Die Elfenbeinküste, Ghana und Kamerun zählen zu den wichtigsten Rohstofflieferanten des Kakaoverarbeiters Barry Callebaut. Hier protestierten in den vergangenen Wochen Menschen gegen die steigenden Lebensmittelpreise. Besonders betroffen seien Menschen ohne geregelte Arbeit in den Städten, erklärt Firmensprecherin Josiane Kremer, doch auch für die rund 700 vergleichsweise gut bezahlten Angestellten in den Verarbeitungsbetrieben des Konzerns würden die inflationären Nahrungsmittelkosten zum Problem. In Ghana zum Beispiel betrug die Inflationsrate im Februar über 13%. Zur Erhaltung der Kaufkraft erhöhte Barry Callebaut die Löhne ihrer Fabrikarbeiter in Ghana.

Die aktuelle Ernährungskrise ist für Barry Callebaut kein Grund für Rückzugsüberlegungen. Das Unternehmen hat im Gegenteil seine Investitionen verstärkt. So werden in der Elfenbeinküste die Kapazitäten in der Kakaoverarbeitung weiter ausgebaut.

Der Konzern verlässt sich beim Umgang mit schwierigen Situationen auf seine langjährigen Erfahrungen in Westafrika. «Diese Region ist krisenanfällig, aber wir haben gelernt, mit den besonderen Risiken umzugehen», so Kremer.

Tägliches Mittagessen

Seit je schon offeriert Barry Callebaut seinen westafrikanischen Mitarbeitenden täglich ein Mittagessen. «Als Arbeitgeber in diesen Ländern hat man eine besondere Verantwortung», betont Kremer weiter. Das Unternehmen hat, weil die medizinische Versorgung allgemein schlecht ist, in allen Werken eigene Ärzte für die Angestellten und deren Familien.

Global Players wie Nestlé und ABB sind mehr oder weniger in sämtlichen von der Hungerkrise tangierten Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika aktiv. «Wir haben fast überall Tochtergesellschaften oder Vertretungen, die regional hergestellte Produkte an die dortige Bevölkerung verteilen», so Nestlé-Sprecherin Nina Backes. Allerdings werde man von der Krise nur am Rande tangiert. Jedenfalls werde Nestlé weiterhin in den betroffenen Ländern produzieren und handeln, sagt Backes weiter.

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Eine ähnliche Strategie gilt auch bei der ABB. «Natürlich spüren unsere Mitarbeitenden sehr direkt die steigenden Nahrungsmittelpreise», sagt Firmensprecher Wolfram Eberhardt. Die Situation in den betroffenen Ländern könne aber für ABB nur Ansporn sein, dort in Zukunft noch aktiver zu werden. «Denn neben der Frage nach bezahlbaren Lebensmitteln hat in diesen Ländern auch der Zugang zur Elektrizität eine grosse Bedeutung», so Eberhardt. Daraus ergäben sich für ABB während der nächsten Jahrzehnte gerade in diesen Regionen wichtige Infrastrukturprojekte. Damit würden qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze geschaffen. Das sei zwar kein spezielles Wirtschaftsszenario angesichts der prekären Ernährungssituation, räumt Eberhardt ein, aber die ABB sieht darin ein wirksames Mittel, die fatalen Auswirkungen steigender Nahrungsmittelpreise für viele zu lindern.

Lebensmittel aus Krisengebieten

Heikel ist die Situation für die Grossverteiler Migros und Coop. «Wir sind in diesen Ländern, in denen die Menschen protestiert haben, vornehmlich als Einkäufer von Waren tätig», erklärt Coop-Sprecher Karl Weisskopf. Die Palette reicht von Reis über Kakao bis zu Fischen aus Thailand und den Philippinen. Auch die Migros bezieht Reis aus Thailand, Mangos aus Burkina Faso, Bohnen aus Ägypten und Baumwolle aus Mali. «Damit unterstützen wir wichtige Projekte, die den Menschen in diesen Ländern eine Lebensgrundlage ermöglichen», betont Migros-Sprecherin Monika Weibel.

Auch wenn im Moment die meisten Lieferungen noch normal laufen, so wappnen sich die Grossverteiler für den Fall, dass über gewisse Produkte Exportstopps verhängen werden sollten. «Wir sehen uns verstärkt nach alternativen Beschaffungsmöglichkeiten um», verrät Weibel. «Es gab auch vereinzelt kritische Stimmen, die sich daran störten, dass wir aus Ägypten Bohnen beziehen.» Dieser Kritik hält Weibel entgegen, dass es gerade jetzt wichtig sei, Verträge einzuhalten und die langfristigen Lieferanten nicht im Stich zu lassen.