Andreas Meyer, seit 2007 SBB-Chef, bricht Tabus: Er benennt öffentlich die Probleme bei den Bundesbahnen und will Kos-tentransparenz schaffen. Das kommt nicht überall gut an.

Für Beobachter ist es kein Zufall, dass ausgerechnet in den vergangenen Monaten zahlreiche Negativschlagzeilen über Meyer die Runde machten. «Die Linke und die Gewerkschaften schiessen gegen ihn», bestätigt eine gut informierte Quelle, die anonym bleiben will. Und auch bei der Economiesuisse ist man überzeugt: «Der Manager Andreas Meyer dürfte den politischen Kreisen zunehmend unangenehm werden, weil er die SBB unternehmerisch führt.» Viel zu lange, so der Wirtschaftsdachverband, seien die SBB Spielball der Verkehrspolitik gewesen «und haben Wunschlisten recht unkritisch entgegengenommen».

Tatsächlich hat die alte SBB-Führung unter SP-Mitglied Benedikt Weibel politisch immer alles möglich gemacht: Erst wurden Begehrlichkeiten geschaffen und dann erfüllt. Die Frage, wie das Ganze finanziert werden sollte, war stets zweitrangig. Dieses Muster zeigt sich auch jetzt, wenn die nächste Milliardeninvestition, die Bahn 2030, ansteht. Konkrete Vorschläge zur Finanzierung fehlen. Verkehrsminister Moritz Leuenberger, auch er Sozialdemokrat, erklärt, man prüfe eine Mehrwertsteuererhöhung.

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Doch auch in der Gegenwart fehlen den SBB die Mittel: Für die Sanierung der Pensionskasse, die Ende 2009 einen Fehlbetrag von 2,9 Mrd Fr. auswies, aber auch für den Unterhalt der Infrastruktur.