Die Zahl der Übernahmen und der Fusionen (Mergers & Acquisitions, M&A) mit Schweizer Beteiligung hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. 2007 kam es zu 530 angekündigten, hängigen und abgeschlossenen Deals. Zählt man die Kooperationen (249) dazu, dann beläuft sich die Zahl auf 779. 2006 wurden 459 Übernahmen, Fusionen und Beteiligungen erfasst sowie 127 Kooperationen.

Dies geht aus der exklusiv für die «Handelszeitung» zusammengestellten Übersicht des M&A-Unternehmens The Corporate Finance Group (TCFG) hervor. Ein Blick auf die Tabellen der folgenden Seiten zeigt einige M&A-Trends:

GlobalisierungNoch vor zehn Jahren handelte es sich bei der Hälfte aller Fusionen und Übernahmen um rein schweizerische Angelegenheiten: Eine hiesige Firma übernahm eine andere Schweizer Firma. Dies war 2007 nur noch bei 27% der Deals der Fall, also bei jeder vierten Fusion oder Übernahme (2006: 33%). Deswegen aber von einem «Ausverkauf der Heimat» zu sprechen, wie in der Öffentlichkeit gelegentlich zu hören ist, ist vollkommen falsch. Denn der Anteil der Schweizer Firmen, die ein Unternehmen im Ausland übernimmt, betrug letztes Jahr 46% und nähert sich dem Höchststand von 1998 (53%). Gleichzeitig sind auch die ausländischen Firmen in der Schweiz aktiver geworden, von 23% (2006) auf 28% im vergangenen Jahr. Marc Möckli, Partner bei The Corporate Finance Group, geht davon aus, dass die ausländischen M&A-Aktivitäten in der Schweiz weiter zunehmen werden. Insbesondere rechnet er mit Firmen, Beteiligungsgesellschaften oder Staatsfonds aus Asien (China und Indien) sowie aus dem Mittleren Osten. Der Einstieg des Staatsfonds aus Singapur bei der UBS sowie jenes aus Abu Dhabi bei der US-Grossbank Citigroup dürfte die Richtung weisen.

Zweigeteiltes Jahr 2007Im 1. Halbjahr herrschte permanente Champagnerlaune. Im Ausland (siehe Seite 72) und in der Schweiz reihten sich in den ersten sechs Monaten 2007 (Mega-)Merger an (Mega-)Merger. Im 2. Halbjahr 2007 hielten die Finanz- und M&A-Akteure die Luft an: In Schieflage geratene Hedge-Fonds und Investmentbanken lösten einen Schock aus. Seither hält die Subprime-Krise die Märkte in Alarmbereitschaft. Für die M&A-Aktivitäten bedeutet dies: Fremdfinanzierte Übernahmen (Private-Equity-Transaktionen) werden es in diesem Jahr schwieriger haben. Das wiederum heisst, dass 2008 mehr die strategischen Käufer im Vordergrund stehen. Etliche Industriefirmen verfügen dank Gewinnen über gut gefüllte Schatullen, zeigten sich 2007 aber wegen zum Teil überrissenen Preisvorstellungen auf dem M&A-Markt zurückhaltend. 2008 könnte die Stunde der «traditionellen» Industrie schlagen.

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Hungrige Grosskonzerne2007 war das Jahr der Finanzdienstleister, der in Zug und in Genf domizilierten Rohstoffkonzerne und der Pharmabranche. Sie alle haben im In- und Ausland zünftig akquiriert (siehe auch Seite 67). Die EFG-Bank hat sechs Vermögensverwalter und einen Hedge-Fonds gekauft. Die UBS hat drei Vermögensverwalter im Ausland akquiriert. Der Erstversicherer Zurich Financial Services wurde im Ausland fünfmal fündig. Roche hat fünf US-Pharma- und Biotech-Firmen und Forschungseinrichtungen gekauft. Ganz dem Motto «Stillstand ist Rückstand» sind auch die Grosskonzerne Nestlé, Holcim, Adecco sowie Kühne + Nagel kräftig auf Einkaufstour gegangen.

Spektakulärer ZweikampfDie beiden Detailhändler Migros und Coop liefern sich ein hartes Duell um Marktanteile. Während Coop im letzten Jahr mit der Übernahme des Elektrogeräte-Unternehmens Fust Aufmerksamkeit erregte, kam Migros mit der Akquisition von Denner in die Schlagzeilen. Der Zweikampf geht 2008 weiter.