Ende November diskutierten die Technologieanalysten von Goldman Sachs und die von ihnen eingeladenen CIOs (Informatikchefs) von vier grossen Unternehmen aus den Branchen Healthcare, Öffentliche Verwaltung, Medien und Technologie im Rahmen einer Telefonkonferenz für Investoren und ausgewählte Medien die Ausgabenpläne für 2009.

Dabei zeigten sich die folgenden Tendenzen



Hardware

- Bei Hardware dürften die Budgets bei Computerspeichersystemen weniger stark gekürzt werden als in anderen Hardware-Bereichen. Ursachen ist der weitere rapide Zuwachs der Datenbestände und der daraus entstehende Druck, Speichersysteme hinzuzukaufen. Die vertreteten CIOs sagten, ihr Budget für Speichersysteme dürfte 2009 im Vergleich zu 2008 etwa gleich gross bleiben.

- Das PC-Geschäft im Firmenumfeld dürfte unter Druck bleiben. Davon dürfte Dell am stärksten betroffen sein, wie dieser Lieferant den grössten Umsatzanteil mit Firmenkunden aufweist. Und Dell macht auch rund 50% des Umsatzes mit US-Kunden. Die CIOs sparen, indem sie die Lebenszyklen der Hardware auf vier Jahre ausdehnen.

- Ausgehend von einer kleinen installierten Basis, dürfte das iPhone von Apple im Firmenkundensegment weiter zulegen. IT-Abteilungen unterstützen heute bereits das iPhone für den Firmengebrauch und rechnen damit, dass immer mehr Angestellte ihre teilweise auch privat erworbenen Geräte mit den Firmennetzen verbinden werden. Die Software von Apple ist dabei der grösste Vorteil im Vergleich zu anderen Smartphone-Lieferanten.



Software

- Speichersoftware, Security-Software und Compliance dürften 2009 die Bereiche sein, wo sich die Ausgaben am ehesten halten werden. Bei Security sind die Themen Identity- und Access-Management wichtig. Damit wird sicher gestellt, dass nur berechtigte Personen Zugriff auf bestimmte Daten und Netzwerke haben. Hinzu kommt noch das grosse Einsparpotenzial, das ein CIO durch die Einführung der low-end-Videokonferenzsysteme Live und Communication Server von Microsoft bietet. Auch Microsoft SharePoint dürfte gute Verkaufszahlen sehen. Und Desktop-Virtualisierung sowie Server-Virtualisierung wurden als weitere Wachstumsbereiche genannt.

- Relativ robust dürften auch die Office 2007 und Vista-Ausgaben sein. Wenn gespart wird, dann bei Einführungskursen.

- «Nice to have»-Tools auf Netzwerkmanagement-Ebene  oder in anderen Bereichen, wo die Vorteile nicht unmittelbar sicht- und für die Anwender fühlbar sind, gelten als Einsparbereiche.

- Konsolidierung der Anbieter wird jetzt wieder genannt. Dieses Schlagwort tauchte bereits zwischen 2000 und 2002 immer wieder auf. Jetzt erwähnen die CIOs diese Lieferanten-Konsolidierung in Zusammenhang mit der Standardisierung auf die Business Intelligence-Plattformen von SAP, Cognos/IBM oder Hyperion/Oracle. Allerdings gab es hier auch Widerspruch. Zwei CIOs sagten, es mache viel Sinn, auch Nischenanwender zu berücksichtigen, wenn es darum geht, wichtige neue Features zu haben.

- Kontrolliert werden sollen jetzt auch die Maintenance-Kosten. Allerdings liegt hier der Schwerpunkt nicht bei Einsparungen, sondern bei der Kontrolle hinsichtlich überzähliger Lizenzen. 



Netzwerke

- Hier dürften die Ausgaben stabil bleiben und teilweise sogar leicht anziehen. Die vier CIOs berichteten von gleich hohen Budgets für Router und Switches sowie von höheren Ausgabenplänen für Telepresence-Lösungen, wie sie Cisco und Hewlett-Packard (HP) im oberen Segment anbieten. Hinzu kommt eine grössere Nachfrage nach Bandbreite, die Migration auf Ipv6 und der Druck, die interne Produktivtität zu steigern.

- Die Netzwerkkäufe fliessen vor allem in die Taschen der etablierten Lieferanten und werden weniger für neue Technologien kleinerer und/oder jüngerer Anbieter ausgegeben. Die CIOs gehen davon aus, dass sie bei grösseren Anschaffungen beim gleichen Anbieter auch bessere Konditionen erhalten. Hinzu kommen Einsparungen, weil sie keine Spezialisten für die neu eingekauften, aber fremden Technologien ausbilden müssen. Cisco wurde übereinstimmend als das Unternehmen bezeichnet, das davon profitieren dürfte.

- Der Blackberry wird trotz der Krise und dem iPhone nicht zu verdrängen sein. Der US-Regierungsbereich ist eine Hochburg der Blackberries und hier sind keine Kürzungen zu erwarten – im Gegenteil. Parallel wächst der Gebrauch des iPhone. Ein CEO erwähnte explizit, dass der Ausbau Richtung iPhone auf das Konto des Treo (von Palm) geht.



IT-Services

- Die Ausgaben werden insbesonders bei Einmalarbeiten und Projekten unter Druck bleiben. Die vier CIOs sagten, dieser Druck dürfte sich über mindestens vier Quartale erstrecken. Dabei hilft die bereits spürbar dünner gewordene Auftragsvorratdecke der Outsourcer und Offshorer zwar in den nächsten Monaten, den Abschwung zu bremsen, aufhalten lassen dürfte der sich indes nicht. Auch bei ERP-Upgrades oder dem Einau zusätzlicher Softwaremodule wird weniger Geld zu holen sein.

- Aufgrund der allgemeinen Verunsicherung ist nicht zu erwarten, dass die Projekte, die in den letzten Wochen und Monaten abgesagt worden waren, 2009 nachgeholt würden. Etliche Projekte könnten für immer aufs Eis gelegt werden, wenn sich der Abschwung akzentuiert.  «Wenn einmal ein Projekt gestorben ist, beerdigen wir es gleich» fasste ein CIO seine Strategie zusammen. Vor allem die indischen IT-Service-Spezialisten dürften das spüren.

- IT-Service-Firmen dürften sich unterschiedlich gut halten und auch hier gilt, dass die grossen besser als die kleinen abschneiden werden. Das könnte Firmen wie IBM oder Accenture zugute kommen, die mit ihren Kunden zudem noch durch jahrelange Serviceverträge verbunden sind.