Rohstoffe verzeichneten 2010 hohe Renditen. Schlechte Wetterbedingungen führten zu Ernteverlusten im Agrarsektor, und der fragile Gesundheitszustand der globalen Finanzsysteme liess die Preise von Edelmetallen ansteigen. Rückenwind erhielten die Rohstoffe auch durch den schwachen US-Dollar und die dümpelnde US-Wirtschaft. Silber und Baumwolle waren dabei 2010 die Spitzenreiter unter den Rohstoffen, mit einem Preisanstieg von rund 70 Prozent bis Ende November 2010.

Vor allem Gold und Silber profitierten zuletzt von der zweiten Runde des «Quantitative Easing» (QE2). Dieses zweite Aufkaufprogramm von Anleihen durch die US-Notenbank Fed drängte nämlich den Dollar Anfang Oktober weiter in die Defensive. Auch für die Zukunft befürchten Investoren, dass die Fed den Markt mit Liquidität überschwemmen und einen Inflationsdruck heraufbeschwören könnte.

2011 werden die Rohstoffpreise weiter im Fokus stehen. Die Probleme der massiven Verschuldung zahlreicher europäischer Staaten werden nämlich nicht verschwinden, und das Risiko bleibt bestehen, dass weitere Länder innerhalb der Euro-Zone Finanzhilfe benötigen werden. Inwiefern dies den Wert des Euro vor allem gegenüber dem Dollar beeinflussen, wird, ist für Investoren eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Gleichzeitig wird die Weltwirtschaft weiter wachsen, was vor allem die Nachfrage nach zyklischen Rohstoffen wie Energie und Basismetallen antreiben wird.

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Kein Ausblick kann die immer wichtigere Rolle von China ausblenden. Seit der Finanzkrise kommt ein Grossteil der weltweiten Nachfrage aus den BRIC-Ländern, zu denen auch China zählt. Das enorme Stimulierungspaket, das China 2008 und 2009 initiiert hat, führte zwar wie erwartet zu starkem Wirtschaftswachstum, brachte aber auch eine steigende Inflation mit sich. Im Verlaufe dieses Jahres hat die chinesische Regierung damit begonnen, ihre expansive Wirtschaftspolitik zu drosseln, um die Inflation wieder unter Kontrolle zu bringen. Ob diese Straffung einen negativen Einfluss auf die Nachfrage nach Rohstoffen haben wird, wird sich erst herausstellen.

Höhere Agrar, Gold- und Ölpreise

Die Wetterbedingungen in den wichtigen Agrarregionen werden erneut einen zentralen Einfluss auf die Preisentwicklung haben. Die Vorräte einiger der wichtigsten Produkte wie Mais oder Zucker haben sich 2010 in einem Ausmass verkleinert, wie es letztmals bei der Nahrungskrise 2008 zu beobachten war. Die Performance des Reuters Jefferies Commodity Index dürfte deshalb die im laufenden Jahr erzielte Marke von 7 Prozent wieder erreichen oder sogar übertreffen. Dies vor allem dank dem verbesserten Ausblick für zyklische Rohstoffe.

Auch die Umstände, welche dieses Jahr für den massiven Anstieg des Goldpreises verantwortlich waren, scheinen nächstes Jahr anzuhalten und werden wohl zum elften Mal in Folge für eine positive Goldrendite sorgen. Zentralbanken sind im Verlaufe von 2010 zum ersten Mal seit zwei Jahrzehnten wieder als Nettokäufer aufgetreten, vor allem getrieben durch die Nachfrage aus Schwellenländern wie China, Indien und Russland. So hält China momentan rund 1000 Tonnen Goldvorräte, und für die kommenden Jahre wird ein anhaltend starker Anstieg erwartet.

Gold gilt noch immer als Absicherung gegen Inflation. Wir sehen das anders: Für uns ist Gold eine Absicherung gegen Instabilität. Gold tendiert dazu, sowohl in Perioden unerwarteter Inflation als auch bei Deflation und Disinflation an Wert zu gewinnen. Damit lässt sich die Goldrally von 1982 oder von 1985 bis 1987 erklären. Das ist auch der Grund, warum Gold im aktuellen Umfeld, in dem in vielen Volkswirtschaften Instabilität vorherrscht, eine extrem gute Performance zeigt.

Investitionen in Gold wurden mit dem Aufkommen von Exchange Traded Funds (ETF) in den vergangenen Jahren für Privatanleger viel einfacher. Mittlerweile halten ETF über 2000 Tonnen Gold - doppelt so viel wie die gesamten Reserven Chinas. Diese ETF-Bestände sind nicht fremdfinanziert und werden voraussichtlich wie Aktien langfristig gehalten. Das würde dafür sorgen, dass ein Teil der hohen Preisschwankungen entfällt, die normalerweise bei Gold-Futures vorherrschen. Trotzdem wird sich Gold zumindest vorläufig weiterhin volatil verhalten und kann in einem Quartal durchaus 10 bis 15 Prozent verlieren. Aber die grundsätzliche Tendenz ist positiv: In zwölf Monaten sehen wir Gold bei 1600 Dollar pro Unze. Das grösste Risiko ist ein dramatisch stärkerer Dollar.

Aufwärts zeigt auch der Trend beim Ölpreis. Die Handelsspanne bewegte sich 2010 in einem sehr engen Bereich im Vergleich zu vorherigen Jahren. Da die hohen OECD-Bestände von 2009 erst gegen Ende Jahr zurückgingen, stabilisierten sich die Preise zwischen 80 und 90 Dollar.

Der Ölpreis wird sich 2011 in Richtung 95 bis 100 Dollar bewegen. Diese Prognose blendet geopolitische Risiken im Hinblick auf Länder wie Nordkorea oder Iran aus, die kurzfristig die Preise treiben könnten. Die Preiskurve für Termingeschäfte hat sich in den letzten Monaten ein wenig abgeflacht, da die Lagerbestände zu schrumpfen begannen. Das hilft Investoren in Futures und ETF, da die monatlichen Rollkosten zurückgingen, die 2010 die Renditen um 8 Prozent schmälerten.

Mais überholt Weizen

Auch die Getreidepreise werden 2011 weiter hoch bleiben, um das Gleichgewicht zwischen knappem Angebot und steigender Nachfrage zu garantieren. Höhere Energiepreise steigern dabei die Attraktivität der Ethanol-Produktion. Zusammen mit einer starken Nahrungsmittelnachfrage und tiefen Lagerbeständen werden davon vor allem die Maispreise profitieren. Wenn die russische Weizenernte nicht erneut durch eine Dürre bedroht wird, wird die Preisentwicklung von Mais jene von Weizen übertreffen.