Zuwachsraten von 10% und mehr prägen die bis jetzt bekannt gewordenen Umsatz- und Ertragszahlen der europäischen Nutzfahrzeughersteller. Mit Ausnahme des NAFTA-Raumes und Japan entwickelten sich die Nutzfahrzeugverkäufe auf den übrigen Märkten höchst erfreulich. In Westeuropa wurden letztes Jahr insgesamt 800700 Lieferwagen und Lastwagen über 3,5 t Gesamtgewicht neu in Verkehr gesetzt, ein Plus von 8,8%. Die einzelnen Gewichtsklassen entwickelten sich allerdings unterschiedlich: Im Bereich 3,5–6 t Gesamtgewicht resultierte ein kräftiges Plus von 16%, die nachfolgende Kategorie 6–16 t weist einen Rückgang von 5,3% auf, und die schweren Fahrzeuge legten um 2,3% zu.

Iveco/Fiat Nummer eins in Europa

Betrachtet man die Absatzzahlen ab 3,5 t Gesamtgewicht nach Herstellern, dann belegt der Fiat-Konzern mit den Marken Iveco und Fiat Auto mit insgesamt 171671 verkauften Fahrzeugen die klare Nummer-eins-Position in Europa, gefolgt vom Daimler-Konzern (Mercedes-Benz) mit 158749 Verkäufen und Volvo/Renault Trucks mit 127600 verkauften Lieferwagen und Lastwagen. Die positiven Zuwachsraten hinterliessen aber auch in den Erfolgsrechnungen der Konzerne ihre Spuren. Weltmarktführer Daimler Trucks weist bei einem Umsatz von 28,47 Mrd Euro einen Ebit von 2,12 Mrd Euro aus. Die Umsatzrendite gibt der Konzern mit 7,5% an. Unterschiedlich schlossen die beiden schwedischen Hersteller Volvo Trucks – der weltweit zweitgrösste Hersteller – und Scania das Geschäftsjahr 2007 ab. Volvo Trucks steigerte den Umsatz um 10% auf 285,4 Mrd sKr., musste aber einen Gewinnrückgang von 8% auf 15 Mrd sKr. (2,5 Mrd Fr.) hinnehmen.Scania dagegen legte beim Umsatz um 19% auf 84,4 Mrd sKr. zu und der Gewinn verbesserte sich sogar um 44% auf rund 8,6 Mrd sKr. (1,5 Mrd Fr.). MAN Nutzfahrzeuge AG steigerte den Umsatz um 20% auf 10,4 Mrd Euro. Auch der Gewinn erreichte nach ersten Angaben neue Rekordwerte (genaue Zahlen publiziert MAN Nutzfahrzeuge erst an der Bilanzpressekonferenz vom 11. März 2008).

Der Osten lockte

Die starke Nachfrage nach Nutzfahrzeugen in den osteuropäischen Ländern und Russland hat zu voll ausgelasteten Produktionskapazitäten der Hersteller geführt. MAN profitiert bereits vom neuen Produktionswerk in Polen, während Scania ein neues Werk in Russland baut. Die Schweden wollen ebenso wie MAN Nutzfahrzeuge ihre Produktionskapazität auf jährlich 100000 Einheiten erhöhen. Vergangenes Jahr wurden in Russland 100% mehr Trucks verkauft als 2006.In Westeuropa sind letztes Jahr knapp 9% mehr Lastwagen neu in Verkehr gesetzt worden. Deutschland als grösster Einzelmarkt sowie Italien verzeichneten ein Wachstum von je rund 14%. Noch höhere Wachstumsraten weisen Belgien, Dänemark, Österreich, Norwegen und Portugal auf. Bei den schweren Fahrzeugen ab 16 t Gesamtgewicht resultierte letztes Jahr in Westeuropa eine Zunahme der Immatrikulationen von 2,3% auf 267102 Fahrzeuge.

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Flaute in der NAFTA-Region

Anders sieht es in Nordamerika aus. Der US-amerikanische Markt war 2007 das Sorgenkind der Hersteller. Die auf Anfang 2007 in Kraft getretene neue Abgasnorm EPA07 führte zu vorgezogenen Käufen in den USA und in Kanada. Entsprechend brachen die Verkaufszahlen 2007 ein – und zwar um rund ein Drittel. Ein Rückgang, der nach Ansicht der Hersteller im Jahr 2008 aufgeholt werden kann.