Eine kurvenreiche Strasse führt auf den Monte Garbi, den nur wenige Kilometer nordöstlich von Verona, zwischen den Tälern von Illasi und Mezzane gelegenen Hügelzug. Hier, inmitten von ausgedehnten Rebpflanzungen, liegen die neuen Gebäude der Tenuta Sant’ Antonio. Das stattliche Gut gehört den vier Brüdern Castagnedi.

Der Vater war erst skeptisch

1989 beschlossen sie, 30 ha Rebland auf dem Gebiet der Gemeinde Mezzane zu erwerben und damit den familieneigenen Besitz auf insgesamt 50 ha zu erweitern. Wäre es damals nach Vater Antonio Castagnedi gegangen, gäbe es die Tenuta Sant’ Antonio freilich nicht. Denn dieser war einer der Gründer der Weinbaugenossenschaft in Colognola ai Colli gewesen, an die er bis dahin die Trauben seiner Weinberge lieferte. «Für ihn machte es keinen Sinn, selber Wein zu keltern, abzufüllen und in eigener Regie zu verkaufen», erinnert sich Armando Castagnedi. «Doch wir waren nicht nur jung und voller Enthusiasmus, sondern auch entschlossen, gemeinsam etwas aufzubauen.»

Es bedurfte allerdings beträchtlicher Überzeugungsarbeit, bis Vater Antonio seine Skepsis überwand und seine vier Söhne gewähren liess. «Doch inzwischen ist er stolz auf uns», resümiert Armando Castagnedi lachend.

Für Armando, Tiziano, Massimo und Paolo Castagnedi war klar, dass ihr Vorhaben nur Erfolg haben konnte, wenn sie von Anfang an qualitativ hochwertige Weine erzeugten. Deshalb wurden in den neu angelegten Weinbergen die traditionellen Veroneser Pergeln durch moderne Rebziehungssysteme ersetzt. Und um den Ertrag pro Rebstock gering halten zu können, erhöhte man die Stockdichte auf 7000 bis 8000 Rebpflanzen pro ha.

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1995 kelterten Armando, Tiziano, Massimo und Paolo Castagnedi den ersten Jahrgang in ihrer im Ortsteil San Zeno von Colognola ai Colli gelegenen Kellerei. Doch es zeigte sich bald, dass die Kellerräumlichkeiten nicht den Erfordernissen der Zukunft genügen würden. Deshalb beschlossen die vier Brüder, ihre Tenuta in einen geräumigeren Neubau zu verlegen. 2001 bezogen sie die neuen Kellerlokalitäten auf dem Monte Garbi. «Hier haben wir genügend Platz», erläutert Armando Castagnedi, «um unseren Weinen die nötige Reifezeit zu gewähren. Denn erst ein Jahr nach der Flaschenabfüllung beginnen sie, ihren Charakter zu zeigen und zu uns zu sprechen.»

Soave und Valpolicella

Die Weinberge der Tenuta Sant’ Antonio liegen in den Anbaugebieten Soave und Valpolicella, den beiden klassischen Weinbauzonen der Provinz Verona. Während auf den Parzellen im Illasi-Tal hauptsächlich die beiden weissen Sorten Garganega und Trebbiano di Soave kultiviert werden, gedeihen auf den trockenen, kalkhaltigen Böden des zu Mezzane gehörenden Monte Garbi (garbo bedeutet im lokalen Dialekt mager, arm) die roten Valpolicella-Sorten Corvinone, Corvina, Rondinella sowie – in geringerem Masse – Croatina und Oseleta. Vervollständigt wird der Sortenspiegel durch kleine Anteile der beiden internationalen Varietäten Chardonnay und Cabernet Sauvignon. Auf der Tenuta Sant’ Antonio werden zwei Soave-Varianten erzeugt: Der frisch-fruchtige «Fontana», eine Assemblage aus 90% Garganega und je 5% Trebbiano di Soave und Chardonnay, sowie der reinsortige, nuancenreiche Lagen-Garganega «Monte Ceriani».

Komplizierter wird es bei den Valpolicella-Weinen, die es in diversen Stilen gibt. Es gehört zu den Herausforderungen jedes ambitionierten Winzers, den verschiedenen Valpolicella-Spielformen die Referenz zu erweisen. Dies tun auch mit nicht weniger als sechs verschiedenen Weinen die Gebrüder Castagnedi. Nach dem «einfachen», im Stahltank ausgebauten, fruchtig-saftigen Valpolicella zeigen der im traditionellen Ripassoverfahren gekelterte «Monte Garbi» und der aus teilweise leicht angetrockneten Trauben gewonnene «La Bandina» Stoffigkeit und Nuancenreichtum. «Der ‹Monte Garbi› ist zurzeit wohl der Wein, der die Philosophie unseres Guts am besten repräsentiert», kommentiert Armando Castagnedi. «Er ist ein gut strukturierter, leicht zu trinkender und zugleich vielseitig einsetzbarer Essensbegleiter.» Die beiden Amarone, der geschmeidige «Selezione Antonio Castagnedi» und der komplexe Lagencru «Campo dei Gigli», vervollständigen das Angebot der trocken ausgebauten Valpolicella-Gewächse.

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Erfolg gibt dem Quartett Recht

Rund 20 Jahre sind inzwischen verstrichen, seit die vier Castagnedi-Brüder beschlossen, ihre eigenen Weine zu erzeugen. Längst sind die anfänglichen Zweifel von Vater Antonio, dessen Namenspatron die Söhne aus Dankbarkeit zum Schutzheiligen ihrer Tenuta gemacht haben, verflogen. Denn was Armando, Tiziano, Massimo und Paolo Castagnedi erreicht haben, ist eine Erfolgsgeschichte par excellence: Die Weine der Tenuta Sant’ Antonio gehören zu den Vorzeigeweinen der Region, und die jährlich rund 350000 abgefüllten Flaschen werden in nicht weniger als 30 Ländern verkauft. Zahlen und Fakten, die Vater Antonio einst für blosse Angeberei gehalten hätte.