Die AFG-Zahlen haben den Konsens übertroffen, die Guidance von 1,6 Mrd Fr. blieb aber unerreicht.

Edgar Oehler: Das Echo auf unsere Zahlen war überraschend positiv. Ohne die negative Währungsentwicklung hätten wir den Umsatz von über 1,6 Mrd Fr. erzielt.

Sie publizieren das gesamte Jahresergebnis am 16. März. Ihr Ausblick lässt nichts Gutes erahnen.

Oehler: Wir sind grundsätzlich positiv gestimmt. Wir haben bereits im September eine erste Gewinnwarnung ausgegeben. In der Budgetierung von 2009 sind wir für AFG von einem Wachstum ausgegangen. Angesichts der tausenden von Entlassungen, die vermeldet werden, müssen wir heute aber vorsichtig sein. Im Bau läuft es gut, nicht nur in der Schweiz. Betroffen sind wir in jenen Bereichen, welche die Maschinen- oder Automobilindustrie beliefern.

Sie warnen vor einer Margenerosion und vor erhöhtem Preisdruck.

Oehler: In einem Umfeld, in dem viele Mitbewerber nur noch auf Liquidität und Cash aus sind, statt real zu rechnen, sind wir diesen Effekten ausgesetzt.

Welches Ergebnis ist zu erwarten?

Oehler: Wir werden uns trotz allem angenehm abheben. Nicht nur von den Mitbewerbern, sondern generell. Momentan hört man ja nur Negativmeldungen, und wie die Börse darauf reagiert, ist ohnehin irreal. Wenn wir uns vergleichen und das Echo der Analysten hören, überraschen wir eher positiv.

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Wie kommen die laufenden Restrukturierungen voran?

Oehler: Wir haben bereits im März 2008 mit der Reorganisation begonnen. Nun bauen wir den massiven Ferien- und Überzeitenüberhang aus den Boomjahren ab. Statt in drei Schichten arbeiten wir in den betreffenden Geschäftseinheiten nur noch in zwei Schichten. Bis im Frühling werden wir die Überzeiten abgebaut haben.

Kommt es danach zu Entlassungen? In der Stahltechnik und der Oberflächentechnologie (STI) wurde Kurzarbeit eingeführt.

Oehler: Unser Ziel ist es, Entlassungen wenn möglich zu vermeiden. Wir können uns aber keine Low-Performer mehr leisten. Von ihnen trennen wir uns.

Mit welchen Massnahmen wollen Sie Entlassungen verhindern?

Oehler: Wir werden bei STI nun Kunden beliefern, die wir in der Hochkonjunktur wegen mangelnder Kapazitäten nicht bedienen konnten. Zudem haben wir ein neues Beschichtungsverfahren eingeführt, mit dem wir neue Kundensegmente ansprechen. Dadurch erwarten wir mindestens eine Stabilisierung des Umsatzes.

Welche Massnahmen planen Sie im Bereich der Stahltechnik?

Oehler: Wir müssen zwischen Rohren und Profilen unterscheiden. Rohre sind für Automotive bestimmt; dort sind wir auf die Autoproduktion angewiesen. Die Profile gehen zumeist in den Bau.

Wie wird sich die Baukonjunktur im laufenden Jahr entwickeln?

Oehler: Ich bin überzeugt, dass sich die staatlichen Konjunkturprogramme positiv auf den Bau auswirken werden. Indem die Infrastrukturbauten vorgezogen werden, profitiert die gesamte Branche. AFG profitiert zudem von Energie- und Klimaschutzmassnahmen, da wir in diesen Bereichen gut aufgestellt sind. Schliesslich hilft uns die Tatsache, dass wir die Abhängigkeit von der Schweiz und Deutschland reduzieren konnten.

Wie ist AFG finanziert?

Oehler: Wir haben immer eine EK-Quote von 40% angestrebt und liegen heute zwischen 35 und 40%.

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Sind keine neue Mittel nötig?

Oehler: Wenn es nicht zu einem weiteren Abschwung kommt, dann sehe ich dies kurzfristig nicht. Langfristig kann es für die Expansion wieder aktuell werden.

2010 wird eine Obligation fällig.

Oehler: Ich habe keine Bedenken bezüglich ihrer Refinanzierung.

Sie haben einen Goodwill-Abschreiber angekündigt.

Oehler: Es wird einen kleinen Abschreiber geben, Überraschungen sind aber keine zu erwarten.

Wo wird AFG Ende 2009 stehen?

Oehler: Wenn wir davon ausgehen können, dass sich die Wirtschaftsentwicklung nicht nochmals verschlechtert und ein leichter Aufschwung kommt, dann bin ich durchaus positiv eingestellt.