Um ganze 12% steigerte der Autozulieferer und Textilmaschinenbauer Rieter seinen Umsatz. Das war 2007. Höchstwerte hat der Konzern auch 2008 erreicht - aber im negativen Sinne. Der letzten Gewinnwarnung vom 8. Dezember 2008 zufolge rechnet Rieter-CEO Hartmut Reuter mit einem Umsatzminus von 20%. Grund: Das internationale Automobilgeschäft ist massiv eingebrochen. Ebenso der Absatz von Textilmaschinen; der Hauptmarkt Asien ist klinisch tot. Wann der Patient zu neuem Leben erwacht, ist unklar.

Ähnlich ergeht es OC Oerlikon. Das Industriekonglomerat, dessen grösste Sparte ebenfalls der Textilmaschinenbau bildet, kämpft mit massivem Umsatzschwund. Obendrein quälen den Konzern eine hohe Schuldenlast sowie die Ungewissheit, wie sich Grossinvestor Viktor Vekselberg verhalten wird. Gerüchteweise soll der russische Industrielle mit finanziellen Engpässen kämpfen, nachdem seine Beteiligungen, die er als Sicherheiten hinterlegt hat, an der Börse massiv an Wert verloren haben.

Investoren mit zweiten Agenden

Mit Investoren, die eine zweite Agenda führen, haben auch Rieter und das Industriekonglomerat Georg Fischer Bekanntschaft gemacht. Beide Konzerne, bedacht auf ein möglichst breit gestreutes (und im Streitfall wenig einflussreiches) Aktionariat, haben seit 2008 Ankerinvestoren an Bord. Bei Rieter stiegen Unternehmer Michael Pieper (6,7%), der Bodenbelaghersteller Forbo (10%), Peter Spuhler (5,2%) und der kanadische Hedge-Fonds Sprucegrove (3%) ein. An Georg Fischer hält Unternehmer Giorgio Behr 6,3%.

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Im Krisenjahr 2009 dürften die Investoren Druck auf die Konzernchefs ausüben, laufen die angeschobenen Restrukturierungen nicht (so schnell) wie erwartet. In allen drei Fällen sind Aufspaltungen denkbar. Im Fall von OC Oerlikon erwartet der Markt, dass die tiefrote Textilmaschinensparte (ehemals Saurer) nach der Akquisition 2006 nun wieder abgestossen wird. Rieter solle das seit jeher wenig profitable Geschäft mit Hitzeschutz- und Akustiklösungen veräussern. Bei Georg Fischer ist manchen Investoren die Maschinenbausparte Agie Charmilles - noch 2005 an der Börse separat kotiert - ein Dorn im Auge. Welcher CEO sein Unternehmen erfolgreich saniert, wird sich zeigen. Am ungünstigsten stehen die Zeichen heute für OC Oerlikon.