Eigentlich könnte man es ebenso gut «Verpackungskonzept für temperaturgefährdete Transporte» nennen. Denn letztlich geht es um pharmazeutische Produkte, die vom Ort der Herstellung bis zu ihrer Destination Gefahr laufen, durch äussere Einflüsse – seien sie vorhersehbar oder nicht – in ihrer Qualität beeinträchtigt oder gar wertlos werden.

Die Nachfrage nach ausgeklügelten Behältnissen, in denen hochsensible Produkte transportiert werden, steigt rasant. Dafür gibt es im Wesentlichen drei Gründe: Zum einen werden im Zug der Globalisierung die «Reisewege» der Produkte immer länger, schliesslich lässt sich auch im Zeitalter des Outsourcing nicht alles vor Ort herstellen. Zum anderen ist die Zusammensetzung der zu versendenden Ware immer anspruchsvoller, denken wir nur an das weite Feld der biotechnologisch-hergestellten Medikamente.

Und schliesslich gibt es erstaunlich viele Unternehmen, die sich für ihre spezifischen Transportbedürfnisse lieber auf Eigenentwicklungen verlassen. Sie entstehen in enger Zusammenarbeit mit Know-how-Trägern im Unternehmen – etwa mit Verpackungs- und Logistikfachleuten oder solchen für heikle Ladungen.

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Neue Wege beschritten

Mattie Coolen von der Packaging-Development-Abteilung bei Roche befasst sich intensiv mit der Frage, wie temperaturgeführte Transporte optimal durchgeführt und gegen vorhersehbare oder unbeinflussbare Unbilden geschützt werden können. Das Resultat einer jahrlangen Entwicklungssarbeit und Erfahrung präsentierte er kürzlich an einem Pharma-Roundtable des Verpackungsinstitutes SVI.

Die verschiedenen Schritte, welche schliesslich zur Entwicklung eines völlig neuartigen Transportsystems für Kühlketten führten, umfassten sechs Stufen. Sie wurden mit wissenschaftlicher Akribie durchgezogen und das Resultat in umfangreichen Feldversuchen einer Prüfung unterzogen.

Zunächst wurden die Anforderungen für die Beförderungen von temperaturempfindlichen Medikamenten klar definiert. Sie umfassen alle Aspekte, welche für einen erfolgreichen Transport wichtig sind, nämlich die vier Temperaturbedingungen «cool» (minus 8 bis 15 Grad plus), «cold» (plus 2 bis plus 8 Grad, «frozen» (mindestens minus 20 Grad) und schliesslich «deep frozen» (mindestens minus 70 Grad).

Einbezogen wurden auch die Transportroute, Transportzeit und die Transportmittel (Lastwagen, Flugzeug). In so genannten Stabilitätsstudien wurden zudem erlaubte Temperaturabweichungen und deren Folgen auf gefrierempfindliche und nicht gefrierempfindliche Produkte getestet und die verschiedenen Temperaturen auf den Transportrouten in Etappen festgelegt. Als Beispiel sei hier ein Gut erwähnt, das mit einem Lastwagen zum Flughafen geführt, dort verladen wird, als Luftfracht unterwegs ist, in ein Zwischenlager kommt, und im Lastwagen schliesslich beim Kunden landet.

Coolen legte dar, dass selbst bei bester Vorbereitung und Beachtung all der Anforderungen für die eben dargelegte Beförderung unterwegs viele Risiken lauern. So muss man mit Umgebungstemperaturen rechnen, welche niedriger oder höher sind als erwartet. Oder: Der Transport könnte länger dauern als angenommen, weil ein Streik oder ein Unfall die Fahrt verzögern. Für Temperaturabweichungen werden ganz klare Grenzen gesetzt.

Unmittelbarer Einfluss

Genauso wichtig wie exakte Kenntnisse über spezielle Temperaturbedingungen während den einzelnen Phasen des Transportes sind jene über die optimale Art der Behältnisse, in denen ein Gut unterwegs ist. Ist deren Volumen nicht sehr gross, hat das einen unmittelbaren Einfluss auf die thermische Masse. Darunter wird das Gewicht der Beladung verstanden und inwieweit diese Masse Kälteenergie speichern kann. Je höher die thermische Masse, desto länger bleibt die Beladung von sich aus kühl. Wenn die thermische Masse gering ist, muss die Beladung von aussen stärker gekühlt oder im Winter möglicherweise geheizt werden.

Am Beispiel der von Roche entwickelten sogenannten aktiven Kühlketten-Transportsysteme demonstrierte Coolen, welche Anforderungen an Kühlcontainer wie etwa «Envirotainer» gestellt werden, damit ein Medikament unbeschadet zu den weltweiten Roche-Filialen transportiert werden kann. Als Kühlmedium wurde Trockeneis (Co2 – minus 78,5 Grad Celsius) gewählt. Die Stromversorgung für die Lüftung erfolgt mit Batterien. Die maximale Leistungsdauer beträgt 72 Stunden und die Temperaturanzeige kann auf einem Display abgelesen werden.

Eine weitere Transportmöglichkeit für temperatursensible Produkte hat das Verpackungs- und Logistikteam von Roche für sogenannte passive Kühlkettensysteme kreiert: Auch ihr Einsatzspektrum ist genau definiert. Sie eignen sich für Beförderungen von Gütern, die bei Temperaturen von minus 4 bis plus 25 Grad Celsius während zweieinhalb Tagen unterwegs sind. Gekühlt wird mit wasserbasierten Eispacks. Solche Systeme gibt es auch für grössere Nutzvolumen, bei denen die Ansprüche an die Temperatur etwas weniger hoch und die dafür bis zu sechs Tage unterwegs sind.

Am Schluss der Präsentation stellt sich die Frage, ob die «Rezepte» für diese Erfindungen von Roche gehortet werden oder ob es möglich ist, sie auch anderen Unternehmen zugänglich zu machen. Gemäss Mattie Coolen stehen diese Systeme allen interessierten Firmen zur Verfügung – allerdings nicht kostenlos.