Gegenüber dem Euro und dem Franken kam der Dollar zuletzt unter Druck. Der längerfristige Ausblick für die US-Währung ist durchzogen. Der Auslöser für das Abrutschen des Dollar sind Spekulationen, dass die Vereinigten Staaten ihr AAA-Rating verlieren könnten.

Bereits vor einigen Wochen wiesen die Experten der Ratingagentur Moodys auf die Möglichkeit hin, dass die USA in Zukunft auf die Höchstnote für Schuldner verzichten müssen. Durch kritische Bemerkungen eines ehemaligen US-Spitzenbeamten erhielten die Befürchtungen vor wenigen Tagen zusätzliche Brisanz.Derzeit verschlechtern sich die Grundlagendaten für die Bewertung der USA zusehends. Die Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten betrug vor zwei Jahren 57% des Bruttoinlandprodukts (BIP). 2010 ist bereits ein Wert von 86% möglich. Jedoch ist die Credit-Default-Swap (CDS)-Prämie, mit der das Länderrisiko bemessen wird, bei den USA sehr tief ? niedriger sogar als die Prämie der Schweiz. Dies, obwohl die Zunahme der US-Haushaltsschulden diesen Wert eigentlich nicht stützt. «Das Defizit der USA wächst zwar stark, die Leistungsfähigkeit der US-Wirtschaft ist jedoch weiterhin gegeben», sagt Alessandro Bee, Ökonom bei der Bank Sarasin. Die USA könnten zudem davon profitieren, dass sich die Regierung zurückhaltender bei Ausgabenversprechen gezeigt hat als die Staatsoberhäupter in Europa.

S&P mit strengerem Massstab

«Wir halten eine generelle Herabstufung der USA derzeit für unwahrscheinlich», so Thomas Wacker, Analyst bei der UBS. Es ist jedoch möglich, dass eine einzelne Ratingagentur wie etwa Standard & Poor’s den Ratingausblick der USA zurücknimmt. Das Institut zeigt sich derzeit am aggressivsten bei Länderratings und könnte deshalb die Beurteilung am schnellsten anpassen. In letzter Zeit hätten die Märkte jedoch weniger stark auf die Ratingentscheidungen der Agenturen reagiert, so Wacker.Bei Staaten, welche im Verdacht standen, mit einer baldigen Herabstufung rechnen zu müssen, hatte der Markt bereits höhere Risikoprämien impliziert. So haben sich beispielsweise die Konditionen von spanischen Staatsanleihen nach der Herabstufung durch S&P kaum verändert. «Erst wenn die drei grossen Agenturen Moody’s, S&P und Fitch ihre Bewertungen anpassen, steigen die Risikoprämien nachhaltig», sagt Thomas Wacker von der UBS. Sollte es so weit kommen und die USA von allen drei Agenturen nur noch mit einem Doppel-A bewertet werden, würden die Anleihenzinsen für die Vereinigten Staaten steigen und damit die Zinsbelastung zunehmen. Das wäre so lange kein substanzielles Problem, wie die grossen Abnehmer von Staatsanleihen, im Falle der USA China, an den Schuldner glauben, so Wacker. Dennoch könnte sich die Abwertung negativ auswirken. «Der Finanzmarkt der USA ist weltweit tonangebend, daher könnten die Zinsen global ansteigen, sollten sie sich in den USA erhöhen», so Alessandro Bee von der Bank Sarasin.

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Grosse Nationen im Vorteil

Gewichtige Volkswirtschaften wie die USA, Deutschland oder Frankreich verfügen trotz der steigenden Schuldenlast langfristig über die Möglichkeit, Mehreinnahmen zu erzielen. Für kleinere Staaten ist es meist schwieriger, die Bilanz auszugleichen. «In drei bis fünf Jahren wird es weniger Staaten mit AAA-Rating geben. Einige Länder, welche erst seit wenigen Jahren über eine Top-Bewertung verfügen, werden sie verlieren», so Wacker von der UBS. Bei Österreich etwa müsse man damit rechnen, dass es die Höchstbewertung bald einbüssen könnte. Das gilt kaum für die Schweiz. Für die Stabilität ihres Ratings spricht, dass sie über eine starke Währung verfügt und im internationalen Vergleich nur ein moderater Anstieg der Staatsverschuldung erwartet wird.

Firmenanleihen bevorzugen

Hiesige Investoren blieben von einer möglichen Abwertung der USA wohl unberührt, solange sie keinen bedeutenden Investitionen in US-Staatsanleihen oder in Dollar halten. «Wir gehen von einer realen konjunkturellen Erholung im Herbst aus», sagt Alessandro Bee von der Bank Sarasin. In einem solchen Marktumfeld sollten Unternehmensobligationen gegenüber Staatsanleihen bevorzugt werden. Investoren sollten die ernst zu nehmenden Ausfallrisiken beachten. Zur Absicherung können Anleger daher in Anleihen mit Staatsgarantie investieren, raten die Experten der UBS. Diese Papiere bieten eine Rendite, welche 60 bis 100 Basispunkte über der von Staatsanleihen liegt, das Ausfallrisiko ist aber nicht höher als dasjenige von Staatspapieren. Ein Beispiel dafür sind Obligationen des deutschen Finanzinstitutes KfW. Für auf Sicherheit bedachte Anleger können Anleihen der globalen Entwicklungsbanken ebenfalls interessant sein.