Scheiden tut weh. Und es kann teuer werden. Diese Erfahrung muss auch Harold Hamm machen. Der Milliardär und Chef des Ölkonzerns Continental Resources hat nach 24 Ehejahren seiner Ex-Frau knapp eine Milliarde Dollar zu zahlen. Das entschied ein Gericht im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma. Damit ist die Scheidung der Hamms eine der teuersten, über die ein Richter je urteilte.

Nach dem Urteil dürfte sich Hamm über seine eigene Naivität geärgert haben. Denn der Unternehmer hatte mit Sue Ann Hamm keinen Ehevertrag abgeschlossen. Dennoch dürfte die Milliardenzahlung bei Hamm nur ein leichtes Zwicken am Arm ausgelöst haben. Der 68-Jährige gehört mit einem geschätzten Vermögen von rund 14 Milliarden Dollar zu den reichsten Menschen in den USA. Die Abfindung für seine Ex-Frau soll angeblich rund 7 Prozent seines Vermögens entsprechen. Zum Vergleich: Microsoft-Gründer Bill Gates verfügt über ein Vermögen von 81 Milliarden Dollar.

7 Millionen pro Monat

In einem 80 Seiten langen Entscheid beschloss das Gericht, dass Hamm insgesamt 995,5 Millionen Dollar an seine Ex zahlen muss. Bis Ende Jahr sind in einer ersten Tranche 323 Millionen Dollar fällig. Der Rest soll laut Urteil in Raten gezahlt werden – 7 Millionen pro Monat.

Der Geldsegen macht Sue Ann Hamm laut «Forbes» zu einer der 100 reichsten Frauen der USA. Der 58-jährigen stehen neben der Milliardenzahlung zudem eine kalifornische Ranch im Wert von 17,5 Millionen und eine knapp fünf Millionen teure Villa in Oklahoma City zu. Bereits vor dem Richterspruch hat die Ex-Frau des Ölmagnaten rund 25 Millionen erhalten.

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Anleger in Angst

Auf das Urteil des Gerichts hatten nicht nur die Eheleute gespannt gewartet. Auch die Anleger an der Börse wurden auf die Folter gespannt. Als Konzernboss hält Hamm 68 Prozent der Aktien von Continental Resources. Daher ging die Angst um, der Unternehmer müsse ein grosses Aktienpaket verkaufen, um seine Scheidung zu finanzieren. Ebenso fürchten sich die Anleger davor, dass der Rosenkrieg den Ölkonzern in Turbulenzen bringen könnte.

Tatsächlich sah es lange danach aus, als müsse Hamm seiner Ex-Frau bis zu fünf Milliarden Dollar zahlen. Es wäre die teuerste Scheidung überhaupt geworden. Nach dem Urteil beruhigte Continental Resources laut «FAZ» seine Aktionäre und schrieb: «Diese private Angelegenheit hatte bisher keinen und wird keinen Einfluss auf das operative Geschäft haben.» Nach dem Bekanntwerden des Urteils fiel der Aktienkurs von Continental Resources um 1,6 Prozent. Continental Resources hat sich auf die umstrittene Fördermethode Fracking spezialisiert, die den USA einen neuen Ölboom berschert. 2013 erzielte der Konzern einen Gewinn von über 760 Millionen Dollar.

Um das 400-fache gestiegen

Auch wenn die Milliardenzahlung für Hamm ein Klacks ist – das Gericht ging auf Nummer sicher. Es belegte 20 Millionen Aktien mit einem Zurückbehaltungsrecht. Hamm alleine hält mehr als sechsmal so viele Anteile. Diese kann der Unternehmer laut Richterspruch behalten. Mit dem Urteil können sowohl Harold Hamm als auch die Anleger zufrieden sein. Denn Sue Ann Hamm hatte die Hälfte des Vermögens gefordert. Ob sie das Urteil weiterzieht, ist derzeit nicht bekannt.

Der Scheidungsprozess dauert rund zwei Jahre. 1988 hatten die Hamms geheiratet. Auch Sue Ann arbeitete über Jahre bei Continental Resources. Die Scheidung reichte sie 2012 ein. Während der Ehejahre stieg der Wert des Konzerns um das 400-fache.

Steigender Ölpreis hat Schuld

Und genau darin lag der Knackpunkt für das Gericht. Es musste entscheiden, inwiefern Harold Hamm für die Wertsteigerung verantwortlich war. In Oklahoma müsse das Vermögen bei einer Scheidung gleichmässig aufgeteilt werden, wenn es sich durch die Anstrengungen eines Ehepartners vergrössert habe, schreibt der «Spiegel».

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Die Verteidigung von Hamm wollte dem Gericht klar machen, dass etwa der steigende Ölpreis, neue Technologien oder die Bemühungen anderer Manager für die Wertsteigerung verantwortlich waren. Die Anwälte von Sue Ann konterten, dass sich der Konzern ohne das Zutun des Ölmagnaten nicht so erfolgreich entwickelt hätte. Letztlich befand das Gericht gemäss «Spiegel», dass Hamm zwar das Unternehmen entscheidend nach vorn gebracht habe. Doch das liesse sich nicht genau in Dollar beziffern.

Oligarch schlägt die Hamms

Die Scheidung der Hamms ist zwar teuer. Dennoch ist die Zahlungsverpflichtung nicht die höchste, die je ein Gericht entschieden hatte. Mit Dmitrij Rybolowlew können die Hamms nämlich nicht mithalten. Der russische Oligarch musste erst vor wenigen Monaten seiner Ex-Frau Elena mehr als vier Milliarden Schweizer Franken zahlen.

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Erfahren Sie in der oben stehenden Bildergalerie mehr über die teuersten Scheidungen aller Zeiten.