Weshalb erwarten Sie im laufenden Jahr ein Umsatzplus von 10 bis 15% ? nach 38% im Vorjahr?

Valentin Vogt: Unser Umsatz ist in den letzten Jahren sehr stark gestiegen. Wir haben schon immer gesagt, dass sich unser Wachstum irgendwann bei 5% bis 8% einpendeln wird. Letztes Jahr mussten wir, insbesondere im 2. Semester, etwas auf die Bremse stehen, was die Bestellungen betrifft, sonst hätte wir unsere hohen Qualitätsstandards gefährdet.

Angesichts der Marktnachfrage und des hohen Ölpreises erstaunt der Zeitpunkt der Normalisierung.

Vogt: Der Ölpreis ist für uns sicherlich positiv, doch hat eine Verdoppelung des Ölpreises keinen besonderen Effekt, da unsere Kunden über einen Planungshorizont von gut 20 Jahren verfügen. Wenn der Ölpreis aber zu schnell in die Höhe schiesst, wäre dies makroökonomisch problematisch und könnte die Wirtschaft ins Stocken bringen. Dies würden auch wir spüren.

Sehen Sie derzeit eine entsprechende Entwicklung?

Vogt: Nein, im Moment nicht.

Weshalb erwarten Sie 2008/09 einen Ebit und Gewinn auf Vorjahresniveau?

Vogt: Dieses Jahr hatten wir einen positiven Sondereffekt von 7,1 Mio Fr. aus Rückstellungen. Andererseits profitierten wir von Skaleneffekten in Verkauf und Administration. Für unser zukünftiges Wachstum müssen wir nun Vorleistungen erbringen. Dies betrifft den Mittleren Osten und China.

Welche Schritte planen Sie?

Vogt: Wir wollen die Wertschöpfung in China in den nächsten 24 Monaten erhöhen. Dabei werden wir die Kompressoren weiterhin importieren, doch für die Anlagen die lokalen Ressourcen nutzen. Im Mittleren Osten planen wir den Aufbau einer Verkaufs- und Serviceorganisation.

Nach wie vor arbeitet Burckhardt Compression am Kapazitätslimit.

Vogt: Wir arbeiten am Ausbau unseres Standorts in Winterthur. Bis Ende 2009 sollten uns die Kapazitäten zur Verfügung stehen. Wir werden dabei vor allem zuvor gemietete Flächen konsolidieren und dadurch Effizienzfortschritte erzielen. Das bisherige Wachstum war diesbezüglich nicht immer optimal. In den nächsten drei Jahren werden wir durchschnittlich 18 Mio Fr. pro Jahr in den Kapazitätsausbau investieren und damit einen Umsatz von über 450 Mio Fr. anstreben.

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Wie sieht es mit den Kapazitäten bei den Zulieferern aus?

Vogt: Die Lage ist noch immer angespannt. Die Preise haben sich zwar stabilisiert, doch die Lieferzeiten sind weiterhin hoch. Was uns Sorgen bereitet ist die Qualität, die nicht mehr den Standards entspricht, die wir noch vor zwei Jahren hatten.

Wie wirkt sich dies bei Ihnen aus?

Vogt: In einem erhöhten Betreuungsaufwand der Lieferanten. Es werden zusätzliche Qualitätskontrollen nötig, um die gewünschten Standards zu erhalten.

Werden Sie weitere Akquisitionen bei den Zulieferern tätigen?

Vogt: Wir prüfen laufend Zukäufe bei den Schlüsselkomponenten für Kompressoren, doch sind die Preise noch immer hoch. Zudem muss die Akquisition strategisch und menschlich Sinn machen.

Potenzial sehen Sie im Transport und der Lagerung von flüssigem Erdgas, LNG genannt, und bei kombinierten Antriebssystemen, den ME-GI. Wie sieht es hier aus?

Vogt: Die Bestellungseingänge sind auf hohem Niveau. Mitte Mai konnten wir die erste Bestellung eines Laby-GI vermelden. Strategisch können wir uns vorstellen, dass dies ein eigenes Segment in unserer Firma werden könnte.

Antriebssysteme für Schiffe wurden aber noch nicht verkauft.

Vogt: Der LNG-Schiffsmarkt läuft derzeit eher schleppend, was mit Problemen bei den Terminals zusammenhängt. Ich erwarte aber eine Belebung in den nächsten 12 bis 18 Monaten sowie die Bestellung eines ersten ME-GI.

Wie wird sich das Servicegeschäft weiterentwickeln?

Vogt: Es wird weiter wachsen, aber nicht so sprunghaft wie das Maschinengeschäft. Der prozentuale Umsatzanteil des Servicegeschäfts hat abgenommen, was aber primär auf die sehr gute Entwicklung bei den Maschinen zurückzuführen ist. Wir erwarten ein Wachstum von 5 bis 8% pro Jahr.