Wann lohnt es sich, auf aktiv verwaltete Fonds zu setzen? In grossen Aktienuniversen wie Europa mit Tausenden von Einzeltiteln und einer effizienten Preisgestaltung tun sich viele aktive Fondsmanager schwer, den Marktdurchschnitt zu übertreffen. Der Hauptgrund liegt darin, dass sie relativ nahe an einem Vergleichsindex operieren. Die Möglichkeiten, Alpha zu erzeugen, sind dadurch begrenzt und die Mehrrendite wird vielfach durch die Gebühren neutralisiert. Investoren wählen in diesem Fall besser einen ETF mit geringen Kosten, der ihnen keine Überraschungen bereitet. Auch für eine kurze Anlagedauer von einigen Wochen oder Monaten eignen sich diese Produkte, um zum Beispiel von einer erwarteten Erholung des Marktes zu profitieren.

Alpha lässt sich hingegen eher über einen längeren Zeitraum generieren, denn in jedem Markt gibt es Ineffizienzen, die Manager ausnutzen können. Käufer und Verkäufer an den Aktienmärkten handeln nicht rational, sondern werden von Emotionen getrieben, Über- und Untertreibungen sind deshalb die Regel. Solche Fehlbewertungen können sich in relativ kurzer Zeit korrigieren, manchmal braucht es dazu allerdings mehrere Jahre.

Guter Leistungsausweis

Bei der Wahl eines aktiven Fonds sollten Anleger vor allem darauf achten, wie unabhängig sich der Manager von einem Index bewegen kann. Zweites Kriterium ist der verfolgte Investmentansatz: Sowohl Top-down-Vorgehen als auch Bottom-up-Selektion können zum gewünschten Resultat führen. Und drittens sollte der Manager über mindestens einen Wirtschaftszyklus von sieben Jahren bewiesen haben, dass sein Ansatz Alpha generieren kann.

Anzeige

Wachstumsthemen

Während sich früher Top-down-Ansätze vor allem an den Länder- oder Sektorgewichtungen des Vergleichsindexes orientierten, stützen sie sich heute vermehrt auf Themen oder globale Makro-Treiber. Ziel ist es, Wachstumspotenziale früher zu erkennen als der Markt. Ein aktuelles Thema ist die Auswirkung der Stimulierungsprogramme der Regierungen von mehreren 100 Mrd Fr. auf die Weltwirtschaft. Diese sind erst richtig angelaufen und werden 2010 ihre volle Wirkung entfalten.

Von den Massnahmen profitieren vor allem Unternehmen in den Bereichen Infrastruktur und Versorgung. Dazu gehören das öffentliche Transportwesen, wo Investitionen in das Bahn- und Schienennetz vorgenommen werden, oder Schifffahrtsgesellschaften, die Basisgüter transportieren. Europäische Firmen in der Stahlindustrie wie Cookson oder Klöckner werden ebenso zu den Gewinnern der Stimulierungspakete zählen wie Unternehmen aus dem Bergbau, zum Beispiel Xstrata, oder einzelne Autoproduzenten wie Renault.

Einen ganz anderen Weg schlagen Value-Manager ein, die auf unterbewertete Aktien setzen. Nach der allgemei-nen Markterholung 2009 ist jetzt wieder Selektivität gefragt, und nur mit Stock Picking dürften noch überdurchschnittliche Resultate erreicht werden. Wichtige Kriterien bei der Titelauswahl sind eine gesunde Ertragskraft der Unternehmen, eine solide Marktposition und ein gutes Management. Auch weitere Aspekte rund um die Refinanzierung sollten genau analysiert werden. Relevant ist zudem das Bewertungsniveau der Aktien. Value-Manager investieren meist nur in Unternehmen, die mindestens 40% unter ihrem fairen Wert gehandelt werden. Dadurch ist eine Sicherheitsmarge gewährleistet und viel Kurspotenzial nach oben offen. Wer bei der Titelselektion konsequent diese Kriterien berücksichtigt, investiert mit attraktiven Renditechancen, wobei Kapitalverlustrisiken vergleichsweise niedrig sind. Eine gute Kaufgelegenheit ist in Europa beispielsweise die Fährenbetreiberin Irish Continental Group. Value-Anleger brauchen einen langen Atem, denn es dauert im Durchschnitt drei bis fünf Jahre, bis der Markt die Unterbewertung korrigiert. Gegenüber dem Marktdurchschnitt schneidet der Value-Ansatz aber regelmässig besser ab.

Das Universum der Small und Mid Caps in Europa umfasst mehr als 10000 Unternehmen. Diese stehen nicht im primären Fokus der Analysten und Investoren und bieten deshalb für Fondsmanager hohe Chancen, Ineffizienzen in der Bewertung auszunutzen. Small und Mid Caps sind in der Krise überdurchschnittlich eingebrochen, haben sich aber 2009 auch stärker als die Standardtitel erholt.

Hohe Volatilität

Die hohe Volatilität hängt mit dem engen Markt in diesen Titeln zusammen, in denen schon kleinere Handelsvolumen zu grossen Preissprüngen führen können. Small Caps sind klassische Profiteure in Bullenmärkten. Die Aktienkategorie der kleinen Unternehmen ist prädestiniert für aktive Manager, um Alpha zu generieren. Aufgrund der sehr hohen Volatilität eignen sie sich aber eher als Beimischung eines Portfolios.