Sie haben einen Rückgang bei Umsatz und Auftragseingang vermeldet. Gibt es auch positive News?

Philippe Maquelin: Ich sehe nicht viel Positives. Seit dem 2. Trimester 2008 befinden wir uns in einer Rezession. Positiv ist vielleicht, dass der Umsatzrückgang dennoch nicht katastrophal und im Vergleich zur Konkurrenz gar weniger stark ausgefallen ist. Die globale Konjunkturlage ist allerdings sehr schlecht und man kann die Situation nicht beschönigen.

Vergangenen Mai waren Sie noch weit zuversichtlicher. Was ist seither geschehen?

Maquelin: 2008 haben wir verschiedene Etappen durchlaufen: Bereits Anfang Jahr spürten wir einen Nachfragerückgang aus der Elektronikbranche. Da nur einer unserer Absatzmärkte betroffen war, verlief das 1. Trimester noch zufriedenstellend. Im 2. Trimester spürten wir die Krise in der Automobilindustrie. Von ihr sind wir am stärksten betroffen. Mit dem Lehman-Crash im September hat sich die Krise dann auf sämtliche Absatzmärkte ausgeweitet. Nun spürten wir auch einen Nachfragerückgang in der Uhrenindustrie und der Medizinaltechnik.

Was ist vom Geschäftsergebnis 2008 von Tornos zu erwarten?

Maquelin: Die Details präsentieren wir im März.

Werden die Nachrichten noch schlechter ausfallen als heute?

Maquelin: Nein, das denke ich nicht. Natürlich wird die Marge zurückgehen. Unser Ebit wird aber sicherlich positiv sein und wir werden keinen Verlust schreiben. Das Ergebnis wird nicht gut, aber auch keine Katastrophe.

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Wie sieht Ihre Bilanzsituation aus?

Maquelin: Bezüglich der Liquidität haben wir derzeit keine Probleme. Wir haben unsere Kreditlimiten bei den Banken verlängert, auch wenn wir diese bisher nicht benötigten. Die Bilanz bereitet uns zurzeit keine Sorgen.

Gibt es Anzeichen einer Erholung?

Maquelin: Nein. Die Visibilität ist sehr gering. Insbesondere, da viele unserer Abnehmer im Januar Kurzarbeit hatten wie wir übrigens auch. Wir gehen davon aus, dass wir in unserem Markt, wie im Vorjahr, nochmals eine Verschlechterung um 20% sehen werden.

Werden Sie demnach im April nochmals Kurzarbeit einführen?

Maquelin: So war es geplant. In den nächsten zehn Tagen werden wir entscheiden, ob wir die Kurzarbeit bereits auf März vorziehen sollen. Da die Sicht derzeit sehr gering ist, müssen wir solche Entscheide sehr kurzfristig treffen. Es handelt sich dabei aber um taktische Massnahmen, an der strategischen Ausrichtung von Tornos wird sich dadurch nichts ändern.

Können Sie durch die Kurzarbeit Entlassungen vermeiden?

Maquelin: Wir setzen derzeit auf die Kurzarbeit, um Massenentlassungen und den Verlust von wertvollem Know-how zu vermeiden. Andererseits verlangt die derzeitige Krise eine Anpassung der Organisation. Von der Reorganisation werden aber nur wenige Personen betroffen sein, es wir nicht zu vielen Entlassungen kommen.

Welche Massnahmen planen Sie zur Verbesserung der Auftragslage?

Maquelin: Wir machen, was wir können, doch wir können die Nachfrage nur sehr schwer direkt beeinflussen. Als Zykliker sind wir stark von der Konjunkturentwicklung abhängig.

Welche Erwartungen haben Sie demnach an die staatlichen Konjunkturförderprogramme?

Maquelin: Als exportabhängige Firma profitieren wir von den Programmen im angrenzenden Ausland mehr als von jenem der Schweiz. Interessanter als Konjunkturförderprogramme wäre aber der Ausbau der Arbeitslosenversicherung, um den Konsum zu stimulieren. Denn bei kleinen und mittleren Einkommen führt ein Ausfall um bis zu 30% zu einem erheblichen Verlust der Kaufkraft.

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Wie wird sich die Situation in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Maquelin: 2009 wird die Rezession anhalten. Wir gehen davon aus, dass sich die Konjunktur Mitte 2010 erholt, sodass wir 2011 wieder ein gutes Jahr haben werden.

Wie kommentieren Sie die Aktienkursentwicklung?

Maquelin: Heute repräsentieren die Aktienkurse nicht mehr den realen Wert einer Firma, weder bei Tornos noch bei anderen Titeln.