Die Wirtschaftskrise macht sich im Schweizer IT-Sektor bemerkbar. Doch nicht überall gleich stark. «Dass die wirtschaftliche Situation in der Schweiz und auf der ganzen Welt mehr als nur angespannt ist, ist unübersehbar», sagt Thomas Flatt, CEO bei Abraxas Informatik. «Umso mehr freut es mich, dass Abraxas im Jahr 2008 das mit Abstand beste Ergebnis seit Bestehen erreicht hat.»

Seine Firma stellt nach wie vor Mitarbeiter ein. «Trotzdem merken auch wir wie unsere Kunden - mehrheitlich staatliche und staatsnahe Betriebe - den Budgetdruck. Als Spätzykliker werden wir die negativen Effekte der Krise vermutlich erst Mitte 2009 und verstärkt 2010 spüren.»

Andere melden schon jetzt Bremsspuren. «Im Consulting-Geschäft spüren wir die Auswirkungen der Krise auf unsere Kunden», sagt Dieter Steiger, CEO von Beo. Es würden deutlich weniger neue Projekte gestartet. «Allerdings bekommen bewilligte Projekte, die erlauben, Geld einzusparen, mehr Bedeutung und werden zum Teil sogar ausgeweitet. Solche Projekte werden zum Teil auch vorgezogen und beschleunigt.»

Licht und Schatten

«Nachdem wir das letzte Jahr leicht über Budget abgeschnitten haben, liegen wir im 1. Quartal genau im Fahrplan», sagt auch Stephan Schneider, Managing Director Vcare Info-systems. «Bei der Nutzung unserer Teamworklösung für die firmenübergreifende Zusammenarbeit durch neue Anwender ist von Krise kaum etwas zu merken», meint zudem Collanos-CEO Peter Helfenstein. «Wir haben aufgrund der Krise etwas verlängerte Verkaufszyklen, aber wir sind zuversichtlich, was den Abschluss des 1. Quartals angeht. Auf das Gesamtjahr blicke ich ebenso mit Optimismus», sagt Urs Neeracher, Managing Direktor für die Schweiz bei IDS Scheer. Andere Anbieter spüren die Auswirkungen der Sparpläne bei Banken. «Finanzdienstleister sind eher zurückhaltend mit der Implementation neuer Lösungen», sagt beispielsweise Peter Waser, General Manager Microsoft, «dies obwohl sich gerade in schwierigen Zeiten die richtigen Investitionen langfristig auszahlen.» Vor allem im öffentlichen Sektor nimmt die Nachfrage nach neuen Lösungen zu.

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«Der Bankensektor, eine unserer wichtigen Branchen, zeigt sich sehr verhalten», meint auch Hansjörg Süess, Geschäftsführer von Adesso.

«Mehr aus den Daten machen» lautet oft der Rat an Firmen. Einige Anbieter profitieren davon. «Wir spüren gera- de in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten wie diesen eine deutlich verstärkte Nachfrage unserer Kunden nach Business-Intelligence-Lösungen», ergänzt Hakan Yüksel, Managing Director von SAP in der Schweiz.

Schutz vor dem Abschwung

«Security-Spezialisten können ihrem CFO weder mit technologischen Themen noch mit der berüchtigten Angstmache beikommen», beschreibt Cyrill Osterwalder, CEO von Phion, die Herausforderung dieser spezialisierten Anbieter. «In diesen Tagen fürchtet der CFO weder Viren noch Hacker - er fürchtet sich vor seinen Kreditverträgen.»

«Die Bedrohungen nehmen in der Krise nicht ab - im Gegenteil», ergänzt Urs Rufer, Leiter Consulting & Projects und Stv. Geschäftsführer von terreActive. «Teilweise haben wir sogar verstärkte Angriffe auf lukrative Ziele wie Finanzinstitute und Industriefirmen festgestellt. Diese Entwicklung hatte zur Folge, dass wir im 1. Quartal eine gute Auslastung und sogar Neukunden verzeichnen konnten.»

«Wenn es aber um den Schutz von Kernwerten von Unternehmen geht, dann will niemand diese leichtfertig auf Spiel setzen», so Frank Schwittay, bei Trend Micro zuständig für Zentraleuropa.

IT-Services: Nervöse Stimmung

Die IT-Dienstleister profitieren in einer abrupten Krise davon, dass ihre Verträge zum Teil jahrelang weiterlaufen. «Der IT-Markt ist von einer stellenweisen Nervosität geprägt: Die Unternehmen überlegen sich genau, was sie brauchen und zu welchen Konditionen sie die Serviceleistungen einkaufen», sagt auch Paul Glutz, CEO des IT-Dienstleisters CSC Switzerland.