Volle Konzentration und Augen auf. Wer sich mit dem Auto der Zivilisation nähert, den mahnen Ge- und Verbote zu Vor- und Einsicht. Kaum ein Meter, der nicht mit einem Signal gesichert ist. Die Reaktionen, welche die lückenlose Beschilderung hierzulande auslöst, kennt grundsätzlich drei Facetten: Dankbarkeit (beim Orientierungslosen), Wut (beim Parksünder) und Freude – bei all jenen, die mitverdienen an der Aufforstung des Schilderwaldes. Das Volumen diesbezüglich ist denn auch nicht gering: Rund 100 Mio Fr. werden in der Schweiz jedes Jahr aufgewendet, um Strassen sicherer zu machen sowie Orte auszuschildern.

Der Primus unter den Signalherstellern trägt den sinnigen Namen Signal. Das Unternehmen mit Sitz in Büren an der Aare deckt laut seines CEO Ernst Moser gut die Hälfte der inländischen Nachfrage ab. «Es gibt in der Schweiz garantiert keinen Menschen, der noch nicht an einem unserer Produkte vorbeigekommen ist», lacht er. Der Mann hat gut lachen, denn wer kann dies schon von sich und seinen Erzeugnissen behaupten? Moser ertappt sich denn auch selber immer mal wieder, wie er seinen Wagen vor einem Schild abstellt, um auf der Rückseite desselben nachzuschauen, ob ebenda auch wirklich wie vermutet das eigene Firmenlogo angebracht ist. Den Vorwurf, mitverantwortlich zu sein für die mancherorts schon fast epidemieartig um sich greifende «Signalitis», weist er sofort zurück. «Schilder werden ja nicht einfach so aufgestellt. Im Zentrum unserer Mission stehen ganz klar Sicherheit und Information.»

Keine Schuld an der «Signalitis»

Das Ansinnen richtet sich nach der helvetischen Signalisationsverordnung, die ihrerseits vom Bund und den Kantonen umgesetzt wird. «Sie stellen rund einen Drittel unseres Kundensegmentes», rechnet Moser vor, «in etwa gleich viele Bestellungen gehen seitens der Städte und Kommunen ein, und der letzte Drittel von Industriebetrieben, dem Gewerbe und Handel sowie von Privaten.» Das Bedürfnis von Firmen und Leuten, Anweisungen und Botschaften klar sichtbar zu kommunizieren, sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Einhergegangen damit sei eine Verkürzung bei den Lieferzeiten. «Lieber gestern als morgen» – das Kredo seitens der Kunden habe auch bei Signal seine Gültigkeit, so Moser: «Wird im Land ein Projekt verwirklicht, so ist es immer die Signalisation, die ganz am Schluss angebracht wird.» Eine Herausforderung, der man sich immer wieder zu stellen habe: Das Wetter. Markierungen können nur bei trockener Witterung auf den Asphalt aufgebracht werden.

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60000 Schilder werden in der Fabrikationshalle in Büren im Jahr hergestellt. Der Exportanteil sei gegenwärtig marginal, solle aber ausgebaut werden. Beispiel: «Mit Systemen zur Verbesserung der Sicherheit in Tunnels sind wir als Schweizer mit der Materie sehr vertraut», bemerkt Moser und zeigt auf eine Montagestrasse, auf der klassische Signalisationselemente mit modernster Elektronik vereint werden. «Gerade in Tunnels müssen die Anweisungen klar ausfallen und absolut zuverlässig erfolgen, auch dann noch, wenn aufgrund von Rauch und Staub schlechte Sichtverhältnisse herrschen oder sogar der Strom ausfällt.»

Verkaufsschlager «Parkverbot»

Rund 200 Schildertypen hat der Branchenprimus im Angebot. 1946 – zur Zeit der Firmengründung in Biel – in Stein gemeisselt, bestehen sie heute mehrheitlich aus Aluminium und Folienmaterial. Die Signale müssen etwas aushalten. Nicht nur Wind und Wetter, sondern auch mal die Attacke eines genervten Verkehrsteilnehmers. «Wir gewähren auf jedes Schild eine Garantie von zehn Jahren – die Lebensdauer beträgt im Schnitt hingegen 20 Jahre», führt Moser aus. Die Erscheinungsform einer jeden Gebots- und Verbotstafel ist im übrigen ganz klar geregelt. Auch bei der Beschriftung der grünen Autobahnwegweiser gibt es Vorschriften: Etwas anderes als «Astra Frutiger» kommt nicht auf die Tafel.

Bleibt eine Frage noch zu klären. Welches Signal läuft bei Signal am besten? Moser muss nicht lange überlegen. Auf Platz vier steht «Generell 50». Auf der Drei «Achtung Fussgänger». Auf der Zwei «Kein Vortritt». Und auf Platz eins? Natürlich das «Parkverbot».