Eine lang anhaltende Schwäche bei 90 Rp. pro Dollar wäre für die Schweizer Wirtschaft massiv schädigend», ist Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, überzeugt. «Am verwundbarsten sind jene Firmen, bei denen die Kosten in Schweizer Franken anfallen und die Erträge in Dollar», sagt Martin Naville, Geschäftsführer der Swiss-American Chamber of Commerce. Dagegen helfe nebst den üblichen Sicherungsgeschäften (Hedging) die Strategie, Produktion und Verkauf möglichst auf verschiedene Währungsräume zu verteilen.

Dieses Rezept, das Experten auch als «natürliches Hedging» bezeichnen, ist bei den Global Players wie zum Beispiel Novartis üblich. Weitaus exponierter sind all jene Unternehmen, die nicht über die notwendige Grösse verfügen, um ihre Produktion in alle möglichen Länder diversifizieren zu können.

Exporte in die USA verlangsamt

Bei den Pilatus-Flugzeugwerken zum Beispiel klagt Firmenchef Präsident Oscar J. Schwenk darüber, dass der Ertrag 2007 wegen des schwachen Dollars mit der Umsatzentwicklung nicht Schritt halten konnte. Auf dem amerikanischen Kontinent macht Pilatus vor allem mit dem PC-12 rund 40% des Umsatzes. Ein Preisaufschlag liegt hier deshalb nicht drin, weil die Konkurrenten von Pilatus in den USA produzieren.

Auch der Spezialsägenhersteller Meyer Burger verkauft über die Hälfte seiner Produkte im Dollar-raum, ohne dort zu produzieren. Das dürfte auf die Geschäftszahlen drücken. Ähnlich positioniert sind gemäss Aussagen der Zürcher Kantonalbank (ZKB) Austriamicrosystems, Nobel Biocare oder Actelion (siehe Kasten).

Anzeige

Die Zahlen der Handelsbilanz Schweiz–USA 2007 deuten denn auch an, dass die Dollarschwäche und das Stottern der US-Konjunktur bereits Spuren hinterlassen haben. Jedenfalls wuchsen die Exporte der Schweizer Firmen in die USA gegenüber dem Vorjahr nur noch um 77 Mio Fr., während sie zwischen 2004 und 2006 steil um 4 Mrd Fr. auf 18,255 Mrd Fr. gestiegen waren.

Für das laufende Jahr haben laut Naville die meisten Firmen ihre Auftragsbücher für die USA zwar immer noch gut gefüllt. «Erste Bremsspuren könnte es aber in der zweiten Hälfte dieses Jahres geben», warnt der Geschäftsführer der Swiss-American Chamber of Commerce. Anderseits attestiert er den Schweizer Firmen eine hohe Flexibilität, «die es ihnen erlauben wird, auch auf eine längere Dollarschwäche rasch und richtig zu reagieren». Vorderhand könne aber nur spekuliert werden, wieweit eine längere Dollarschwäche nicht nur die Umsätze drücken, sondern auch die Margen und Gewinne schmälern würde.

Die bisherigen Geschäftsresultate zeigen ein uneinheitliches Bild. Bei Novartis zum Beispiel schlägt die Dollarschwäche nicht zu Buche: Deren Konzernrechnung wird in Dollar erstellt. Die USA und mit einem Umsatzanteil von 36% (2007) zwar der weitaus grösste Absatzmarkt, aber sie sind fast ebenso wichtiger Produktionsstandort. «Wir wickeln – ausser in Dollar – unsere Geschäfte in vielen anderen Währungen ab und rechnen diese für die Konzernbilanz um», erklärt Firmensprecher Satoshi Sugimoto. Die Wechselkursschwankungen hatten im 1. Quartal 2008 einen positiven Nebeneffekt: Sie trugen 185 Mio Fr. zum operativen Ergebnis von 2,5 Mrd Dollar bei, obwohl Novartis in den USA einen Umsatzrückgang von 19% zu beklagen hatte.

Währungseffekt vermiest Zahlen

Bei Roche hingegen wird in Franken abgerechnet. Dies wirkte sich im 1. Quartal 2008 negativ aus. Einer der Gründe für den Umsatzrückgang der Pharmadivision um 6% waren Währungseffekte, denn Roche tätigt 40% seines Umsatzes in den USA.

Würde Roche in Dollar fakturieren, hätte man hingegen ein klares Wachstum vermelden können. Der Konzern betreibt in den USA Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionszentren, und es fallen mit dem Umsatz vergleichbare Kosten in Dollar an. Diese Formel eines Natural Hedging gilt auch für andere Konzerne wie Holcim, Nestlé, Sulzer oder Sika.