Drive for show, putt for dough», das ist eines der vielen geflügelten Worte im Golf. Frei übersetzt heisst dies, dass die Abschläge – mit dem Driver – die Show ausmachen, mit den Putts auf dem Green aber Geld verdient wird. Jede mittelprächtige Golferin, jeder Golfer mit einem einigermassen akzeptablen Handicap weiss – wenn er ehrlich zu sich selbst ist –, dass er beim Kurzspiel und beim Putten am meisten Schläge vergibt oder umgekehrt am meisten Schläge «sparen» könnte.

Doch was macht man? Man geht in den Golfshop und kauft einen neuen Driver. Das Machogefühl, den Ball vom Tee noch ein bisschen länger schlagen zu können und die Gegner mit ein paar Metern Länge mehr zu beeindrucken, wird von den Marketingabteilungen der grossen Hersteller entsprechend gepflegt. Das Gehabe hat erstaunlicherweise mittlerweile auch viele Golf spielende Frauen erfasst.

Die Überraschung aus Orlando

An der mit über 1200 Ausstellern grössten Golfmesse der Welt in Orlando (USA) zu Beginn des Jahres kam es zur Premiere. Callaway präsentierte ihr neues I-Mix-System.

TalylorMade zog mit dem r7 CGB MAX Limited gleich; und die in der Schweiz noch wenig bekannte Marke Nickent wartete mit dem Modell Evolver auf. Alle drei Marken präsentierten einen Driver als eine Art Bausatz. Verschiedene Köpfe und Schäfte zum selber Zusammenstellen. So etwa nach dem Motto: Wir basteln uns einen Driver. Nun, ganz so hobbymässig ist das Ganze nicht zu verstehen. Es gibt da einen ernsthaften Hintergrund und auch ernsthafte Überlegungen, wem so ein «Ding» nützen könnte.

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Die Golf-Regelpäpste von R&A und vom amerikanischen Golfverband USGA haben im letzten November bekannt gegeben, dass ab 2008 sogenannte «Adjustable Clubs» erlaubt sind. Das war der offizielle Startschuss dazu. Und die drei genannten Marken haben am schnellsten gehandelt. Das Prinzip ist einfach: Der Schläger wird den Gegebenheiten angepasst. Wetter, Luftfeuchtigkeit, Bodenbeschaffenheit, die eigene Form, der an einem bestimmten Tag nicht optimal funktionierende Schwung und vieles mehr können mit berücksichtigt werden. Mittels eines Spezialschlüssels kann der Golfer oder die Golferin selbst einen Kopf- und/oder Schaftwechsel vornehmen.

Die Anzahl der Varianten, die zusammengestellt werden können, ist unterschiedlich. Je nach Auskunft können bei TaylorMade und Callaway theoretisch über 1000 verschiedene Varianten selbst zusammengebaut werden. Hoffentlich erwischt man dann nicht die falsche Kombination!

Wer kann davon profitieren?

Für viele – und nicht nur Golf-Puristen – bestehen Zweifel, dass der normale Golfer von dieser Neuerung profitieren kann. Selbst relativ gute Amateurgolfer werden die sich bietenden Möglichkeiten kaum optimal nutzen können. Ein Selbsttest mit dem Launchmonitor und der entsprechenden Computerauswertung hat für den Autor dieses Artikels ernüchternde – aber aus seiner Sicht bestätigende – Ergebnisse gebracht.

Fünf verschiedene Driver mit ganz unterschiedlichen Schäften, vom Damenschaft bis zum Regularschaft in verschiedenen Gewichtsstufen und mit unterschiedlichen Lofts, brachten einen Längenunterschied von knapp 7 m zwischen dem kürzesten und dem längsten durchschnittlichen Drive pro Schlägertyp.

Profitieren können also nur absolute Materialfreaks und -kenner sowie Top-Golferinnen und -golfer, die ihren Schwung vollständig beherrschen. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass diese Bausatz-Driver nur in einer ganz kleinen Menge und in ganz wenigen ausgewählten Golfshops in der Schweiz ins Angebot kommen werden, dies allerdings schon in diesem Frühjahr und Sommer.