Die Erfolgsgeschichte der Exchange Traded Funds (ETF) wird auch in turbulenten Börsenzeiten weitergeschrieben. Dabei mussten diese jungen Indexprodukte in der Schweiz lange um ihre Anerkennung kämpfen. Internationale Anbieter wie Barclays Global Investors oder Société Générale mit der Tochter Lyxor sorgten bei dieser passiven Anlagestrategie um die Jahrhundertwende für die ersten Impulse. Die Grossbanken und andere einheimische Geldinstitute zogen nach. Heute werden an der Schweizer Börse SWX bereits über 120 Produkte gehandelt, und der Wachstumstrend ist auch nach acht Jahren seit der Einführung ungebrochen. «In den nächsten Monaten werden zwei Dutzend neue Vehikel aufgelegt», sagte der SWX-Verantwortliche Alain Picard kürzlich an der Private Investment Portfolio Conference in Zürich.

Das Angebotsspektrum hat sich in der jüngsten Vergangenheit stark diversifiziert. Bis 2004 wurden vor allem die grossen Basisindices nachgebildet. Sie bilden das Rückgrat des ETF-Segments. Die Anleger wissen damit exakt, was sie sich ins Depot holen. Investiert jemand in ein Produkt, das den Swiss Market Index (SMI) abbildet, so kauft er anteilsmässig sämtliche im Index enthaltenen Titel. Im Fall des SMI sind das rund zwei Dutzend Aktien. Bei einem breiter gestreuten Index wie dem MSCI Europe gehören bereits knapp 700 Titel dazu, und beim globalen Dow Jones World Index sind es gegen 5000 Gesellschaften.

Satelliten-Indices

Diese Anlagephilosophie steht im Gegensatz zu den aktiv gemanagten Fonds, wo der Manager die Auswahl der einzelnen Aktien individuell vornimmt. Neu dazugekommen sind die Satelliten-Indices, wie etwa Strategie-Vehikel, die eine geringere Volatilität aufweisen. Roger Bootz, ETF-Spezialist der Société Générale, erwartet zudem weitere Entwicklungen bei den Themen-Indices, wie sie für Wasser oder Energie bereits existieren. Die neu gelisteten Indexfonds decken mittlerweile ein breites Spektrum innerhalb der Emerging Markets ab. Solche Exchange Traded Funds werden von Investoren bevorzugt, die sich in Schwellenländern wie etwa Indien, Russland oder China nicht in Einzeltiteln engagieren möchten, die oft starke Kursschwankungen aufweisen. Die ETF werden von den Anbietern vorab auf die institutionellen Anleger ausgerichtet, die ihnen das notwendige Volumen garantieren. Profitieren können davon auch die Privatanleger, sofern sie genau verstehen, was sich hinter einem einzelnen Index verbirgt. Vor allem gilt es bei der Auswahl von verschiedenen Indexprodukten, darauf zu achten, dass sich keine Klumpenrisiken in einer geografischen Region oder einer bestimmten Branche ergeben.

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Insgesamt dienen die Indexinstrumente zur Diversifikation eines Portfolios. Gemäss einer Umfrage von iShares, der ETF-Sparte von Barclays Global Investors, verwenden über die Hälfte der Anleger die Exchange Traded Funds im Rahmen der Asset Allocation. Die Exchange Traded Funds kommen in einem guten Drittel auch beim Portfolioaufbau zum Einsatz, wenn der Fondsmanager keine Kenntnisse oder operationelle Fähigkeiten in bestimmten Anlagebereichen besitzt. In einem Viertel der Fälle werden die ETF schliesslich zur Umsetzung einer Core-Satellite-Strategie genutzt. Die preisgünstigen Indexfonds decken dabei das Core-Segment ab, während die Einzelin- vestitionen (Satelli- te) über gemanagte Fonds erfolgen. «Die Anleger kennen sich mit der komplexen, unterschiedlichen Verwendbarkeit von Exchange Traded Funds als Investmentform immer besser aus», kommentierte Gabriela Utz Jakobsen von iShares Switzerland die Studienergebnisse.

Keine Retrozessionen

Die Vermögensverwalter bleiben gegenüber den ETF allerdings zurückhaltend. Das hängt auch damit zusammen, dass bei den Indexprodukten praktisch keine Retrozessionen bezahlt werden. Für Roger Bootz ist dies ein Grund, weshalb diese Produkte «im Private Banking weniger attraktiv sind». Bei den niedrigen Gebühren lassen sich solche Kick-Backs auch kaum rechtfertigen. Während die Verwaltungsgebühr bei einem aktiv gemanagten Aktienfonds bei rund 1,5% des investierten Betrags liegt, starten die Gebühren für einen ETF auf einen europäischen Blue-Chip-Aktienindex bei 0,15% und erreichen bei exotischen Vehikeln maximal 0,8%. Alain Picard ist überzeugt davon, dass der Druck von Kundenseite auf die Vermögensverwalter zum Kauf von ETF zunehmen wird. Er kündigte auch an, die Schweizer Börse SWX werde kundenfreundlichere Internetseiten für diese Produktesparte aufbauen.

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