboten, um allfällig eingefahrene Verluste raschmöglichst wieder aufzuholen. Bei aller Kreativität bleibt jedoch ein Problem bestehen: Diese Strukturen sind alle auf eine Erholung der geliefer- ten «Worst-of-Aktien» ausgerichtet. Sollte diese jedoch ausbleiben, wird sich eine solche «Repair-Strategie» für ein Kundendepot recht schnell als Bumerang erweisen.

Innovation durch Unerwartetes

Die Emittenten strukturierter Produkte entwickeln deshalb derzeit spezielle Instrumente. Durch die hohe Volatilität, etwa einer UBS-Aktie, wird beispielsweise mit einer «Double-No-Touch-Anleihe» ein aussergewöhnlich attraktives Auszahlungsprofil dargestellt werden können. Solange beispielsweise die UBS-Aktie binnen der nächsten 15 Monate nicht mehr als 25% fällt oder steigt, bekommt der Käufer einen garantierten Coupon in Höhe von 18% ausbezahlt. Und sollte auch hier das Unerwartete eintreten, bietet das Produkt einen 100%igen Kapitalschutz. Gerade in Zeiten wie diesen haben viele Anleger erfahren müssen, dass das Unerwartete eben auch möglich ist.