Whatsapp hat mit seinen Kurzmitteilungen bereits für hunderte Millionen Menschen weitgehend die SMS verdrängt. Bald können alle Nutzer auch über WhatsApp telefonieren.

Der Kurzmitteilungsdienst ist bereit für die breite Einführung der seit langem angekündigten Anruffunktion. Die am Dienstagabend veröffentlichte neue Version der App für Apples iPhone enthält den Telefonierservice mit dem Namen Whatsapp Call.

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Die Funktion werde «in den nächsten Wochen langsam aktiviert», hiess es. WhatsApp begann bereits vor einigen Wochen damit, die Funktion für Nutzer auf Geräten mit dem Google-Betriebssystem Android freizuschalten.

Teilen von Fotos und Videos vereinfacht

Die App nutzt dabei nicht das herkömmliche Telefonnetz, sondern die Internetverbindung. Mitgründer Jan Koum hatte Anrufe über WhatsApp bereits vor über einem Jahr in Aussicht gestellt.

Mit dem Update vereinfacht Whatsapp zudem das Teilen von Fotos und Videos, unter anderem aus anderen Apps heraus. Ausserdem wurde ein Schnellzugriff auf die Kamera direkt aus der Whatsapp-Anwendung eingeführt.

800 Millionen Nutzer

Whatsapp hat nach jüngstem Stand über 800 Millionen Nutzer weltweit und hat für viele die SMS weitgehend abgelöst. Der Dienst wurde im vergangenen Jahr für knapp 22 Milliarden Dollar von Facebook gekauft.

Manager beider Unternehmen versicherten seitdem immer wieder, dass WhatsApp unabhängig betrieben werden solle und auch die Nutzerdaten nicht zusammengeführt würden. Das Whatsapp-Team bekam zugleich Zugriff auf die gigantische technische Plattform von Facebook.

Im Ausland kostenlos telefonieren

Diverse Dienste bieten bereits die Möglichkeit an, über ihre Apps zu telefonieren. Darunter sind der Pionier Skype, Google, Facebook selbst, jüngere Services wie Viber oder Facetime auf Apple-Geräten. In der Schweiz hat die Swisscom im Jahr 2013 die Smartphone-App iO lanciert. Über den Dienst können Nutzer nicht nur Nachrichten versenden, sondern auch telefonieren.

Ein Vorteil für Nutzer ist, dass selbst im Ausland zum Beispiel über Wlan kostenlos telefoniert werden kann. Diese Internet-basierten Telefoniedienste greifen ebenfalls erheblich in das Geschäftsmodell der Provider ein, weil Kunden eventuell keine Telefoniepauschaltarife mehr buchen oder bei kostspieligen Auslandstelefonaten auf die Apps ausweichen.

Nehmen, aber nicht geben

Europäische Telekomkonzerne kritisieren, dass Onlinedienste massiv auf deren Infrastruktur zurückgreifen, ohne sich an den Aufbaukosten zu beteiligen. Facebook und Co. kontern, dass erst sie Menschen einen Grund gäben, Datenverträge abzuschliessen.

(sda/dbe/ama)