Täglich beschlagnahmt der Schweizer Zoll gefälschte Luxusprodukte, von der Billig-Louis-Vuitton-Handtasche über das 2-Dollar-Ralph-Lauren-Polo-Shirt bis hin zur täuschend echt nachgeahmten Rolex-Armbanduhr. In medienwirksamen Aktionen, meist arrangiert mit einer Strassenbauwalze, werden die Fakes dann jeweils zu Schrott zermalmt - und fachgerecht durch Recyclingunternehmen entsorgt. Eine letzte derartige Vernichtungsaktion bildete im Juli 2008 das Aus für 28400 gefälschte Uhren und 4130 schwarz kopierte DVD.

Nur: Die Zollfahndung und deren gute Nase in Ehren - mehr als ein attraktives Fotosujet ist die Vernichtungsaktion kaum. Weltweit werden gemäss Schätzungen der Fédération de lindustrie horlogère Suisse (FH), des schweizerischen Uhren-Dachverbandes, nämlich jährlich bis zu 40 Mio nachgebaute Uhren auf den Markt geworfen, fast ausnahmslos Kopien sämtlicher Schweizer Marken von A wie Audemars-Piguet bis Z wie Zenith. Diese 40 Mio kontrastieren zu den etwa 26 Mio Schweizer Originaluhren, die 2008 in den Export gingen.

Neu sind Abwehrmassnahmen nicht. Das Zentralamt für Edelmetallkontrolle, die Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE), die FH, «Stop Piracy», die Schweizer Plattform gegen Fälschungen und Piraterie, sowie das Eidgenössische Institut für geistiges Eigentum (IGE) stehen koordiniert mit Flyer für Reisende, mit Plakaten an Grenzübergängen und mit weiteren Aufklärungsmassnahmen im Einsatz gegen vermeintliche Schnäppchen.

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In diesen Tagen läuft zusätzlich nun eine eigene Abwehraktion der Uhrenindustrie an. Die FH und die primär vom Richemont-Konzern mit den Marken Cartier, IWC, Piaget, Baume & Mercier, Jaeger-LeCoultre usw. zusammen mit der Fondation de la haute horlogerie, Genf, getragene Aktion «Fake Watches Are for Fake People» setzt auf Aufklärung und Sensibilisierung. In den internationalen Medien sollen regelmässig Anzeigen (siehe Bild rechts) geschaltet werden, insbesondere in den USA, in Hongkong, Japan und in der EU.